Von Quoten, Sexismus und Gedöns – Frauen in der Politik • SWR Kultur
Diskussion mit Thomas Altgeld, Vorsitzender des Bundesforum Männer
Diskussion mit Thomas Altgeld, Vorsitzender des Bundesforum Männer
Hier finden Sie alle Beiträge vom Jahr 2022.
20.12.2022 | Hausmannskost Podcast | Interview mit Bundesforum Männer Grundsatzreferent Karsten Kassner: „Gleichberechtigte Familienmodelle, Vereinbarkeit, Gewalt von Männern und gegen Männer“
17.12.2022 | Augsburger Allgemeine | Interview mit Bundesforum Männer Geschäftsführer Dr. Dag Schölper: „Es ist für Männer wichtig geworden, sexy zu sein“
15.12.2022 | BR Bayern 2 | Interview mit Bundesforum Männer Grundsatzreferent Karsten Kassner: „Nur jeder 10. in Elternzeit. Warum bleiben nicht mehr Väter zu Hause?“
14.12.2022 | DLF Kultur „Studio 9” | Gespräch mit Thomas Altgeld, Vorsitzender des Bundesforum Männer: „15 Jahre Elterngeld. Väter fehlen in der Familienarbeit“
30.11.2022 | rbb24 | Gespräch mit Bundesforum Männer Geschäftsführer Dr. Dag Schölper: „Frauen in Berlin und Brandenburg pflegen Angehörige dreimal häufiger als Männer“
19.11.2022 | DLF Kultur Studio 9 | Interview mit Thomas Altgeld, Vorsitzender des Bundesforum Männer: „Abschied von der Macho-Kultur: Warum achtsame Männer länger leben“
28.09.2022 | vorwärts | Interview mit Thomas Altgeld, Vorsitzender des Bundesforum Männer: „Parität im Bundestag: Warum auch Männer davon profitieren“
22.09.2022 | taz | Gespräch mit Thomas Altgeld, Vorsitzender des Bundesforum Männer: „Gleichstellung in der Politik: „Kacheln Sie jetzt!““
27.06.2022 | nd | Interview mit Bundesforum Männer Geschäftsführer Dr. Dag Schölper: „Gleichstellung: Mehr als ein Wohlstandsbonbon“
27.06.2022 | VdK Bayern | Zum Fachtag des Bundesforum Männer 2022: „Männern wird es schwer gemacht“
25.06.2022 | DLF Kultur „Tacheles“ | Interview mit Thomas Altgeld, Vorsitzender des Bundesforum Männer: „Gleichstellung nicht nur Frauensache. Warum Männer sich emanzipieren sollten“
19.06.2022 | taz | Gespräch mit Bundesforum Männer Geschäftsführer Dr. Dag Schölper: „Wickelvolontariat als Gesetz“
10.06.2022 | Berliner Zeitung | Gespräch mit Bundesforum Männer Grundsatzreferent Karsten Kassner: „Männer in Elternzeit: Väter sind keine Waschlappen“
01.06.2022 | Redaktionsnetzwerk Deutschland | Gespräch mit Klaus Schwerma, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesforum Männer: „Corona und toxische Männlichkeit? Frauen werden immer häufiger Opfer von häuslicher Gewalt“
17.05.2022 | BMFSFJ Meldung | Zum Fachtag des Bundesforum Männer 2022: „Fachtag Bundesforum Männer. Mehr und bessere Beratungsangebote für Jungen und Männer“
12.05.2022 | BMFSFJ Meldung | Hintergrundinformationen zu Projekten und Initiativen für Jungen und Männer: „Projekte und Initiativen für Jungen und Männer“
08.05.2022 | DLF Kultur Studio 9 | Gespräch mit Thomas Altgeld, Vorsitzender des Bundesforum Männer: „Wir müssen Sorgearbeit und Familien aufwerten“
10.04.2022 | taz | Essay von Thomas Gesterkamp: „Antifeminismus und rechte Vereine: Die Kunstrasen-Bewegung“
01.03.2022 | Deutsche Hebammen Zeitschrift | Bundesforum Männer Grundsatzreferent Karsten Kassner zum Thema Vaterschaft: „Aktive Vaterschaft von Anfang an“
27.01.2022 | Lila Podcast | Gespräch mit Bundesforum Männer Geschäftsführer Dr. Dag Schölper: „Väter sagen, Männer meinen – Antifeminismus (2/2)“
Das Bundesforum Männer und weitere 25 Mitgliedsorganisationen des Bündnisses Sorgearbeit fair teilen fordern in einem Offenen Brief, die im Koalitionsvertrag verankerten Maßnahmen zur Verringerung der Sorgelücke zügig umzusetzen und die Finanzierung hierfür sicherzustellen.
