Männer gut beraten

Der Leitfaden »Männer gut beraten« hat einführenden Charakter und regt an, sich intensiver mit Fragen rund um Männlichkeit im Kontext der Beratung von Männern zu befassen. Die erste Auflage wurde im Mai 2022 veröffentlicht. Im Oktober 2025 hat das Bundesforum Männer den Leitfaden in einer aktualisierten 4. Auflage wiederveröffentlicht.

Ein Leitfaden zur geschlechterreflektierten Beratung von Jungen, Männern und Vätern.

Mit Geschlechterbildern – ihrer Pluralisierung, aber auch ihrer beharrlichen Wirkung – haben wir alle jeden Tag zu tun. Dies gilt auch für die Beratung – für die Person, die Beratung nachfragt, wie für die Person, die beratend tätig ist. Unser Leitfafen gibt einen Überblick zum Thema »Männerberatung«, liefert praktische Beispiele und enthält Expert:innen-Interviews.

Männerspezifische Beratungsangebote schaffen einen Raum, in dem Männer sich verstanden und akzeptiert fühlen, und berücksichtigen ihre besonderen Bedürfnisse und Erfahrungen. Durch eine passgenaue Ansprache und ein sensibles Vorgehen können Barrieren abgebaut und Männer ermutigt werden, Hilfe anzunehmen, wenn sie sie benötigen.

Die Bereitstellung dieses Leitfadens ist ein wichtiger Beitrag, um Fachkräfte in der Männerarbeit zu stärken und ihnen praktische Hinweise an die Hand zu geben. Er soll Beraterinnen und Beratern Orientierung bieten, um in vielfältigen Situationen kompetent und einfühlsam zu agieren.

Ich danke dem Bundesforum Männer und allen, die maßgeblich an der Entwicklung dieses Leitfadens beteiligt waren. Ihre Expertise und Ihr Engagement sind unverzichtbar, um die Qualität und Wirksamkeit männerspezifischer Beratung kontinuierlich zu verbessern.

Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Downlad und Bestellung

Der Leitfaden kann kostenlos beim Bundesforum Männer e.V. bestellt werden. Die Versandkosten trägt das Bundesforum Männer. Bestellungen werden gesammelt und monatlich versendet.

Die Publikation ist entstanden im Rahmen des Projektes »Männer stärker in die Gleichstellungspolitik – Vernetzung, Beratung, Ansprache und Unterstützung« (2020-2023). Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Der Nachdruck der 4. aktualisierten Auflage des Leitfadens konnte dank einer großzügigen Spende von Carlson El Murtadi realisiert werden.

Nachhaltige Männlichkeit – ein neues Verständnis von Rollenbildern

In einem Beitrag im Fachmagazin „Ökologisches Wirtschaften“ (Ausgabe Bd. 39 Nr. 3) stellen Dr. Dag Schölper und Klaus Schwerma vom Bundesforum Männer das Konzept der „nachhaltigen Männlichkeit“ vor. Ziel ist es, tradierte und toxische Männlichkeitsnormen wie Dominanz, Aggressivität oder emotionale Verschlossenheit zu hinterfragen und durch ein Rollenverständnis zu ersetzen, das auf Gleichberechtigung, Fürsorge, Kooperation und gesellschaftliche Verantwortung basiert.

Nachhaltige Männlichkeit ist laut Schölper und Schwerma gesamtheitlich zu verstehen. Gesundheit und Wohlbefinden, Familie und aktive Vaterschaft, gelingende Partnerschaft, die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit gehören genauso dazu wie Gewaltprävention und -schutz – und das für Jung und Alt. Hinterfragt werden überkommene Rollenbilder einer geschlechterdualistischen Arbeitsteilung in Erwerbsarbeit und unbezahlter privater Sorgearbeit.

Gestärkt wird das Bewusstsein für Gleichstellung und Fürsorglichkeit samt Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Männer wie für Frauen. Caring masculinities, also die persönliche Sorge für andere, etwa Erziehung von Kindern oder Pflege von Angehörigen, aber auch Selbstsorge, etwa in Bezug auf die eigene Gesundheit oder soziale Kontakte, und das gesellschaftliche Engagement werden normalisiert.

