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BFM Fachtag 2026

Gewalt verstehen, Gewalt verhindern: Rekordbeteiligung beim BFM-Fachtag 2026

2. Juni 10:30 21:00

GEWALT.MACHT.MÄNNER – Perspektiven für Prävention, Schutz und wirksames Handeln

Über 200 Teilnehmende aus Politik, Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft kamen am 2. Juni 2026 auf Einladung des Bundesforum Männer in Berlin zum Fachtag
„GEWALT.MACHT.MÄNNER – Perspektiven für Prävention, Schutz und wirksames Handeln“ zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Gewaltprävention, Gewaltschutz und Männerpolitik stärker zusammengedacht werden können. Auch beim anschließenden politischen Jahresempfang wurde deutlich: Gewalt ist kein Randthema, sondern eine zentrale gesellschaftliche und demokratiepolitische Herausforderung. 

Die große Resonanz auf den Fachtag machte sichtbar, wie hoch der Bedarf an Austausch zu diesem Thema ist. Im Festsaal der Berliner Stadtmission wurde unter der versierten Gesamtmoderation von Katharina Linnepe einen Tag lang darüber diskutiert, wie Gewalt im Zusammenhang mit Männlichkeit besser verstanden und wirksam verhindert werden kann. Dabei wurde deutlich, dass Gewalt nicht nur als einzelne Tat betrachtet werden darf, sondern auch als gesellschaftliches Muster, das eng mit Fragen von Macht, Anerkennung, Verletzbarkeit und Verantwortung verbunden ist. 

In seiner Begrüßung betonte Thomas Altgeld, Vorstandsvorsitzender des Bundesforum Männer, dass Gewaltprävention, Gewaltschutz und Gleichstellungspolitik nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Männer treten bei vielen Gewaltformen überproportional häufig als Täter in Erscheinung. Gleichzeitig sind auch Männer in erheblichem Maße von Gewalt betroffen, insbesondere von körperlicher Gewalt im öffentlichen Raum. Eine wirksame Prävention müsse deshalb Schutz, Unterstützung und Verantwortungsübernahme zusammendenken. 

Gewalt verstehen als Voraussetzung für Prävention

Mit seiner Keynote „Am Anfang war Gewalt. Männlichkeit zwischen gewaltfreier Utopie und gewaltvoller Realität“ eröffnete Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforum Männer, den fachlichen Teil des Tages. Ausgehend von aktuellen Daten und Studien (PKS, LeSuBia, SKiD) zeichnete er ein differenziertes Bild von Gewaltverhältnissen in Deutschland. 

Schölper machte deutlich, dass Gewalt weit über einzelne Taten hinausreicht: Sie prägt Familien, Institutionen, digitale Räume und gesellschaftliche Erwartungen. Männer sind überdurchschnittlich häufig an Gewalt beteiligt – als Täter, aber auch als Betroffene. Gewalt dürfe deshalb weder individualisiert noch ausschließlich als Problem einzelner Gruppen verstanden werden. 

Im Zentrum seines Vortrags stand die Frage, welche Vorstellungen von Männlichkeit mit Gewaltfähigkeit, Dominanz und Kontrolle verbunden werden. Schölper plädierte dafür, zwischen der Lebensrealität von Männern und einem kulturellen Ideal von Härte, Unverletzbarkeit und Durchsetzungsfähigkeit zu unterscheiden. Prävention beginne dort, wo Jungen und Männer lernen, mit Konflikten, Kränkungen und Ohnmacht umzugehen, ohne diese Erfahrungen in Dominanz oder Gewalt zu übersetzen. 

Die Grammatik der Gewalt entschlüsseln 

Im anschließenden Panel „Grammatik der Gewalt: Wie Männlichkeitsnormen wirken“ diskutierten Prof. Dr. Mouhanad Khorchide (Universität Münster), Andreas Moorkamp (SKM Bundesverband), Sibylle Schreiber (Frauenhauskoordinierung e. V.) und Dr. Alexander Yendell (Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt / Universität Leipzig), wie Gewalt entsteht und welche Rolle Geschlechterbilder dabei spielen. 

Im Panel wurde aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven sichtbar, dass Gewalt nicht losgelöst von gesellschaftlichen Erwartungen an Geschlecht betrachtet werden kann. Die Diskussion spannte einen Bogen von religiösen und kulturellen Deutungsmustern über Erfahrungen aus Täterarbeit und Gewaltschutz bis hin zu aktuellen Forschungsergebnissen zu Gewaltakzeptanz und sozialen Ungleichheiten. Deutlich wurde dabei auch, dass Gewalt selten isoliert auftritt, sondern eng mit Fragen von Zugehörigkeit, Status, Anerkennung und Macht verbunden ist. 

