5. Väter als Gegenstand von Wissenschaft und Forschung

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vaeter-kapitel2„Erst wenn die Hintergründe, die Bedingungen und Motive väterlichen Verhaltens genauer bekannt sind, lassen sich effektive Maßnahmen zur Förderung einer aktiven Gestaltung der Vaterrolle planen“ (Fthenakis 1998 zit. n. Matzner 2004: 18)

Väterforschung hat in den vergangenen Jahrzehnten auch in Deutschland Fuß gefasst, die Veränderungen von Vaterschaft und Vätern erfasst und wissenschaftlich interpretiert. Maßgeblich an ihrer Entwicklung beteiligt war Wassilios Fthenakis, der 1985 zwei Bände mit dem Titel „Väter“ veröffentlichte, in dem er den bis dahin international vorliegenden Forschungsstand systematisch auswertete und zugänglich machte.

Seitdem hat sich Väterforschung in Deutschland entwickelt und hat insbesondere mit der Diskussion um die Einführung des Elterngeldes seit 2005 eine neue Dynamik erhalten.

Die von Matzner erhobene Forderung hat nach 12 Jahren nichts an Aktualität verloren: „Zukünftige Forschungsbemühungen, zumal in Deutschland, sollten sich auch darauf konzentrieren, die subjektiven Vaterschaftskonzepte sowie den Prozess der Realisierung der Vaterschaft genauer zu erforschen. Die bisherige Konzentration auf die Ebene des Engagements in Form von quantitativ gut erfassbaren Dimensionen musste weitere wichtige Dimensionen direkter und indirekter väterlicher Beteiligung vernachlässigen“ (Matzner 2004).

Auch die von Cyprian (2005) ein Jahr später formulierten Fragen harren noch einer zufriedenstellenden Antwort: „Sollte vor allem Vätern, die den (unbeschränkten?) ‚Vaterurlaub‘ und grundsätzlich Teilzeitarbeit für Mütter und Väter favorisieren, die wissenschaftliche Aufmerksamkeit gelten, weil sie den Fortschritt in der Gender-Debatte verkörpern? Ist es weiterführend, Männer als ‚unsicher‘ in ihrer Rollenauffassung zu etikettieren, wenn sie weder extrem traditionellen noch extrem caring-orientierten Items zustimmen? Ambivalenzen in Einstellungen und Suchstrategien mit wechselnden Handlungsmustern dürften nicht nur wahrscheinliche, sondern der Veränderungssituation angemessene Reaktionen sein.“ In zahlreichen Untersuchungen werden immer noch neue „Schubladen“ kreiert. Zuletzt in der Studie von Margit Stamm „Väter, Wer sie sind Was sie tun Wie sie wirken“ (Stamm 2016 [1]).

Eine Auswertung der im Gesis Sowiport gelisteten Studien zum Suchwort „Väter“ macht den derzeitigen Schwerpunkt der Forschungsaktivitäten deutlich: das Themenfeld „Elternzeit und Partnerschaft“. Auch in den sechs laufenden bzw. kürzlich abgeschlossenen Forschungsverbünden stehen Fragestellungen zur Nutzung der Elternzeit im Vordergrund (Nelles 2015 [2]).
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Große Bedarfe bestehen, gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen bei den Geflüchteten, in den Feldern „Väterbildung“ und „Migration“. Hier stellt der kürzlich vorgelegte Evaluationsbericht zur interkulturellen Väterarbeit in NRW (ZfTI 2016 [3]) eine erste Referenzmarke auf.