Die Autoren machen in dem Fachbeitrag deutlich: Nachhaltige Männlichkeit kann nicht allein durch individuelles Handeln entstehen, sondern braucht politische Strategien und strukturelle Veränderungen. Dazu zählen u. a.:

  • Familienstartzeit/Vaterschaftsfreistellung, um partnerschaftliche Elternschaft zu stärken
  • Nationale Männergesundheitsstrategie, um psychische und körperliche Gesundheit zu fördern
  • Wirksame Gewaltprävention, Täterarbeit und Opferschutz

Damit dieser Wandel gelingt, müssen strukturelle Barrieren abgebaut und Bildungs- sowie Sensibilisierungsarbeit gestärkt werden. Das Bundesforum Männer setzt sich deshalb für eine gleichstellungsorientierte Männerpolitik ein, die Geschlechtergerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt.

Lesen Sie den vollständigen Fachbeitrag

Der vollständige Fachbeitrag „Nachhaltige Männlichkeit als Grundvoraussetzung für eine ­gelingende sozial-ökologische Transformation“ von Dr. Dag Schölper und Klaus Schwerma kann kostenfrei als PDF gelesen werden. Ökologisches Wirtschaften ist die führende deutschsprachige Fachzeitschrift für nachhaltiges Wirtschaften.

Vaterschaft im Wandel – Neue Väter, alte Hürden

Wie hat sich das Bild von Vaterschaft in den letzten Jahrzehnten verändert? Welche Fortschritte gibt es – und welche Hürden bleiben bestehen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Fachbeitrags „Vaterschaft im Wandel – Zwischen Erneuerung und Tradition“, den Karsten Kassner und Dr. Marc Gärtner, Fachreferenten beim Bundesforum Männer, für das Magazin des Kinderschutzbunds verfasst haben.

In dem Fachbeitrag beleuchten die Autoren den gesellschaftlichen Wandel, aktuelle Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze für eine partnerschaftlichere Elternschaft. Es wird analysiert, warum das traditionelle Rollenbild des Alleinverdieners noch immer so wirkmächtig ist und wie politische Rahmenbedingungen wie das Ehegattensplitting und unzureichende Betreuungsangebote den Wandel erschweren. Gleichzeitig zeigen die Autoren auf, wie eine neue Generation von Vätern sich zunehmend aktiv in die Familienarbeit einbringt und welche positiven Effekte dies auf Kinder und die Partnerschaft hat. 

Der Wandel des Vaterbildes

Das klassische Rollenbild, in dem der Vater Alleinverdiener und „Feierabend-Papa“ ist, weicht zunehmend einem neuen Leitbild: dem engagierten Vater. Viele Männer möchten heute mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und aktiv Verantwortung übernehmen – eine Entwicklung, die oft als „neue Väter“ beschrieben wird. Doch trotz dieser positiven Veränderung bleibt das modernisierte Ernährermodell dominant. Viele Väter arbeiten weiterhin Vollzeit, während Mütter Teilzeit arbeiten und den Großteil der Sorgearbeit tragen. 

Wunsch und Wirklichkeit

Umfragen zeigen, dass 44 % der Paare ein partnerschaftliches Modell ideal finden, in dem Erwerbs- und Sorgearbeit gleichberechtigt aufgeteilt werden. In der Realität leben jedoch nur 21 % der Familien dieses Modell. Stattdessen kehren viele nach der Geburt eines Kindes in traditionelle Rollen zurück: Die Mutter reduziert ihre Arbeitszeit, der Vater bleibt Hauptverdiener. Diese sogenannte Retraditionalisierung wird durch strukturelle Hürden wie steuerliche Regelungen oder fehlende Betreuungsangebote verstärkt. 

Die Bedeutung von Vätern für Kinder

Väter spielen eine entscheidende Rolle in der Entwicklung ihrer Kinder. Eine enge Vater-Kind-Beziehung stärkt das Selbstvertrauen, die soziale Kompetenz und die emotionale Entwicklung von Kindern. Studien zeigen, dass Väter von Anfang an die Fähigkeit besitzen, eine intensive Bindung aufzubauen – wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen. Ihre Präsenz bietet ein anderes Anregungspotenzial als das der Mütter und bereichert die Entwicklung der Kinder auf einzigartige Weise. 

