
„Das Bundesforum Männer ist für uns ein zentraler Ort der Vernetzung.“
„Gleichstellung gelingt nur, wenn alle Geschlechter aktiv einbezogen werden“ – davon ist Luis Teuber, Vorstandsmitglied des Netzwerks Väterarbeit München e.V., überzeugt. Das Netzwerk ist seit Juni 2025 Mitglied im Bundesforum Männer. Im Interview erzählt Luis Teuber, warum Väterarbeit mehr Sichtbarkeit braucht, wie tradierte Rollenbilder aufgebrochen werden können und was das BFM als Ort der Vernetzung so wertvoll macht.
Was macht eure Organisation – und auf welche Weise engagiert ihr euch für Jungen, Männer oder Väter?
Luis Teuber: Das Netzwerk Väterarbeit München e.V. setzt sich für die gesellschaftliche Sichtbarkeit und Wertschätzung aktiver Vaterschaft mit Angeboten der Väterarbeit in München ein. Wir engagieren uns für eine moderne Väterpolitik, die Vätern ermöglicht, ihre Rolle als fürsorgliche Bezugsperson gleichberechtigt wahrzunehmen. Unser Arbeitsbereich umfasst die fachliche Vernetzung von Akteuren aus Sozialarbeit, Bildung, Familienberatung und Gleichstellung. Unsere Netzwerkpartner*innen und Mitgliedsorganisationen arbeiten direkt mit Vätern in der Familienbildung, den Erziehungshilfen, über Bildungsangebote, in der Stadtteilarbeit, Seelsorge und vielem mehr. Das Netzwerk selbst sieht seinen Auftrag eher auf fachpolitischer Ebene, indem wir Impulse für eine väterfreundliche Infrastruktur setzen und uns in kommunalen Gremien für die Belange von Vätern stark machen. Dies geschieht z. B. durch Formate wie „Runder Tisch Väterarbeit“, Väterfachtage, Münchner Vätertage. Unsere Zielgruppe sind Väter in all ihrer Vielfalt: zusammenleben und getrennt erziehend, alleinerziehend, in Regenbogenfamilien oder mit Migrationsgeschichte – wir stehen für eine inklusive Väterarbeit, die Lebensrealitäten ernst nimmt und gesellschaftliche Teilhabe fördert. Der Verein hat derzeit 10 Mitgliedsorganisationen und ein Stamm von etwa 40 Kooperationseinrichtungen in München und im Münchner Umland.
Unsere Arbeit zielt darauf ab, tradierte Rollenbilder zu hinterfragen und neue Perspektiven auf Männlichkeit und Vaterschaft zu eröffnen.
Luis Teuber, Vorstandsmitglied Netzwerk Väterarbeit München e.V.
Warum ist es wichtig, Jungen, Männer und Väter zu adressieren und einzubeziehen, um die Gleichstellung aller Geschlechter zu erreichen? Und wie möchtet ihr mit eurer Arbeit dazu beitragen?
Luis Teuber: Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft, in der Macht und Teilhabe zu Lasten der Frauen überwiegend in der Hand von Männern sind. Auch Männer sind durch Unterordnung und Marginalisierung Opfer hegemonialer Männlichkeitsstrukturen. Gleichstellung gelingt nur, wenn alle Geschlechter aktiv einbezogen werden – auch Jungen, Männer und Väter. Sie sind nicht nur Teil des Problems, sondern müssen auch Teil der Lösung im Veränderungsprozess aktiv eingebunden sein. Unsere Arbeit zielt darauf ab, tradierte Rollenbilder zu hinterfragen und neue Perspektiven auf Mäânnlichkeit und Vaterschaft zu eröffnen. Indem wir Väter in ihrer aktiven Rolle stärken und Männer ermutigen, sich mit Care-Arbeit, emotionaler Verantwortung und Gleichstellung auseinanderzusetzen, leisten wir einen Beitrag zu einer geschlechtergerechteren Gesellschaft. Wir schaffen Räume für Reflexion, Austausch und Engagement – und fördern damit eine Kultur, in der Fürsorge, Vielfalt und Partnerschaftlichkeit als männliche Qualitäten sichtbar werden. Dies geschieht im Interesse von Frauen und Männern und ist für alle ein Gewinn.
Was findet ihr am Bundesforum Männer besonders wertvoll – und was bedeutet euch die Mitgliedschaft?
Luis Teuber: In Bayern, aber auch in München ist – meiner Einschätzung nach – der fachliche Diskurs in Bezug auf geschlechtergerechte Jungen-, Männer- und Väterarbeit im Verhältnis zu dem, was ich etwa bei der Mitgliederversammlung des Bundesforum Männer erlebt habe, noch sehr ausbaufähig. In München richtet sich Gleichstellungsarbeit bislang ausschließlich an Frauen! Das Bundesforum Männer ist für uns ein zentraler Ort der Vernetzung, des fachlichen Austauschs und der politischen Interessenvertretung. Die Mitgliedschaft bedeutet, Teil eines bundesweiten Diskurses zu sein, der Männerpolitik als integralen Bestandteil von Gleichstellungspolitik versteht. Besonders wertvoll ist für uns die Vielfalt der Perspektiven im BFM – von der Väterarbeit über die Jungenpädagogik bis hin zu queeren Männlichkeiten. Die Plattform ermöglicht es uns, unsere Erfahrungen aus der kommunalen Praxis einzubringen und gleichzeitig Impulse aus anderen Regionen und Kontexten aufzunehmen. Das stärkt unsere Arbeit vor Ort und gibt ihr eine überregionale Stimme. Wertvoll finde ich die Informationen auf der Website, die Stellungnahmen, die fachlichen Empfehlungen, Studien, den Newsletter und vieles mehr.
Über das Netzwerk Väterarbeit München
Der Netzwerk Väterarbeit München e.V. ist ein Zusammenschluss von aktuell zehn Mitgliedsorganisationen und rund 40 Kooperationspartnern im Münchner Raum. Es setzt sich für die gesellschaftliche Sichtbarkeit und Wertschätzung aktiver Vaterschaft ein, fördert eine inklusive Väterarbeit und vertritt die Interessen von Vätern auf kommunaler und fachpolitischer Ebene.