Die Thematische und inhaltliche Analyse der Forschungsaktivitäten legt folgende Konsequenzen nahe, die auch Handlungsansätze für die Arbeit des „Bundesforum Männer“ sein können:

  • ‚Weiße Flecken‘ identifizieren, diskutieren und Forschung initiieren
  • Studien und Forschungsprojekte interdisziplinär anlegen und Väter beteiligen
  • Forschungsergebnisse zur Kenntnis nehmen und Verknüpfungen zu den verschiedenen Handlungsebenen herstellen
  • (Politische) Konsequenzen aus den Forschungsergebnissen und insbesondere der Erkenntnis ziehen, dass Väter eine wichtige und eigenständige Rolle bei der Entwicklung von Kindern spielen

Werte, Haltungen und Bedarfe von Vätern aus der Perspektive aktueller Studien

Als Grundlage für die Beschreibung und Ableitung der Bedürfnisse von Vätern und der daraus abzuleitenden Handlungsbedarfe werden sieben aktuelle ‚Väter-Studien‘ näher betrachtet:

Mit der 2012 vorgelegten „Trendstudie ,Moderne Väter‘ Wie die neue Vätergeneration Familie, Gesellschaft und Wirtschaft verändert“ will die Väter gGmbH (2012) einen Beitrag zur Diskussion über die Vaterrolle in der Gesellschaft liefern, weil das Vatersein vielfach auf das Thema Elternzeit reduziert wird. Die Studie wollte herauszufinden, was Väter heute denken und fühlen, was sie von der Generation ihrer Väter unterscheidet und welche neuen Probleme und Herausforderungen auf sie zukommen. Zum anderen sollten Handlungsfelder identifiziert werden, die aufzeigen, wie Gesellschaft, Politik und Unternehmen väterfreundlicher und somit auch familien- und kinderfreundlicher werden können.

Die 2014 von der Unternehmensberatung ATKearney veröffentlichte Untersuchung “Nur Mut, Männer Väter“ (2014) stellt Ergebnisse der 361° Studie „Nur Mut!“ vor und zeigt, an welchen Stellen Nachholbedarf zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei Männern besteht. Sie spielt mit Möglichkeiten eines nötigen Umdenkens und umreißt, welche Erfolgsfaktoren dabei eine entscheidende Rolle spielen können.

Mit „Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf“ legt das Institut für Demoskopie Allensbach im Sommer 2015 einen im Auftrag des BMFSFJ erstellten Untersuchungsbericht vor. Im November und Dezember 2014 wurden Befragungen von Müttern und Vätern, die als Paare mit ihren gemeinsamen Kindern unter 6 Jahren im gesamten Bundesgebiet zusammen leben, durchgeführt. Die Studie will die Weichenstellungen bei der Geburt des ersten Kindes besser verstehen. Daraus sollen Erkenntnisse darüber gezogen werden, welche Voraussetzungen es den Eltern ermöglicht ihre tatsächlichen Idealvorstellungen von Arbeitsteilung zu realisieren.

Das vom Deutschen Jugendinstitut ebenfalls im Auftrag des BMFSFJ durchgeführte Projekt „Väterreport“ hat das Ziel, Erkenntnisse zur Rolle von Vätern in der Ausgestaltung der familialen Lebensführung sowie zu Unterstützungsbedarfen partnerschaftlicher Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu generieren und damit strukturelle Veränderungspotenziale für Politik und Wirtschaft aufzuzeigen. Im Rahmen des Projekts wurden vier Themenbereiche untersucht: Aktive Vaterschaft – Ausgestaltung und Einflussfaktoren, Väter und Arbeitswelt, Väter und Partnerschaft und Väter und ihre Beziehung zum Kind (DJI 2015).

Das von der Prognos AG erstellte „Dossier Väter und Familie – erste Bilanz einer neuen Dynamik“ beleuchtet auf Basis nationaler und internationaler Studien unterschiedliche Facetten moderner Vaterschaft. Es beschreibt, wie sich die Leitbilder von Vätern in den vergangenen Jahrzehnten hin zu mehr Partnerschaftlichkeit verändert und erweitert haben. Von Vätern wird heute erwartet, dass sie sich von früh an um den Nachwuchs kümmern, viel Zeit mit ihren Kindern verbringen, liebe- und verständnisvoll sind und auch die beruflichen Pläne ihrer Partnerin unterstützen (BMFSFJ 2015).

