
Rollenbilder hinterfragen, Veränderung ermöglichen
Matthias Stinn ist Psychologischer Psychotherapeut und in der Bildungsarbeit zu Männlichkeit und Gleichstellung tätig. Seit Januar 2026 ist der Kölner außerordentliches Mitglied im Bundesforum Männer. Im Mitgliederinterview spricht er darüber, warum es entscheidend ist, die „indifferente Mitte“ von Männern anzusprechen – und wie Reflexion über Rollenbilder, Erwartungen und Privilegien als Zugang zu Gleichstellung gelingen kann.
Matthias, auf welche Weise engagierst du dich für Jungen, Männer oder Väter?
Matthias Stinn: Ich engagiere mich als Psychologischer Psychotherapeut mit männerspezifischem Fokus für die mentale Gesundheit von Männern. Dabei begleite und unterstütze ich Männer ab 18 Jahren in Krisen- und Umbruchsituationen. Darüber hinaus biete ich unter dem Label MEHR FÜR ALLE Workshops, Vorträge und Beratungen zu Männlichkeit, Gender Equality und verwandten Themen an. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Frage, wie Männer über anschlussfähige, positive Narrative erreicht und für Veränderung gewonnen werden können.
Sich konstruktiv mit dem eigenen Mann-Sein auseinanderzusetzen, ist das Beste, was einem Jungen oder einem Mann passieren kann.
Matthias Stinn, Psychologischer Psychotherapeut
Warum ist es wichtig, Jungen, Männer und Väter zu adressieren und einzubeziehen, um die Gleichstellung aller Geschlechter zu erreichen?
Matthias Stinn: Sich konstruktiv mit dem eigenen Mann-Sein auseinanderzusetzen, ist das Beste, was einem Jungen oder einem Mann passieren kann. Davon profitiert nicht nur die Gesellschaft insgesamt, sondern auch der einzelne Mann – und zwar in hohem Maße, konkret und spürbar: in seinem körperlichen und mentalen Wohlbefinden, der Qualität seiner Beziehungen, seiner Sexualität. Besonders wichtig ist mir dabei, Männer anzusprechen, die sich selbst nicht klar positionieren – die sogenannte „indifferente Mitte“. Ich möchte möglichst viele Männer dazu inspirieren, den ersten Schritt zu wagen und früh zu bemerken, was für sie „drin ist“. Die Beschäftigung mit Privilegien, Equal Care etc. kommt dann meist in einem zweiten Schritt und interessanterweise meistens von alleine.
Was findest du am Bundesforum Männer besonders wertvoll – und was bedeutet dir die außerordentliche Mitgliedschaft?
Matthias Stinn: Das Bundesforum Männer bedeutet für mich eine wertvolle Einrahmung aller Ebenen von Männerarbeit – von der politischen Ebene über die kollegiale Vernetzung bis hin zur praktischen Arbeit mit Jungen, Männern und Vätern. Nicht zuletzt ist für mich auch die qualitätssichernde Funktion wichtig. Für mich bedeutet die Mitgliedschaft im BFM, dass mein Wirken in ein Netzwerk verschiedener Disziplinen eingebettet ist, in dem Akteur*innen mit hoher Werteüberschneidung gemeinsam an einem Strang ziehen.