Ein Jahr nach Unterzeichnung des Koalitionsvertrages hat keine der darin verankerten Maßnahmen zur Verringerung der Sorgelücke den Status des Gesetzgebungsverfahrens erreicht.
„Wenn das ambitionierte Ziel erreicht werden soll, bis 2030 die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern herzustellen, dann müssen Maßnahmen, die die faire Verteilung der unbezahlten Sorge- und Hausarbeit zwischen Frauen und Männern voranbringen, prioritär behandelt und jetzt zeitnah umgesetzt werden“
Bündnis Sorgearbeit fair teilen
Die Einführung einer zweiwöchigen vergüteten Freistellung für Väter bzw. zweite Elternteile nach der Geburt des Kindes, der Ausbau der nicht übertragbaren Elterngeldmonate sowie die Erweiterung des elternzeitbedingten Kündigungsschutzes sind aus Sicht des Bündnisses ein notwendiges und sinnvolles Maßnahmenbündel, um die faire Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit in der sensiblen Phase der Familiengründung zu unterstützen. Die Bündnismitglieder fordern, dafür die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen. Auch weitere Maßnahmen, wie die Entgeltersatzleistung für Pflegezeiten oder das Gutscheinsystem für haushaltsnahe Dienstleistungen, gilt es wie geplant umzusetzen.
Berlin | Auf Initiative des BFM fordern insgesamt 19 Organisationen aus der gleichstellungsorientierten Männer- und Väterarbeit Bundesfamilienministerin Lisa Paus in einem offenen Brief dazu auf, bei Vereinbarkeitsfragen Väter offensiver in den Blick zu nehmen und eine zweiwöchige Vaterschaftsfreistellung mit Lohnausgleich noch in diesem Jahr einzuführen.
In ihrem Koalitionsvertrag vereinbarten die Ampelparteien, Eltern stärker dabei zu unterstützen, Erwerbs- und Sorgearbeit partnerschaftlich aufzuteilen. Ein zentrales Vorhaben ist die zweiwöchige vergütete Freistellung für Partner:innen nach der Geburt. Diese Leistung ist als Vaterschaftsfreistellung bereits in der EU-Vereinbarkeitsrichtlinie verankert, die bis August 2022 in nationales Recht umgesetzt werden muss.
Die Bundesregierung plant jedoch, statt der Richtlinienvorgabe eine eigene Regelung zur Freistellung für Partner:innen auf den Weg zu bringen, allerdings ohne klares Datum. Dabei bleibt unklar, wie die Leistung ausgestattet wird und ob Väter explizit angesprochen werden.
Gemeinsam mit allen am offenen Brief Beteiligten fordert das Bundesforum Männer die Bundesfamilienministerin deshalb auf, den Koalitionsvertag ernst zu nehmen und durch die schnelle Einführung der Vaterschaftsfreistellung eine partnerschaftliche und gleichstellungsorientierte Familienpolitik zu stärken. Dazu sind im offenen Brief Eckpunkte zur Ausgestaltung formuliert.