Die im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung von Sowitra vorgelegte Expertise „Einflussfaktoren auf die Arbeitszeitdauer von Vätern nach den Elterngeldmonaten“ ist eine Sonderauswertung der 2015 vorgestellten Studie zur Nutzung der Elterngeldmonate durch Väter (FES 2015). Diese Ergebnisse werden als Ausgangspunkt für eine weitergehende Untersuchung nach möglichen direkten und längerfristigen Auswirkungen auf die Arbeitszeitdauer von Vätern nach ihrer Elterngeldphase genutzt. Folgende Fragestellungen standen dabei im Mittelpunkt: Welche Determinanten befördern oder erschweren eine Arbeitszeitverkürzung unmittelbar im Anschluss an die (ersten) eigenen Elterngeldmonate? Als zweite Frage wurde untersucht, inwiefern die Elterngeldmonate auch langfristige Folgen in Form einer Teilzeitbeschäftigung begünstigen und welche Rahmenbedingungen dafür entscheidend sind.

Die im Oktober 2015 Studie „Väter bei der Commerzbank: Ein Kulturwandel entsteht“ hat die Erfahrungen von Vätern mit Elternzeit unter persönlichen, familiären und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten evaluiert. Die Veränderung des Selbstbildes, die Erfahrungen mit dem Kind, der Partnerin, in der Familie und im sozialen Umfeld, die Qualität des Betreuungsangebots und der Angebote des Unternehmens werden dabei als ursächlich miteinander verbunden betrachtet. Mit der Kombination verschiedener Verfahren wurde versucht, die Wechselwirkungen zwischen den Feldern Familie, Kinderbetreuung und Beruf aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erfassen und systematisch auszuwerten. Bei der Onlinebefragung von Vätern mit Elternzeit haben sich von insgesamt 1.163 angeschriebenen Vätern 754 beteiligt.

In einer Synopse wurden die Aussagen und Ergebnisse der sieben Studien zu den Punkten: Wertewandel, Partnerschaftlichkeit, Bedeutung der Berufstätigkeit der Partnerin, Arbeitszeiten sowie die jeweils abgeleiteten Handlungsfelder zusammengestellt. Diese werden hier nun zusammenhängend dargestellt.

Wertewandel

Die Vaterrolle unterliegt seit einigen Jahrzehnten einem starken Wandel, trotzdem sind die „neuen“ oder „engagierten“ Väter nicht eindeutig zu beschreiben. Sie erscheinen im Wesentlichen als Gegenbilder zu den „alten“ traditionellen Vätern, die sich überwiegend um das Familieneinkommen kümmern, während die Mütter sich auf Familienaufgaben konzentrieren. Das neue Vaterbild ist durch mehr Engagement für das Kind, Emotionalität, Fürsorglichkeit und möglichst viel gemeinsamer Freizeit mit dem Kind gekennzeichnet (DJI 2015).

Väter sind emotional engagierter und kümmern sich intensiv um ihre Kinder. Die Väterrolle geht dabei weit über die Rolle des Ernährers hinaus, bleibt aber identitätsstiftend. Die Wahrnehmung traditionell „weiblicher“ Aufgaben wird nicht mehr automatisch mit „unmännlich“ gleichgesetzt (Väter gGmbH 2012).

Männer sehen sich nicht mehr in erster Linie als materielle Versorger, sondern möchten auch an der Erziehung ihrer Kinder teilhaben. Fast ein Drittel der Vollzeit arbeitenden Männer wünscht sich, die wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren. Trotzdem nimmt weniger als die Hälfte der jungen Väter familienfreundliche Leistungen in Anspruch. Ein Grund dafür sind väterfeindliche Unternehmenskulturen und tradierte Rollenbilder (ATKearney 2014).

