Zustimmung für Priens Gleichstellungs-Forderung auch für junge Männer • Mitteldeutscher Rundfunk

„Bundesbildungsministerin Karin Prien warnt vor einer Generation abgehängter junger Männer und verlangt eine Gleichstellungspolitik, die ihre Probleme mehr in den Fokus stellt. Von mehreren Stellen kommt dafür Zustimmung – der deutsche Frauenrat warnt allerdings auch davor, zu stark zu vereinfachen“ (MDR Aktuell).
Für den Beitrag von Christian Erll wurde u.a. Dag Schölper vom Bundesforum Männer interviewt.

Vom Dunkelfeld zur politischen Verantwortung: warum der Gewaltschutz jetzt gestärkt und erweitert werden muss

Am 10. Februar 2026 wurden erste Ergebnisse der lang erwarteten Dunkelfeldstudie LeSuBiA (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag) veröffentlicht. Die Ergebnisse liefern eine repräsentative, geschlechterübergreifend vergleichbare Datengrundlage zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland. Gewalt ist ein relevantes Phänomen für alle Geschlechter. Für das Bundesforum Männer (BFM) ist klar: Die Ergebnisse müssen jetzt politische Konsequenzen haben.

Gewalt ist weit verbreitet

Die Studie zeigt, dass das Dunkelfeld von Gewalt deutlich größer ist als die bekannten Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik. Frauen sind häufiger von schwerer, wiederholter und andauernder Gewalt betroffen. Gleichzeitig wird deutlich, dass auch Männer in relevantem Umfang von Partnerschaftsgewalt sowie von sexualisierter und digitaler Gewalt betroffen sind.

Die Studie macht sichtbar, was lange im Dunkeln lag. Jetzt geht es nicht um Konkurrenz zwischen Betroffenengruppen, sondern um politische Verantwortung. Wir brauchen ein Gewaltschutzsystem, das Frauen wirksam schützt und zugleich Männer und TIN*-Personen nicht ausschließt

Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des BFM

Aus Sicht des BFM müssen Hilfe- und Schutzstrukturen für Frauen konsequent ausgebaut werden. Zugleich braucht es ergänzende, niedrigschwellige und spezialisierte Angebote für gewaltbetroffene Männer und TIN*-Personen. Die Strukturen dürfen nicht in Konkurrenz stehen, sondern müssen Teil eines umfassenden Hilfesystems sein.

Gewalthilfegesetz weiterentwickeln

Im Zuge der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt bis Juni 2027 fordert das BFM eine Weiterentwicklung des Gewalthilfegesetzes. Ziel muss ein verbindlicher Rechtsanspruch auf Schutz und Unterstützung für alle Betroffenen häuslicher Gewalt sein.

Prävention und Täterarbeit stärken

Darüber hinaus betont das BFM die Bedeutung von Täterarbeit und Prävention. Geschlechterreflektierte Bildungs- und Beratungsarbeit mit Jungen und Männern sind zentrale Bausteine, um Gewalt langfristig zu reduzieren.

Prävention, Täterverantwortung, Unterstützung und Schutz gehören zusammen. Nur wenn wir alle Ebenen gleichzeitig stärken, kann Gewalt nachhaltig zurückgedrängt werden.

Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des BFM

Vollständiger Kommentar des Bundesforum Männer zur Veröffentlichung der LeSuBiA-Studie:

Fifty-fifty ist das Leitmotiv • Frankfurter Rundschau

Die FR hatte über die Kritik von Julia Eberz (Grüne) und Daniela Mehler-Würzbach (Linke) an rein männlich besetzten Rednerlisten bei Neujahrsempfängen berichtet. Dag Schölper nimmt sich das zu Herzen.

Dag Schölper über die „Broligarchie und „caring masculinity“. Ein Interview von Florian Leclerc in der Frankfurter Rundschau vom 11.01.2026.

Junge Männer – alte Rollenbilder? • rbb24 Inforadio

Am 19.11.2025 ist Internationaler Männertag. Dag Schölper vom Bundesforum Männer spricht im rbb24-Interview über eine Tendenz zurück zu traditionellen Männerbildern – insbesondere im rechten Teil des politischen Spektrums.

Internationaler Männertag 2025: Care-Arbeit ist auch Männersache

Zum Internationalen Männertag am 19. November 2025 rückt das Bundesforum Männer (BFM) ein Thema in den Fokus, das noch immer zu wenig mit Männlichkeit verbunden ist: Care-Arbeit. Care-Arbeit umfasst Sorgearbeit in der Familie, emotionale Unterstützung, Fürsorge in Freundschaften, Partnerschaften und im sozialen Umfeld. Sie ist unverzichtbar für ein gelingendes Miteinander – und doch sind Männer hierbei nach wie vor deutlich weniger involviert als Frauen. Dabei profitieren alle, wenn Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern gerecht verteilt ist.