Berlin | Das Bundesforum Männer lud in Berlin zum Jahresempfang und diskutierte unter dem Motto „Mehr Fortschritt wagen! Gleichstellungsorientierte Männerpolitik der Ampelkoalition“ über Anliegen von Männern. Dem Jahresempfang ging der Fachtag „Männer.Beratung“ voraus.
Die Gleichstellung von Frauen und Männern muss laut Koalitionsvertrag noch in diesem Jahrzehnt erreicht werden. Damit aus dem muss kein müsste wird, ist die ressortübergreifende Gleichstellungsstrategie des Bundes schnell weiterzuentwickeln und vor allem umzusetzen. In der Gleichstellungsstrategie und im geplanten „Gleichstellungs-Check“ für künftige Gesetze und Maßnahmen müssen Jungen, Männer und Väter ausdrücklich berücksichtigt werden. Bislang ist das kaum der Fall.
„Wenn es einen solchen „Gleichstellungs-Check“ bereits gäbe, dann wäre kürzlich sicher kein Referent:innenentwurf zur Umsetzung der Vereinbarkeitsrichtlinie an die Verbände versendet worden, in dem der Baustein „Vaterschaftsfreistellung“ unter den Tisch fällt“,
Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer BFM
Das Bundesforum Männer begrüßt ausdrücklich, dass den Maßnahmen zum Gewaltschutz von Familienministerin Lisa Paus und ihrem Haus hohe Priorität eingeräumt wird. Der Verband erwartet aber, dass die bedarfsgerechte Unterstützung und Zufluchtsräume für männliche Opfer von Partnerschaftsgewalt nicht vergessen werden, die ebenfalls im Koalitionsvertrag stehen.
Die Gleichstellung der Geschlechter ist unser gemeinsames Ziel. Sie wird nur dann nachhaltig gelingen, wenn auch Männer stärker als bisher in den Blick genommen werden. Jetzt ist es an der Ampelkoalition zu zeigen, dass sie es beim Thema Gleichstellung ernst meint und auch Männer für das Thema gewinnen will.
Berlin | Anlässlich des Internationalen Männertags am 19. November fordert das Bundesforum Männer die künftige Bundesregierung auf, Gleichstellungspolitik in den Fokus ihrer Arbeit der nächsten vier Jahre zu stellen und dabei Männer mit in den Blick zu nehmen. Gleichstellung geht alle Geschlechter an und gleichstellungspolitischer Fortschritt braucht auch das Engagement von Jungen und Männern.
Vor der neuen Bundesregierung liegen große politische Herausforderungen, bei denen Fragen der Geschlechtergerechtigkeit nicht länger nachrangig behandelt werden dürfen. Die Corona-Pandemie macht deutlich, wie fragil gleichberechtigte Verhältnisse sind und wie stark strukturelle Ungleichheit zwischen den Geschlechtern fortwirkt. Um gleichstellungsorientierte Männerpolitik und eine moderne Gleichstellungspolitik insgesamt wirksam umsetzen zu können, braucht es jetzt dringend zukunftsweisende politische Maßnahmen!
„Wir erwarten von der nächsten Bundesregierung, dass sie das Potenzial von Männern als gleichstellungspolitische Akteure voll anerkennt und gleichstellungsorientierte Männerpolitik endlich verlässlich fördert”
so Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforum Männer e.V.
Das Bundesforum Männer e.V. erwartet deshalb, dass die künftige Bundesregierung ernst macht und familien- wie sozialpolitisch die Weichen auf Zukunft stellt. Hierzu gehören die Einführung einer Lohnersatzleistung für die Angehörigenpflege genauso wie eine Armut verhindernde Kindergrundsicherung. Das Familienrecht muss entrümpelt werden. Das überholte Leitbild der Versorger-Ehe gehört endlich ausrangiert. Ziel muss eine Rechtslage sein, die partnerschaftliche und gleichberechtigte Aufgaben- und Chancenteilungen zulässt und erleichtert.