Was Väter heute brauchen

Damit Väter ihre Rolle als engagierte Eltern wahrnehmen können, braucht es neue Rahmenbedingungen: 

  • Bezahlte Freistellungen nach der Geburt (z. B. eine Familienstartzeit). 
  • Flexiblere Arbeitszeitmodelle. 
  • Mehr Partnermonate beim Elterngeld. 

Neben politischen Veränderungen ist auch ein gesellschaftlicher Wandel nötig, der traditionelle Rollenerwartungen hinterfragt und mehr Raum für partnerschaftliche Elternschaft schafft.

Lesen Sie den vollständigen Fachbeitrag

Der vollständige Fachbeitrag von Karsten Kassner und Dr. Marc Gärtner geht detailliert auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, individuelle Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze ein. 

Männer erreichen, beraten und begleiten

Gemeinsame Erklärung der nationalen Dachverbände, vorgestellt auf der internationalen Konferenz «Männerarbeit wirkt, stärkt, spart» am 16. und 17. September 2024 in Wien.

  • Bundesforum Männer (Deutschland)
  • Dachverband für Burschen,- Männer und Väterarbeit (Österreich)
  • infoMann (Luxemburg)
  • männer.ch (Schweiz)

Um die Gleichstellung der Geschlechter umfassend zu verwirklichen, müssen Jungen und Männer gleichstellungspolitisch stärker in den Blick genommen und traditionelle Männlichkeitsanforderungen kritisch hinterfragt werden.

Reaching, counselling and supporting men. A much needed contribution to achieving gender equality. A joint statement by the national umbrella organizations, presented at the international conference “Men’s Work: Effective, Empowering, and Cost-Saving” on September 16–17, 2024, in Vienna.

Download English version (PDF)

Geschlechterreflektierte Männerarbeit trägt auf individueller wie gesellschaftlicher Ebene dazu bei, vorherrschende Geschlechterbilder und Strukturen zu verändern, toxische Verhaltensweisen einzudämmen und damit verbundene Folgekosten zu reduzieren. Sie macht erfahrbar, dass Gleichstellung sozial, wirtschaftlich und ökologisch umfassenden Mehrwert schafft –  und auch Jungen, Männer und Väter davon profitieren.

Um dies leisten zu können, muss geschlechterreflektierte Männerarbeit als selbstverständlicher Infrastrukturstandard begriffen und flächendeckend als Bestandteil der psychosozialen Grundversorgung etabliert werden.

Men well advised

The interest in gender-reflective counseling abroad and a growing number of multilingual counseling services in Germany have created demand for an English translation of the guide since its publication in 2022.

A guide to gender-reflective counselling for boys, men and fathers

As part of the project „Greater involvement of men in gender equality policy – networking, counselling, addressing and support“ funded by the Federal Ministry for Family Affairs, Senior Citizens, Women and Youth, the Federal Forum for Men has republished the guide to gender-reflective counseling for boys, men and fathers in an English translation. With the English translation, the guide now also gives professionals without knowledge of the German language an overview of the topic of »men’s counselling«.

This guide is intended as an introduction and aims to encourage people to deal more intensively with questions about masculinity in the context of men’s counselling. To this end, the guide addresses conceptual and methodological questions, provides pracitcal examples and offers further advice.

The guide is available free of charge.

Männerperspektiven. Einstellungen von Männern zu Gleichstellung und Gleichstellungspolitik

Wie denken Männer über die berufliche Eigenständigkeit ihrer Partnerin? Wie sind die Einstellungen zu Erwerbstätigkeit und Teilzeit? Wie sehen Männer ihre Rolle bei der Kindererziehung? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die repräsentative Studie des Bundesforum Männer aus dem Jahr 2023.

Rollenbilder im Wandel 

Die Studie zeigt, wie Männer heute auf Gleichstellung und Gleichstellungspolitik blicken und wie sich ihre Einstellungen und Sichtweisen in den letzten Jahren verändert haben. 84% der Männer teilen die Auffassung, dass Gleichstellung wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.  