„Care“ als Bestandteil moderner Männlichkeit

Viele Männer wollen aktiv und präsent sein: als Väter, Partner oder Freunde. Überkommene Erwartungen erschweren diese Rolle oft. Care-Arbeit erfordert Zeit, Aufmerksamkeit, kommunikative Kompetenz und emotionale Offenheit – Fähigkeiten und Ressourcen, die in Lebensbiografien von Männern bislang nicht selbstverständlich sind.

Der Gender Care Gap liegt aktuell bei 43,4 Prozent. Männer übernehmen damit im Alltag durchschnittlich 76 Minuten weniger unbezahlte Sorgearbeit pro Tag als Frauen. Diese Lücke zeigt nicht nur den Handlungsbedarf für eine gerechtere Verteilung von Care-Arbeit. Sie verweist auch auf ein gesellschaftliches Potenzial, das bislang ungenutzt bleibt: Mehr Sorgearbeit durch Männer entlastet nicht nur Frauen, sondern eröffnet Männern selbst die Chance auf mehr Nähe zu ihren Kindern und eine stärkere Verbundenheit, z.B. mit dem Familienalltag.

Equal Care und Investitionen in soziale Beziehungen entlasten Partnerschaften und Familien und stärken zugleich die Gesundheit von Männern. Stabile Beziehungen wirken Einsamkeit entgegen und tragen nachweislich zu psychischer und körperlicher Gesundheit bei. Eine gerechtere Aufteilung von Care-Arbeit ist damit nicht nur eine Frage der Gleichstellungspolitik, sondern auch ein Beitrag zu sozialer Teilhabe, moderner Männlichkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Wir bestärken Männer darin, Care-Arbeit bewusst, aktiv und selbstverständlich zu übernehmen. Dafür braucht es aber auch geeignete Rahmenbedingungen. Hier sind Politik und Unternehmen gefordert, ermöglichende Strukturen zu schaffen und weiterzuentwickeln

Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des BFM

Als Interessenverband für Jungen, Männer und Väter setzt sich das BFM dafür ein, Care-Arbeit als zentralen Bestandteil männlicher Lebensentwürfe zu verankern. Dazu gehören:

  • fachpolitische Impulse für eine partnerschaftliche Verteilung von Sorgearbeit in Familie, Beruf und Gesellschaft,
  • Stärkung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten, die Männer ermutigen, Verantwortung für ihr eigenes Wohlbefinden und das ihrer Angehörigen zu übernehmen,
  • Förderung von Austausch und Vernetzung zwischen Fachstellen, die sich für vielfältige und nachhaltige Formen von Männlichkeit einsetzen.

Aktivitäten der BFM-Mitglieder zum Internationalen Männertag

Die Mitgliedsorganisationen des Bundesforum Männer sind rund um den Internationalen Männertag bundesweit auf vielfältige Weise aktiv – mit Fachtagen, Vorträgen, Beratungsangeboten, Social-Media-Aktionen und Projektvorstellungen. Eine Übersicht ausgewählter Aktivitäten steht hier zur Verfügung:

Bündnis Sorgearbeit fair teilen

Seit 2020 engagiert sich das Bundesforum Männer im Bündnis „Sorgearbeit fair teilen“. Hier setzen sich zivilgesellschaftliche Organisationen aus Kirchen, Gewerkschaften, Frauen-, Männer-, Familien- und Sozialverbänden sowie aus Selbsthilfeinitiativen und Stiftungen für eine geschlechtergerechte Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit ein. Ziel des Bündnisses ist es, Geschlechterstereotype abzubauen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die allen Menschen gleiche Verwirklichungschancen und die Vereinbarkeit von Sorge- und Erwerbsarbeit über den gesamten Lebensverlauf ermöglichen.

Einsamkeit bei Männern – Wie emotionale Offenheit helfen kann • rnd

Unter dem Schlagwort „Male loneliness epidemic“ wird nicht nur in sozialen Netzwerken seit einiger Zeit über Einsamkeit bei Männern diskutiert. Ein Beitrag im RedaktionsNetzwerk Deutschland (rnd) vom 5. September 2025 greift dieses Thema auf.