Zudem fordert das Bundesforum Männer e.V. eine geschlechtersensible Gesundheitspolitik, die auch die Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Jungen und Männern mit einbezieht: Risikoverhalten, Alkohol- und Drogenkonsum, psychische Erkrankungen, Unfälle, Suizide sind nur einige Themen, bei denen ein spezifischer Blick auf die Zusammenhänge zwischen männlichen Verhaltensmustern, gesellschaftlichen Verhältnissen und gesundheitlichen Problemen von Jungen und Männern notwendig ist.
Berlin | Auf der Mitgliederversammlung des Bundesforum Männer am 25. Februar 2021 wurde der amtierende Vorstandsvorsitzende Thomas Altgeld wiedergewählt.
Anlässlich des 10-jährigen Verbandsjubiläums würdigte Bundesministerin Franziska Giffey in ihrem Grußwort die konstruktive Zusammenarbeit und die Erfolge des gleichstellungspolitischen Engagements für die Interessen von Jungen, Männern und Vätern. „Ohne Sie und Ihre Expertise stünden Jungen und Männer in der Gleichstellungspolitik noch immer nicht auf dem Spielfeld sondern an der Seitenlinie. Sie geben Ihnen eine starke Stimme, die gehört wird – auch hier im Bundesministerium“, so Giffey. Als Dachverband mit über 30 Mitgliedern sei das Bundesforum Männer auch international Vorbild. Giffey betonte, dass es für partnerschaftliche Gleichstellungspolitik beide Geschlechter brauche: Frauen und Männer. „Dafür ziehen wir gemeinsam an einem Strang. Jetzt und in Zukunft“.
Auf der Mitgliederversammlung sprachen sich die Delegierten für die Aufnahme von sieben neuen Mitgliedern aus:
LAG Jungen*-und Männer*arbeit Bayern e.V. // LAG Jungen* -und Männerarbeit Thüringen e.V. // LAG Väterarbeit in NRW // man-o-mann männerberatung im VSGB e.V. // Netzwerk Männer*beratung Stuttgart // Sozialdienst muslimischer Frauen -SmF e.V. // Väterzentrum Berlin e.V.
Damit hat das Bundesforum Männer nunmehr 38 ordentliche Mitglieder. Der Dachverband wird von einem siebenköpfigen, ehrenamtlichen Vorstand geleitet – davon sind drei geschäftsführend. Thomas Altgeld vom Netzwerk Jungen- und Männergesundheit wurde von den Mitgliedern in seinem Amt als Vorstandsvorsitzender bestätigt. Als stellvertretende und geschäftsführende Vorsitzende wurden Stephan Buttgereit (GKMD) und Dr. Michael Tunç (Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse) gewählt. Jörg Bewersdorf (DGB), Dirk Siebernik (LAG Jungen – Männer – Väter in M-V e.V.), Martin Treichel (Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland) und Thomas Wilde (QueerNetz.de) bilden den erweiterten Vorstand.
„Mit einem starken und vielfältigen Verband werden wir uns weiter engagiert für bessere und klischeefreie Entwicklungschancen für Jungen einsetzen, für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Väter und für ein modernes, partnerschaftliches Rollenverständnis für Männer in der Arbeitswelt und in der Familie“, so Altgeld. Ein wichtiger Wegmarker der kommenden zwei Jahre sei der bundesweite Ausbau von Beratungsangeboten für Männer. Außerdem müsse es darum gehen, so der Appell von Altgeld, gleichstellungsorientierte Männerpolitik bekannter zu machen und mehr Männer für Gleichstellungspolitik zu gewinnen. Für Männer, die ihre Interessen und Lebensentwürfe ohne einengende Rollenzwänge und Benachteiligungen gestalten wollten, sei das Bundesforum Männer die erste Adresse.

