
Gemeinsam gegen den Backlash: Bericht der MenEngage Alliance zeigt Handlungsoptionen
Wie können Männer aktiv zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beitragen – in einer Zeit, in der geschlechterpolitische Errungenschaften weltweit zunehmend unter Druck geraten? Diese Frage steht im Zentrum des neuen Berichts „Resisting Backlash: Ways Forward for MenEngage Alliance“, der jetzt von unserem internationalen Partnernetzwerk MenEngage Alliance veröffentlicht wurde.
Ein neuer Bericht mit dringlicher Botschaft
Der Bericht beleuchtet, wie weltweit ein zunehmender patriarchaler Backlash zu beobachten ist: Rückschritte bei reproduktiven Rechten, Angriffe auf LGBTQI+-Communities, verstärkte Online-Gewalt und politische Maßnahmen, die Geschlechtergerechtigkeit aktiv untergraben. Dies geschieht häufig im Zusammenspiel mit autoritären, rechtspopulistischen und fundamentalistischen Kräften.
Zugleich wird deutlich: Es gibt Möglichkeiten dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Der Bericht dokumentiert zahlreiche Erfahrungen von MenEngage-Mitgliedsorganisationen auf sechs Kontinenten – darunter auch aus Europa – und formuliert konkrete Strategien für eine wirksame Auseinandersetzung mit antifeministischen Kräften.
Zentrale Erkenntnisse:
- Patriarchaler Backlash ist kein Randphänomen, sondern zunehmend organisiert, finanziert und politisch vernetzt – national wie transnational. Religiöse Fundamentalisten, rechte Thinktanks und extrem rechte Akteure nutzen ähnliche Narrative, um Geschlechtergerechtigkeit zu delegitimieren.
- Digitale Räume sind zentrale Arenen des Backlashs. Die sogenannte „Manosphere“ – ein Netzwerk antifeministischer Online-Communities – verbreitet toxische Männlichkeitsbilder, insbesondere unter jungen Männern. Empfehlungsalgorithmen und emotionale Trigger verstärken diese Dynamiken.
- Männergruppierungen werden instrumentalisiert, um gegen feministische Bewegungen vorzugehen. Die Erzählung vom „benachteiligten Mann“ wird genutzt, um Ressentiments zu mobilisieren und progressive Politik zu diskreditieren.
- Geschlechterpolitische Rückschritte sind eng mit demokratiefeindlichen Entwicklungen verknüpft. Der Angriff auf Frauen- und LGBTQI+-Rechte geht häufig einher mit einem Abbau von Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechten.
Handlungsempfehlungen: Was tun?
Der Bericht gibt klare Impulse, wie sich Akteure der Jungen-, Männer- und Väterarbeit positionieren und handeln können:
- Jungen und Männer aktiv ansprechen – mit zielgruppengerechter Sprache, authentischen Vorbildern und konkretem Bezug zu ihren Lebensrealitäten.
- Digitale Bildungs- und Dialogformate stärken, die Aufklärung, Reflexion und kritische Männlichkeitsarbeit fördern.
- Strategische Bündnisse mit feministischen, LGBTQI+- und zivilgesellschaftlichen Organisationen ausbauen – gemeinsam gegen Antifeminismus und Demokratieabbau.
- Eigene Werte und Haltungen schärfen. Der Bericht betont die Notwendigkeit gemeinsamer Prinzipien und eines klaren Selbstverständnisses in der männerbezogenen Gleichstellungsarbeit.
Warum das auch uns in Deutschland betrifft
Auch hierzulande zeigen sich ähnliche Tendenzen: rechte Diskurse rund um Geschlechterrollen gewinnen an Boden, antifeministische Narrative verbreiten sich in sozialen Medien und im politischen Raum. Der Bericht macht deutlich: Die Auseinandersetzung mit patriarchalen Machtverhältnissen ist kein „Zusatzthema“, sondern zentral für demokratische und gerechte Gesellschaften.
Der Bericht von MenEngage Alliance gibt dafür wichtige Impulse.
Den vollständigen Bericht auf Englisch gibt es hier: