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Parlamentarisches Frühstück 26

Männer erreichen: Parlamentarisches Frühstück 2026 des Bundesforum Männer im Deutschen Bundestag 

24. September • 08:00 — 09:00

Wie kann Politik Jungen und Männer besser erreichen? Und welche politischen Rahmenbedingungen braucht es, damit Männer Verantwortung übernehmen können und zugleich mit ihren eigenen Anliegen und Unterstützungsbedarfen wahrgenommen werden? 

Darüber hat das Bundesforum Männer (BFM) am 24. September 2026 beim Parlamentarischen Frühstück mit Abgeordneten und Mitarbeitenden des Deutschen Bundestags diskutiert. Die Schirmherrschaft übernahm erneut Saskia Esken, die als Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein Grußwort hielt.  

Gleichstellung und gesellschaftlichen Zusammenhalt zusammendenken 

Eröffnet wurde das Frühstück durch Thomas Altgeld, Vorstandsvorsitzender des BFM. Dag Schölper, Geschäftsführer des BFM, fächerte im Anschluss zentrale Themen der gleichstellungsorientierten Männerpolitik auf. Ausgangspunkt seines Impulses war ein Befund aus der repräsentativen Studie „Männerperspektiven“. Ende 2023 sagten 84 Prozent der befragten Männer, Gleichstellung sei wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zugleich äußerten zwei Drittel, Gleichstellungspolitik kümmere sich zu wenig um ihre Anliegen als Männer. 

Daraus ergibt sich eine zentrale politische Aufgabe: Jungen und Männer als Adressaten und als Mitgestalter von Gleichstellungspolitik ernst zu nehmen. Dabei geht es nicht darum, die Interessen unterschiedlicher Geschlechter gegeneinander auszuspielen. Vielmehr gilt es, konkrete Lebenslagen in den Blick zu nehmen: den Mann, der frisch Vater geworden ist, ebenso wie den Sohn, der Angehörige pflegt, den Jungen mit Schwierigkeiten in der Schule oder den Mann, der in einer Krise Beratung und Unterstützung benötigt. 

Care-Arbeit braucht Zeit und soziale Absicherung 

Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Verteilung von Sorgearbeit. Wer möchte, dass Männer mehr Verantwortung für Kinder und pflegebedürftige Angehörige übernehmen, muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen. 

Dazu gehören aus Sicht des BFM unter anderem eine bezahlte Vaterschaftsfreistellung / Familienstartzeit nach Geburt des Kindes, eine gleichstellungsfördernde Ausgestaltung der Partnermonate beim Elterngeld und eine verlässliche soziale Absicherung von Pflegezeiten.  Denn die Übernahme von unbezahlter Sorgearbeit fällt umso leichter, je eher Menschen dafür ausreichend Zeit und finanzielle Absicherung erhalten. 

Jungen und Männer brauchen konkrete Unterstützungsangebote 

Ein weiterer Schwerpunkt war die soziale Infrastruktur für Jungen und Männer. Jungenarbeit, Männerberatung und geschlechterreflektierte Gewaltprävention müssen verlässlich vorhanden sein – sowohl vor Ort als auch digital. 

Das betrifft Männer in persönlichen Krisen ebenso wie männliche Betroffene von Gewalt oder Männer, die befürchten, selbst Gewalt auszuüben. Beim weiteren Ausbau des Gewaltschutz- und Hilfesystems sollte zugleich darauf geachtet werden, dass unterschiedliche Betroffenengruppen nicht in eine Konkurrenz um Unterstützungsangebote geraten. 

Das BFM plädiert deshalb dafür, den Schutz von Frauen konsequent zu stärken und gleichzeitig Hilfen für Jungen, Männer und andere Betroffene abzusichern und auszubauen. 

Vielfältige Männlichkeiten statt enger Rollenbilder 

Auch die Frage, welche Vorstellungen von Männlichkeit Politik und Gesellschaft vermitteln, spielte beim Austausch eine wichtige Rolle. Jungen und Männer sollten weder auf die Rolle des starken Beschützers reduziert noch pauschal als potenzielle Täter betrachtet werden. 

Gefragt sind Bedingungen, die vielfältige Lebensentwürfe ermöglichen und Jungen darin unterstützen, einen konstruktiven Umgang mit Stärke, Sorge, Verletzlichkeit und Konflikten zu entwickeln. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Antifeminismus und Radikalisierungsdynamiken in digitalen Räumen. 

Gleichstellungspolitik muss Jungen, Männer und Väter einbeziehen 

Mit Blick auf die geplante Entwicklung einer ressortübergreifenden Gleichstellungsstrategie warb das BFM dafür, Jungen, Männer und Väter darin ausdrücklich als Adressaten und Mitgestalter zu berücksichtigen und Fachpraxis sowie Zivilgesellschaft weiter in den Prozess einzubeziehen. 

Die zentrale Botschaft des Parlamentarischen Frühstücks: Jungen und Männer sollten nicht erst dann politische Aufmerksamkeit erfahren, wenn gesellschaftliche Probleme bereits sichtbar geworden sind. Eine professionelle und verlässliche Versorgungsstruktur für Jungen, Männer und Väter kann Gleichstellung, Gewaltprävention und gesellschaftlichen Zusammenhalt gleichzeitig stärken. 

Take-Aways aus dem Parlamentarischen Frühstück 

  • Jungen, Männer und Väter in der Gleichstellungspolitik konkret berücksichtigen: Sie sind sowohl Adressaten als auch Mitgestalter von Gleichstellung. 
  • Care ermöglichen: Familienstartzeit, eine gleichstellungsfördernde Ausgestaltung des Elterngeldes und abgesicherte Pflegezeiten können Männern mehr Verantwortungsübernahme ermöglichen. 
  • Beratung und Prävention absichern: Jungenarbeit, Männerberatung und geschlechterreflektierte Gewaltprävention brauchen verlässliche Strukturen und Finanzierung – analog und digital. 
  • Gewaltschutz umfassend denken: Der Schutz von Frauen muss gestärkt werden, ebenso wie der Schutz für gewaltbetroffene Männer. 
  • Fachkräfte stärken: Jungen brauchen professionelle Begleitung und Räume, in denen sie mit ihren Anliegen ernstgenommen werden. 
  • Frühzeitig handeln: Jungen und Männer sollten politisch nicht erst dann in den Blick genommen werden, wenn Krisen, Gewalt oder problematische Entwicklungen sichtbar werden. 

Wir danken Saskia Esken für die erneute Schirmherrschaft und das Grußwort und allen Teilnehmenden für die Gespräche, Fragen und Perspektiven.

030 275 811 22

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Dorotheenstraße 100/101
Berlin, 10117 Deutschland