Berlin | Die Arbeits- und Sozialminister*innen der Bundesländer senden heute ein deutliches Signal an die Bundesregierung: zur Bekämpfung von Kinderarmut brauche es die Einführung einer Kindergrundsicherung.
Das Ausmaß der Kinderarmut sei weiterhin zu groß, daher müssten umfassende Maßnahmen folgen. Mit ihrem Beschluss fordert die Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) die Bundesregierung auf, eine Kindergrundsicherung auf Bundesebene einzuführen. Das Bündnis KINDERGRUNDSICHERUNG begrüßt den Beschluss, mahnt jedoch an, dass jetzt Taten folgen müssen. Die Bekämpfung von Kinderarmut braucht Priorität.
„Der Beschluss der ASMK ist ein wichtiges und deutliches Signal an die Bundesregierung, endlich wirksame Maßnahmen gegen Kinderarmut umzusetzen. Aktuelle Zahlen belegen, dass die Kinderarmut nach wie vor ein riesengroßes Problem ist. Die Corona-Krise hat dieses Problem vielerorts noch verschärft. Wer jetzt nicht schnell und konsequent handelt, nimmt in Kauf, dass die Kinderarmut weiter steigen wird“
Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes und Sprecher des Bündnis KINDERGRUNDSICHERUNG
„Es mangelt uns seit Jahren nicht an Erkenntnissen zur Kinderarmut, aber es mangelt an politischem Willen wirklich etwas zu tun. Mit reinen Lippenbekenntnissen muss jetzt Schluss sein. Priorität muss die Bekämpfung der Kinderarmut haben und zwar auf allen politischen Ebenen“, fordert auch Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes und Koordinator des Bündnisses. Der Bund müsse hier seiner Verantwortung endlich gerecht werden und die ökonomische Situation von Kindern und Jugendlichen mit einer sozial gerechten Kinder- und Familienförderung verbessern. Auf Länder- und kommunaler Ebene brauche es neben der Kindergrundsicherung Investitionen in Bildung und soziale Teilhabe für Kinder und Jugendliche und ihre Familien.
Das Bündnis KINDERGRUNDSICHERUNG will mit seiner Kindergrundsicherung zwei Ziele erreichen: die Bekämpfung von Kinderarmut und die gerechte Ausgestaltung der Kinder- und Familienförderung. Die Kindergrundsicherung soll in der Höhe die tatsächlichen Bedarfe von Kindern und Jugendlichen abdecken und fasst eine Vielzahl an bisher bestehenden Leistungen zusammen, wie das Kindergeld und den Kinderfreibetrag, den Kinderzuschlag und die Hartz IV-Leistung für Kinder. So wird sie einfach und verständlich. Zudem wird sie sozial gerecht ausgestaltet, mit steigendem Einkommen sinkt die Kindergrundsicherung langsam ab und sie wird automatisch und unbürokratisch von einer einzigen Stelle ausgezahlt, damit alle Familien auch wirklich erreicht werden.
Mehr Informationen zur Kindergrundsicherung finden Sie auf www.kinderarmut-hat-folgen.de.
Das Bundesforum Männer ist Mitglied im Bündnis KINDERGRUNDSICHERUNG.
Berlin | Vor 10 Jahren schlossen sich in Berlin Vereine und Netzwerke aus dem Bereich der Jungen-, Männer- und Väterarbeit mit Gewerkschaften, Kirchen, Schwulenverbänden und Bildungsträgern zusammen, um eine neue Art von Männerpolitik, eine gleichstellungsorientierte Politik für Jungen, Männer und Väter zu erschaffen. Martin Rosowski, der erste Vorstandsvorsitzender des Bundesforum Männer, brachte die Gründungsmotivation auf den Punkt: „Die männerpolitische Zersplitterung muss ein Ende haben!“
Das Ziel des Bundesverbandes ist die Gleichstellung der Geschlechter. Erreicht werden kann es nur, wenn Männer mitmachen. Warum sollten sie? Weil es um Gerechtigkeit geht, aber auch um ihr Wohlbefinden, ihre Partnerschaften, ihre Kinder.