Karsten Kassner, Fachreferent beim Bundesforum Männer, ordnet den Diskurs ein. Er weist darauf hin, dass Einsamkeit seit der Corona-Pandemie ein gesamtgesellschaftliches Problem ist – und nicht nur Männer betrifft. Gleichwohl hätten Männer durch tradierte Männlichkeitsbilder häufig besondere Schwierigkeiten, über Schwächen, Verletzlichkeit und emotionale Belastungen zu sprechen. Oft fehle es ihnen an engen sozialen Beziehungen, gerade zu anderen Männern. „So gesehen, ist einsam zu sein gewissermaßen der Normalzustand von Männlichkeit“, so Karsten Kassner.

Der Artikel macht deutlich, wie kulturelle Erwartungen an Stärke, Unabhängigkeit und Distanz Männer davon abhalten, ihre Gefühle offen auszudrücken. Das könne negative Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit haben – von Depressionen bis zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte. Zudem zeigt die Bertelsmann Stiftung, dass einsame junge Menschen tendenziell unzufriedener mit der Demokratie sind und weniger gesellschaftliches Engagement zeigen. Männer, die sozial isoliert sind und an traditionellen Geschlechterbildern festhalten, können so auch für rechtsextreme Gruppierungen anfällig werden.

Statt antifeministischen Schuldzuweisungen brauche es daher neue Leitbilder. Kassner plädiert für eine „fürsorgliche Männlichkeit“, die Jungen und Männern ermutigt, Freundschaften und Beziehungen zu pflegen, in denen auch Verletzlichkeit Platz hat. So könne eine nachhaltige und gesunde Form von Männlichkeit gestärkt werden.

Ist die Krise der Männlichkeit eine Folge verfehlter Gleichstellung? • Deutschlandfunk

Zwischen verletzlicher Seele und hypermaskulinem Auftreten: Welche Rolle bleibt jungen Männern in der sich wandelnden Gesellschaft? Darüber reden Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforum Männer und die Soziologin Paula-Irene Villa Braslavsky. Die Sendung wurde am 23. August 2025 im Deutschlandfunk ausgestrahlt. Das Interview führte Christoph Reimann.

„Negative Signale“ – Warum sich Väter viel seltener ums kranke Kind kümmern • Apotheken Umschau

In einem Artikel der Apotheken Umschau vom 4. August 2025 wird deutlich: Frauen beantragen fast dreimal so häufig Kinderkrankengeld wie Männer. Eine aktuelle Auswertung der Barmer zeigt – trotz langsamer Fortschritte – ein klares Ungleichgewicht bei der Sorgearbeit im Krankheitsfall von Kindern.

Dr. Marc Gärtner, Referent für internationale Gleichstellungspolitik beim Bundesforum Männer, sieht einen leichten Wandel: „Im Vergleich mit den älteren Zahlen sieht man: die Anzahl der Anträge von Männern nimmt zu. An dem Verhältnis passiert langsam etwas – auch wenn der Gender Care Gap immer noch immens ist“. Gärtner fordert, betriebliche Hemmnisse abzubauen und mehr väterfreundliche Strukturen zu schaffen. Über 80 % der Männer mit familiären Aufgaben wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten – viele fühlen sich jedoch unzureichend unterstützt.

Das sogenannte starke Geschlecht • DER SPIEGEL 29/2025

Muskelkraft und Machtgehabe – junge Männer sind erschreckend anfällig für alte Ideen. Der Feminismus der vergangenen Jahre hat sie offenbar nicht erreicht. Wie könnte Gleichstellung auch für Männer attraktiver werden? Ein Artikel von Tobias Becker (SPIEGEL).
Im Interview: Dr. Dag Schölper (Bundesforum Männer e.V.), Markus Theunert (männer.ch) und Björn Süfke (man-o-mann männerberatung).

Rechte Gewalt: Männlichkeit als Ablenkung • nd aktuell

Gewaltprävention beginnt nicht mit Fußfesseln, Schutzeinrichtungen oder Täterarbeit. Sie setzt früher an: Oft genug gilt es dabei zu verstehen und zu hinterfragen, wie Geschlechterrollen Gewalt fördern. Das betrifft nicht nur die Zunahme häuslicher Gewalt. Auch der Anstieg rechtsextremer und queerfeindlicher Übergriffe hängt mit dem Wiederaufleben überholter Männlichkeitsideale zusammen. Passend dazu fand vergangene Woche in Berlin der Fachtag des Bundesforums Männer (BFM) statt, dem Dachverband für eine »gleichstellungsorientierte Männerpolitik«. Das Motto: »Spielarten des Hasses – Männer und Männlichkeit:en in Extremismus und Antifeminismus« …

Von Anton Benz, veröffentlicht am 13.06.2025 bei nd-aktuell.