Politischer Jahresempfang des Bundesforum Männer: Männerpolitik mehr auf die unterschiedlichen sozialen Lagen von Männern abstimmen

v.l.n.r.: Erich Lehner, Obmann Dachverband Männerarbeit Österreich , Simone Schmollack, Journalistin, Christine Morgenstern, Leiterin der Abteilung Gleichstellung im Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer Bundesforum Männer, Rüdiger Jähne, SKM Bundesverband, Hans-Georg Nelles, Vorstand Bundesforum Männer und Stephan Buttgereit, Vorstand Bundesforum Männer

Das Voranbringen der europäischen Vereinbarkeitsrichtlinie, ein Kompetenzzentrum Gleichstellung, das auch Männer systematisch in den Blick nimmt, sowie Unterstützung für den Ausbau von Beratungsangeboten für Männer – so die Wünsche von Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforum Männer, an die Bundesregierung auf dem diesjährigen Jahresempfang des Bundesforums. Das Bundesforum Männer hatte am 13. September 2018 eingeladen, das Thema „Männer und soziale Lage“ zu diskutieren.

Nach der Begrüßung durch Stephan Buttgereit, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesforum Männer, führte Christine Morgenstern, Leiterin der Abteilung Gleichstellung im Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in ihrem Grußwort Punkte zur Geschlechterpolitik der Bundesregierung aus. Sexismus, sexuelle Gewalt und sexualisierte Übergriffe hätten viel damit zu tun, was als soziale Normen in der Gesellschaft akzeptiert wird. Dem müssten alle was entgegen stellen, auch Männer seien hier in der Pflicht. Sie betonte, dass Gleichstellungspolitik ein Dreiklang sei und es darum ginge, Frauen, Männer und die soziale Lage gleichermaßen in den Blick zu nehmen. Es sei gut, hier an einem Strang zu ziehen. Die Perspektive Geschlecht sei bei Arbeit mit Flüchtlingen sehr zu berücksichtigen und das Bundesforum Männer sei hier mit seinem Projekt movemen – Empowering Male Refugees auf einem guten Weg, den gelte es auszubauen.

In der Talkrunde diskutierten Erich Lehner, Obmann im Dachverband Männerarbeit Österreich (DMÖ), Rüdiger Jähne, Referent beim SKM Bundesverband und Dag Schölper über Männer, soziale Lage und Männerpolitik im deutschsprachigen Raum. Die Moderation übernahm die Journalistin und Autorin Simone Schmollack.

Erich Lehner betonte, dass eine flächendeckende und niedrigschwellige Struktur von Beratungs- und Hilfeangeboten unerlässlich sei, beispielsweise für Männer die von Gewalt betroffen sind. Zwar gebe es in Österreich in jedem Bundesland ein Männerberatungsangebot, diese seien aber oft nicht genügend ausgestattet und der Bedarf würde wachsen. Um die die Beratungsstellen zu stärken, fachlichen Austausch zu intensivieren und im politischen Raum Männerpolitik sichtbarer zu machen haben sich in Österreich die Männerberatungsstellen zum Dachverband DMÖ zusammengeschlossen. Dabei engagiert sich der DMÖ für Geschlechtervielfalt und soziale Gerechtigkeit und sieht sich als Sprachrohr von Jungen und Männern, aber auch als Kooperationspartner_innen für Frauen und ihre Rechte.

Rüdiger Jähne Referent im SKM Bundesverband betonte aus seiner Erfahrung als Männerberater, dass es vor allem niedrigschwellige Zugänge brauche, um die Männer „abzuholen“. Dies versuche der SKM mit seinem Angebot „echte Männer reden“ in dem Männer über ihre Probleme und Krisen reden können.

Für Dag Schölper war vor allem wichtig, dass Deutschland dafür einstehe, dass die EU-Vereinbarkeitsrichtlinie verabschiedet und diese auch umgesetzt werde, wo sie nicht schon von deutschen Standards erfüllt sei. Dies würde zum Beispiel die gesetzliche Verankerung einer Väterzeit direkt nach der Geburt umfassen. Er wies darauf hin, dass die Pilotstudie zu Gewaltbetroffenheiten von Männern aus dem Jahr 2004 sei und dass eine moderne Gleichstellungspolitik auch die Situation von Männern, Vätern und Jungen systematisch berücksichtigen muss, zum Beispiel im Rahmen eines Kompetenzzentrums Gleichstellung. Darüber hinaus sei es wichtig, dass vorhandene Beratungsangebote um männlichkeitsreflektierende Konzepte erweitert werden – um eben Männern in Krisensituationen, bei der Berufsorientierung oder etwa bei Obdachlosigkeit auch tatsächlich zu erreichen. Hier sei die Bundesregierung zusammen mit den Ländern und den Kommunen in der Pflicht, Strukturen und Ressourcen zu Verfügung zu stellen. Abschließender Tenor der Diskussion war, Männerpolitik immer auf die jeweiligen unterschiedlichen sozialen Lagen von Männern abzustimmen.

Für den musikalischen Rahmen sorgten Dirk Siebernik und Dag Schölper vom Bundesforum Männer und das Duo Whisperia.

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