Unter Corona-Bedingungen wurde deutlich, dass es auch für Männer um viel geht, um Sorge- und Pflegearbeit, aktive Vaterschaft (besonders nach Trennung), Partnerschaftsgewalt, Isolation im Alter. Kurz: Männer haben viel zu gewinnen. Daher betont das Bundesforum Männer sowohl die Verantwortung als auch die Vorteile und Chancen von Gleichstellungspolitik für Jungen, Männer und Väter.
„Jungen werden noch immer in stereotype Rollenerwartungen gepresst. Männern wird Härte und Gefühlskontrolle abverlangt und ihre Verletzlichkeit ignoriert. Väter werden auf ihre Ernährerfunktion reduziert. Das will das Bundesforum Männer überwinden. Dabei sind nicht Feministinnen unsere Gegner, sondern all jene gesellschaftlichen Kräfte, die einen Wandel zu mehr Geschlechtergerechtigkeit blockieren. Diese Haltung unterscheidet uns von den selbsternannten Männerrechtlern oder Maskulisten.“
Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer BFM
„Fürsorgende Männlichkeit ist ein zentrales Leitbild des Bundesforum Männer. Damit ist die Haltung verbunden, solidarisch Sorge für sich und andere zu übernehmen – im familialen Kontext ebenso wie bei Fragen der eigenen Gesundheit oder der gesellschaftlichen Abwertung von Weiblichkeit und Homosexualität. Wichtig ist uns aber auch, wohlwollend auf Jungen, Männer und Väter zu schauen und vorurteilsfrei vorhandene Benachteiligungen zu benennen. Die strukturelle Ungleichheit der Geschlechter und die vielfältigen Formen der Benachteiligung von Mädchen und Frauen sollen damit keineswegs kleingeredet werden. Im Gegenteil. Das Bundesforum Männer engagiert sich für eine Balance der vielfältigen Lebens-, Liebes- und Arbeitsverhältnisse von Frauen und Männern und steht für kulturelle und geschlechtliche Vielfalt.“
Thomas Altgeld, Vorstandsvorsitzender BFM
Das Bundesforum Männer hat in den zurückliegenden 10 Jahren mit Stellungnahmen, Handlungsempfehlungen, Projekt- und Gremienarbeit beharrlich die Perspektiven von Jungen, Männern und Vätern in die Familien-, Sozial-, Gesundheits-, und Integrationspolitik eingebracht. Es hat damit das Profil einer gleichstellungsorientierten Männerpolitik als wichtigem Bestandteil einer umfassenden und nachhaltigen Gleichstellungspolitik geschärft. Das Bundesforum Männer versteht sich als eine Lobby, die sich aktiv für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzt und die gleichstellungspolitischen Interessen von Jungen, Männern und Vätern auf der Ebene von Bund und Ländern vertritt.
Berlin | 21. Mai 2020. An Christi Himmelfahrt wird traditionell der Vatertag begangen. Doch durch die Corona-Pandemie ist in diesem Jahr vieles anders als gewohnt. Das Familienleben hat sich drastisch verändert. Das betrifft Mütter, Kinder und Väter.
„Der Vatertag ist gerade jetzt in der Corona-Krise ein guter Anlass für Väter, um über die eigene Rolle in der Familie nachzudenken.“, so Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforum Männer. „Insbesondere für Väter mit kleinen Kindern wird jetzt schmerzhaft spürbar, wie wichtig eine verlässliche Absicherung für das Wohlergehen der Kleinen ist, gerade wenn durch Kurzarbeit und geschlossene Kitas der finanzielle und psychische Druck in Familien steigt. Die Politik darf Väter und Familien mit ihren Sorgen nicht allein lassen.“, sagt Schölper weiter. Nicht nur für viele Mütter, auch für viele Väter führt die gegenwärtige Situation zu Belastungen, Schwierigkeiten und Ängsten.