Mit Blick auf zentrale gleichstellungsrelevante Einstellungen von Männern zeigt die Studie im Vergleich zu 2015 positive Entwicklungen. Teilzeit wird für Männer normaler. Männer erwarten von Unternehmen, dass sie Vereinbarkeit von Familie und Beruf gleichermaßen für Männer wie für Frauen ermöglichen. Männer finden, dass mehr verbindliche Partnermonate beim Elterngeld die Gleichstellung voranbringen würden. Für mehr Männer wird es selbstverständlich, dass nicht nur Mütter, sondern auch Väter nach der Geburt die Erwerbstätigkeit unterbrechen und bei ihrem Kind zuhause bleiben. 

Studie offenbart gleichstellungspolitischen Handlungsbedarf 

Trotz dieser aus Sicht des Bundesforum Männer insgesamt erfreulichen Tendenzen belegen die Ergebnisse aber auch dringenden gleichstellungspolitischen Handlungsbedarf.  

2015 zählten noch 35 % zu den Befürwortern einer aktiven, offensiven Gleichstellungspolitik, heute sind es nur noch 23 %. Auf der anderen Seite wuchs im gleichen Zeitraum der Anteil der Gegner einer weiter gehenden Gleichstellungspolitik auf 22 %, gegenüber 13 % im Jahr 2015. Hinsichtlich des sprachlichen Genderns und seiner Nützlichkeit für die Gleichstellung ist die Gruppe der Männer gespalten. 

Männer online beraten

Beratung in Präsenz gilt für viele Fachkräfte immer noch als Goldstandard. Online-Beratung ist dabei durchaus ein eigenständiges Beratungsformat, dessen Effektivität durch Studien belegt ist.

Online-Beratung bietet spezifische Vorteile für Ratsuchende, insbesondere Anonymität, Niedrigschwelligkeit und eine verbesserte zeitliche und örtliche Zugänglichkeit. Online-Beratung kann damit auch Menschen erreichen, denen aus unterschiedlichen Gründen der Zugang zu Hilfsangeboten erschwert ist oder in deren Wohnort kein geeignetes Präsenz-Angebot vorhanden ist – zum Beispiel kein Männerberatungsangebot mit geschlechterreflektiertem und männlichkeitsorientiertem Ansatz.

Fachleute der Männerberatung sind daher gut beraten, sich mit den Vorteilen, aber auch mit den Voraussetzungen und Herausforderungen von Online-Beratung auseinanderzusetzen.

Das Sonderheft »Männer online beraten« ergänzt unseren Leitfaden »Männer gut beraten«. Beide Publikationen regen dazu an, sich intensiver mit Fragen rund um Männlichkeit im Beratungskontext zu befassen, gehen auf konzeptionelle und methodische Fragen ein, liefert praktische Beispiele und geben weiterführende Hinweise.

BFM Tasche: Gemeinsam für Gleichstellung

Entdecke unsere nachhaltige Baumwolltasche aus 100% Bio-Baumwolle, liebevoll in einer kleinen Siebdruckwerkstatt mitten in Berlin hergestellt. Jeder Druck ist ein Unikat und wird vor Ort von Hand gefertigt. Unsere Taschen sind auf Anfrage und als Give-Away bei Veranstaltungen erhältlich.

Instagram-Clips hinterfragen Stereotype

Männer sind hart. Männer machen Karriere. Männer kommen allein klar. Müssen sie aber nicht! Viele Männer haben verinnerlicht, dass sie Probleme allein lösen müssen.

Wir finden es ist an der Zeit, dass wir solche veralteten Rollenanforderungen hinter uns lassen. Mit Animationsclips für Instagram zeigen wir eine Auswahl von Stereotypen und ermutigen dazu, sie zu hinterfragen.

Animationsfilm für das Männerberatungsnetz

Beratung sollte für Männer kein „No-Go“ sein. Mit einem Animationsfilm sensibilisieren wir dafür, dass selbstverständlich auch Männer Beratungsanlässe und Beratungsbedarfe haben. Vielen Männern fällt es nicht leicht, Unterstützung anzunehmen.

Hier aktiv gegenzusteuern ist das Ziel unseres Films. Beratung zu suchen und in Anspruch zu nehmen, kann hilfreich und entlastend sein. Beratung kann verhindern, dass kleine Probleme groß werden. Sie kann Orientierung geben und zu einem gesünderen Leben beitragen.
Das Filmprojekt ist in Zusammenarbeit mit dem Berliner Studio für Animation, Illustration und Design Ernst 3000 entstanden.