
Vielfalt verteidigen – Haltung zeigen am Diversity Tag 2025
Während reaktionäre Stimmen in Politik und Wirtschaft an Einfluss gewinnen, geraten Fortschritte in Sachen Vielfalt und Gleichstellung zunehmend unter Druck. Von Politik und Unternehmen fordern wir, sich weiterhin für Diversitäts-Programme und -Initiativen nachhaltig starkzumachen. Sonst wären die DEI-Kampagnen (Diversity, Equity, Inclusion) der letzten Jahre nicht mehr als das gewesen, was Kritiker:innen schon immer monierten: bloße Symbolpolitik.
Bedroht vom weltweiten Backlash: Diversität muss mehr als Image-Pflege sein
Während in den letzten Jahren immer mehr Firmen und Regierungen dazu übergegangen sind, Diversity-Programme einzuführen, können wir aktuell in vielen Ländern der westlichen Welt eine Kehrtwende beobachten. US-Präsident Donald Trump führt im Militär ein Berufsverbot für Trans*personen ein, Meta-CEO Mark Zuckerberg fordert mehr „maskuline Energie“ in Unternehmen sowie Gesellschaft und der deutsche Software-Riese SAP streicht seine Ziele zur Geschlechtervielfalt.
Als Bundesforum Männer beobachten wir diese Entwicklungen mit großer Sorge. Denn auch in Deutschland gibt es laute Stimmen, die einer diversitätsoffenen Arbeitswelt und Gesellschaft unverholen eine Absage erteilen und die Zeit zurückdrehen wollen. Traditionelle Männlichkeitsbilder und die Diskriminierung von Minderheiten scheinen wieder salonfähig und Teil des (politischen) Mainstreams zu werden. Das dürfen wir nicht zulassen.
Bundesforum Männer Geschäftsführer Dr. Dag Schölper kommentiert: „Diversität darf nicht nur ein Lippenbekenntnis von Politik und Unternehmen sein. Vielfaltsoffenheit und Diskriminierungsfreiheit müssen handlungsleitend werden, sein und bleiben. Gerade jetzt.“
Warum alle Männer von Vielfalt profitieren
Vielfalt verstehen wir auch als Teil des Leitbilds einer „Caring Masculinity”, also einer (selbst-)fürsorglichen, empathischen und nachhaltigen Männlichkeit. Maskulinistische und diversitätsfeindliche Idealen schränken den Handlungs- und Entwicklungsraum von Jungen, Männer und Väter stark ein. Der Männerpsychologe Markus Theunert brachte es im September 2024 in einem Interview mit dem Magazin Brigitte auf den Punkt: „Männer, die sich an traditionellen Männlichkeitsnormen orientieren, sterben früher, einsamer und bitterer.”
Das Bundesforum Männer setzt sich für Vielfalt ein
Als gleichstellungsorientierter Verband stehen wir seit unserer Gründung an der Seite derer, die sich tagtäglich für Diversität einsetzen, unter patriarchalen sowie diskriminierenden Strukturen leiden und deren hart erkämpfte Rechte bedroht sind. Mit der letztjährigen Unterzeichnung der Charta der Vielfalt wollten wir nicht nur ein Zeichen nach Außen senden, sondern verstehen dies weiterhin als konkreten Handlungsauftrag an das BFM, Vielfalt in unserem Verband noch stärker in den Blick zu nehmen. Auch als Co-Träger der Initiative Männer gegen Rechts fordern wir Männer aktiv dazu auf, sich für eine offene, vielfältige und freie Gesellschaft einzusetzen.
Was jetzt passieren muss – Unsere Forderungen an Politik und Wirtschaft
Als Bundesforum Männer leisten wir unseren Beitrag für ein modernes, vielfältiges Männlichkeitsbild. Wir fordern Unternehmen dazu auf, an DEI-Programmen (Diversity, Equity, Inclusion) festzuhalten oder diese gar erst einzuführen. Davon profitieren auch die Unternehmen. Firmen mit einer hohen Geschlechtervielfalt in Führungsteams haben beispielsweise eine 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein, so die Ergebnisse einer 2020 veröffentlichten Studie der Wirtschaftsberatung McKinsey. Eine Analyse der Boston Consulting Group stellte fest, dass Unternehmen mit einer überdurchschnittlichen Diversität im Management 45 Prozent ihres Umsatzes aus Innovationen zogen – bei Firmen mit unterdurchschnittlich diversem Management waren es nur 26 Prozent.
Für die Regierung ergibt sich aus unserer Sicht der klare Auftrag, bestehende Gleichstellungsgesetze und Diversitätsprogramme zu stärken und zu schützen. Auch um diese resilienter gegen zersetzende Angriffe zu machen. Nur eine Politik, die auch marginalisierte und zunehmend unter Druck stehende Gruppen sieht und einbezieht, kann den Anspruch erheben, Politik für ganz Deutschland zu machen. Gerade in Zeiten, in denen andernorts Gleichstellung und Vielfalt in Frage gestellt werden, sollte Deutschland – gemeinsam mit anderen europäischen Demokratien – selbstbewusst für die Vorteile einer offenen und pluralen Gesellschaft einstehen.