In der Corona-Krise wird die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zur besonderen Herausforderung. Männer nehmen in Familien noch immer in der Regel die Hauptverdienerrolle ein. Frauen hingegen verdienen weniger, arbeiten eher in Teilzeit und tragen die Hauptverantwortung für die familiale Sorgearbeit. Durch den teilweisen Shutdown, die Kontaktbeschränkungen und Kinder, die zuhause von den Eltern betreut und beschult werden müssen, wird eine Retraditionalisierung bestärkt. Je länger Kitas und Schulen geschlossen bleiben oder nur im Notbetrieb laufen, desto mehr steigt der Druck auf die Eltern: Einerseits auf Frauen und Mütter, beruflich zurückzustecken und sich vornehmlich um Kinder und Haushalt zu kümmern. Andererseits auf Männer, die finanziellen Erfordernisse der Familien zu sichern und ihren gerechten Anteil an der Sorge- und Hausarbeit zu übernehmen, auch um damit ihre Partnerinnen zu entlasten. Soweit Fragen existenzieller Not nicht alles überlagern, kann die Corona-Krise für Väter aber auch eine Chance sein für mehr Partnerschaftlichkeit, eine neue Balance von Sorge-, Haus- und Erwerbsarbeit und für mehr gelebte Väterlichkeit durch unmittelbare Teilhabe am Leben der Kinder.
Die gegenwärtige Situation erfordert Maßnahmen, die auch jenseits der Corona-Krise bereits wichtig waren, jetzt aber umso dringlicher sind. Vereinbarkeit ist auch ein Väterthema. Dem müssen sich Politik und Unternehmen endlich stellen. Die Ausweitung von Partnermonaten beim Elterngeld muss dringend angepackt werden. Viele frauenpolitische Forderungen, wie die Schließung des Gender Pay Gap und des Gender Care Gap, sind für das Bundesforum Männer keine Gegensätze zu einer gleichstellungsorientierten Männerpolitik, sondern auch für Männer wichtige Forderungen. Denn erst, wenn Frauen wie Männer gleichermaßen erwerbstätig sein können, Verdienstmöglichkeiten nicht mehr auseinanderklaffen und flächendeckend ausreichende und bezahlbare Kinderbetreuungsmöglichkeiten vorhanden sind, gibt es für beide eine echte Wahl- und Gestaltungsfreiheit, wie sie ihr Leben oder ihre Partnerschaft führen möchten.
Insgesamt muss in und nach der Corona-Zeit dem Thema Care mehr Bedeutung zugemessen und eine Neu- und Umverteilung der privat geleisteten Care-Arbeit stärker in den Blick genommen werden. Dies erfordert gute Rahmenbedingungen, nicht nur eine paritätischere Aufteilung beim Elterngeld sondern auch eine neue Zeitpolitik für Familien, damit Chancen und Risiken zwischen Müttern und Vätern gleichmäßiger verteilt werden können.
Mit der Corona-Krise zeigt sich einmal mehr die Systemrelevanz von Care-Arbeit: Als gesellschaftliche Notwendigkeit, mit- und füreinander Sorge zu tragen, aber auch in ihrer ökonomischen Dimension als private wie erwerbsförmig erbrachte Sorge- und Pflegearbeit. Zugleich zeigt sich, dass Sorge auch ein zentrales Thema der Veränderung von Männern und Männlichkeitsbildern ist. Das Bundesforum Männer setzt sich dafür ein, dass das Leitmotiv von „Caring Masculinities“ verstärkt in die gleichstellungspolitische Diskussionen um den Wandel von Geschlechterverhältnissen eingeht, auch nach Corona. Denn: Gleichstellung ist kein Luxus nur für gute Zeiten.