Von der Analyse zum Handeln 

Am Nachmittag richtete sich der Blick auf konkrete Handlungsperspektiven. Im Panel „Wege zur Gewaltfreiheit: Politik, Prävention und Bildung“, moderiert von Karsten Kassner, Grundsatzreferent des Bundesforum Männer, diskutierten Linda Conradi (BAG Täterarbeit Häusliche Gewalt e. V.), Enrico Damme (Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz), Corinna Dolezalek und Bernard Könnecke (dissens e. V.) über politische Rahmenbedingungen, Präventionsstrategien und die Zukunft von Gewaltschutz und Täterarbeit. 

Im Zentrum standen Fragen, die für Fachpraxis und Politik gleichermaßen relevant sind: Wie können Jungen und Männer frühzeitig erreicht werden? Welche Rolle spielen digitale Räume und antifeministische Dynamiken? Und wie lassen sich Präventions-, Beratungs- und Unterstützungsangebote langfristig absichern? 

Parallel dazu stellte das von Peter Bienwald, Referent für Jungen und junge Männer beim Bundesforum Männer, moderierte Praxisforum konkrete Ansätze aus der Arbeit vor Ort vor. Vertreter von man. – männlich. anders. neu. (FIM e. V.), MUT – Traumahilfe für Männer* (ein Projekt von HILFE-FÜR-JUNGS e. V.), mannigfaltig e. V. sowie QueerSafe Berlin (LSVD⁺ Berlin-Brandenburg) gaben Einblicke in ihre Arbeit. Sichtbar wurde dabei die große Bandbreite geschlechterreflektierter Präventions-, Beratungs- und Unterstützungsangebote. 

In der abschließenden Fishbowl „Perspektiven schärfen – gemeinsam weiterdenken“ wurden die Erkenntnisse des Tages gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutiert und weiterentwickelt. Viele Beiträge machten deutlich, dass erfolgreiche Gewaltprävention langfristige politische Unterstützung, verlässliche Strukturen und eine stärkere gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen braucht. 

Politischer Jahresempfang: Prävention braucht politische Unterstützung 

Beim anschließenden politischen Jahresempfang griff Thomas Altgeld zentrale Erkenntnisse des Fachtags auf. Gewaltprävention, Gewaltschutz und Täterarbeit müssten langfristig abgesichert und stärker miteinander verzahnt werden. Gleichzeitig brauche es eine Männerpolitik, die Männer und Jungen nicht nur als Teil des Problems, sondern auch als Teil der Lösung versteht. 

In ihrem Grußwort würdigte Staatssekretärin Dr. Petra Bahr (BMBFSFJ) das Bundesforum Männer als wichtigen Partner im Dialog über Gleichstellung, Prävention und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit Blick auf die LeSuBiA-Studie verwies sie auf das große Dunkelfeld von Gewalterfahrungen in Deutschland und unterstrich die Bedeutung frühzeitiger Prävention, wirksamer Schutzstrukturen und einer differenzierten Jungen- und Männerpolitik. 

Auch Saskia Esken, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages, betonte in ihrem Grußwort. die Bedeutung vielfältiger Männlichkeitsbilder für Gleichstellung, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Danach sprach Thomas Altgeld mit Luca Piwodda, einem der jüngsten ehrenamtlichen Bürgermeister Deutschlands, über politische Verantwortung, demokratisches Engagement und die Bedeutung lokaler Politik. 

Beim anschließenden Get-together wurden die Impulse des Tages in zahlreichen Gesprächen weitergeführt. 

Resümee: Gewaltprävention gemeinsam weiterdenken

Fachtag und politischer Jahresempfang haben deutlich gemacht: Wer Gewalt wirksam verhindern will, muss Prävention, Gewaltschutz, Bildung und gesellschaftliche Verantwortung zusammenführen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Vorstellungen von Männlichkeit, die Gewalt fördern oder ihr entgegenwirken können. 

Als Bundesforum Männer werden wir uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass Gewaltprävention, Gewaltschutz und gleichstellungsorientierte Männerpolitik nicht nebeneinanderstehen, sondern gemeinsam gedacht und politisch wirksam verankert werden. Dazu gehören aus unserer Sicht insbesondere der Ausbau geschlechterreflektierter Präventionsangebote für Jungen und Männer, der weitere Ausbau des Gewaltschutzes für Frauen, bedarfsgerechte Schutz- und Beratungsstrukturen für gewaltbetroffene Männer, eine verlässlich finanzierte und fachlich weiterentwickelte Täterarbeit sowie eine Gleichstellungspolitik, die Männlichkeitsnormen kritisch in den Blick nimmt, fürsorgliche und gewaltfreie Lebensweisen stärkt und antifeministischen Entwicklungen entschlossen entgegentritt. Der Fachtag hat gezeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist und wie wichtig verlässliche Allianzen aus Politik, Praxis, Wissenschaft und Zivilgesellschaft bleiben. 

Unser herzlicher Dank gilt allen Referierenden, den Praxisprojekten und Teilnehmenden für ihre fachlichen Beiträge, ihre Offenheit und den engagierten Austausch.

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