
„Sexualisierte Gewalt an Männern ist nach wie vor ein großes Tabu.“
Das Projekt MUT – Traumahilfe für Männer* des Berliner Vereins HILFE-FÜR-JUNGS bietet anonyme, kostenlose und niedrigschwellige Beratung für Männer*, die sexualisierte Gewalt erlebt haben – auch außerhalb klassischer Beratungsräume. Stefan Schröder und Markus Wickert, Berater im Projekt, erklären im Interview, warum es für viele Betroffene schwer ist, sich jemandem anzuvertrauen – und weshalb es mehr geschlechtsspezifische Arbeit mit Männern braucht. Seit 2025 ist der Projektträger HILFE-FÜR-JUNGS e.V. Mitglied im Bundesforum Männer.
Was macht eure Organisation – und auf welche Weise engagiert ihr euch für Jungen, Männer oder Väter?
Markus Wickert: Unser Angebot richtet sich an alle Männer*, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, unabhängig von Aufenthaltsstatus, Krankenversicherung, Herkunft oder sexueller Orientierung. Wir beraten kostenlos, vertraulich und anonym. Die Gespräche können nach Wunsch in unseren Beratungsräumen in Berlin-Friedrichshain oder auch draußen und unterwegs stattfinden. Wir beraten in Unterkünften, Haftanstalten, Kliniken etc. Wichtige Bezugspersonen (Partner*innen, Freund*innen, Familienmitglieder usw.) können ebenfalls eingebunden werden.
Geschlechtsspezifische Arbeit mit Männern* kommt häufig immer noch zu kurz. Die Vernetzung mit Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind, ist für uns sehr sinn- und wertvoll.
Stefan Schröder, Berater bei MUT – Traumahilfe für Männer*, über die Mitgliedschaft im BFM
Warum ist es wichtig, Jungen, Männer und Väter zu adressieren und einzubeziehen, um die Gleichstellung aller Geschlechter zu erreichen? Und wie möchtet ihr mit eurer Arbeit dazu beitragen?
Stefan Schröder: Sexualisierte Gewalt an Männern* ist nach wie vor ein großes Tabu. Es fällt den Betroffenen in der Regel sehr schwer, sich mit diesem Thema jemandem anzuvertrauen. Ein Teilziel unserer Beratungsarbeit ist, Männer* dazu zu bewegen, eigene Gefühle zu erkennen und zuzulassen, was für Gleichstellung der Geschlechter ein wesentlicher Bestandteil ist.
Was findet ihr am Bundesforum Männer besonders wertvoll – und was bedeutet euch die Mitgliedschaft?
Stefan Schröder: Geschlechtsspezifische Arbeit mit Männern* kommt häufig immer noch zu kurz. Die Vernetzung mit Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind, ist für uns sehr sinn- und wertvoll.
Über MUT – Traumahilfe für Männer*
MUT – Traumahilfe für Männer* ist ein Berliner Projekt des HILFE-FÜR-JUNGS e. V.. Es richtet sich an Männer*, die sexualisierte Gewalt (Missbrauch, Vergewaltigung, sexuelle Gewalt) erlebt haben. Die Beratung hilft, sich mit Gefühlen, Gedanken und Erfahrungen auseinanderzusetzen und neuen Mut zu fassen – anonym, kostenlos und auf Wunsch auch außerhalb klassischer Beratungsräume.
Der HILFE-FÜR-JUNGS e. V. unterstützt mit seinen unterschiedlichen Projekten seit 1994 Jungen* und junge Männer*, die von sexueller Ausbeutung und Gewalt betroffen oder bedroht sind.