Die Spezialisierung der Elternteile, das heißt die vorrangige Zuständigkeit des Vaters für die Berufsarbeit und die vorrangige Zuständigkeit der Mutter für Kinderbetreuung und Familienarbeit, hält in vielen Familien lange Zeit an. Dabei entspricht sie längst nicht immer den Idealvorstellungen der Eltern, von denen sich ein beträchtlicher Teil eine weniger ungleiche Aufteilung von Familien- und Berufsarbeit wünscht. Etwa die Hälfte der Eltern reproduziert aber trotzdem das traditionelle Leitbild einer spezialisierenden Aufgabenteilung, bei der sich der Vater vor allem um die Berufsarbeit und die Mutter vorwiegend um die Betreuung und Erziehung der Kinder kümmert. Durch dieses Leitbild wurden in der Vergangenheit insbesondere die Einstellungen in Westdeutschland stark geprägt. Dort, wo dieses Leitbild zur individuellen Idealvorstellung wird, möchten die meisten Eltern ihr Kind in den ersten Jahren von der Mutter betreuen lassen und nicht in einer Betreuungseinrichtung (IfD 2015).

Die Werthaltungen der Väter haben einen wichtigen Einfluss auf ihre Entscheidung über eine längerfristige Teilzeitbeschäftigung: Das Interesse des Vaters, das berufliche Fortkommen seiner Partnerin zu unterstützen erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Arbeitszeitreduzierung, während das Interesse des Vaters, die eigene berufliche Karriere nicht zu gefährden, die Wahrscheinlichkeit einer Teilzeitbeschäftigung signifikant verringert (FES 2015).

Die unterschiedlichen Motive der Männer, Elternzeit und andere Möglichkeiten der flexiblen Arbeitszeitgestaltung zu nutzen, verdeutlichen den Wandel der Vaterrolle. Mehr Zeit für Kinder und Familie sowie Unterstützung der Partnerin beim Wiedereinstieg in den Beruf stehen im Vordergrund der Wünsche und Erwartungen (Commerzbank 2015).

Partnerschaftlichkeit

Bei Vätern wächst der Wunsch nach einer egalitären Aufteilung von Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit in der Partnerschaft. 60 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren fänden es ideal, wenn sich beide Partner gleichermaßen in Beruf und Familie einbringen könnten. Jeder dritte Vater nimmt heute, unterstützt vom Elterngeld, eine Elternzeit, das heißt, er reduziert seine Arbeitsstunden oder unterbricht seine Erwerbstätigkeit für einen bestimmten Zeitraum. Die Elternzeit löst vielfach längerfristige Veränderungen aus: Väter, die drei oder mehr Monate in Elternzeit waren, haben eine intensivere Beziehung zu ihrem Kind entwickelt und berichten, dass sie sich mit ihrer Partnerin die Familienarbeit nun partnerschaftlicher aufteilen (BMFSFJ 2015).

Für Frauen stellt das familiäre Engagement der Väter eine neue Herausforderung dar. Sie beanspruchen nach wie vor den größten Teil der Elternzeit für sich und schreiben ihren Partnern weniger Kompetenzen im Umgang mit den Kindern zu. Väter müssen daher das Recht einfordern, anders und auf ihre Art zu erziehen und Frauen ihnen diese ‚Freiheit‘ zugestehen um ein partnerschaftliches Erziehungskonzept verwirklichen zu können (Trendstudie 2012).

Die Ausgestaltung von Vaterschaft hängt, so die Autorinnen des Väterreports, eng mit Eigenschaften der Paarbeziehung zusammen. Eine gute Kooperation in der Erziehung erleichtert aktive Vaterschaft. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Partnerschaftsqualität. „Aktive Väter“ zeigen sowohl hohe Werte in Bezug auf ein kollektivistisches als auch individualistisches Paarkonzept, d.h. sie haben eine gute Balance gefunden, in einer Partnerschaft als Team gemeinsam in die Zukunft zu blicken und gleichzeitig ein gewisses Maß an Autonomie zu behalten. Dies gelingt ihnen umso besser, wenn sie sich in allen Bereichen des Familienlebens engagieren (DJI 2015).

Eine weitere Stellschraube ist die Zufriedenheit mit der Partnerschaft: Unter den wenig zufriedenen Vätern findet sich der höchste Anteil an „wenig aktiven Vätern“. Dieser Zusammenhang zieht sich weiter, wenn nicht nur der quantitative Aspekt von Engagement zum Tragen kommt sondern auch der qualitative Aspekt. Eine gute Vater-Kind-Beziehung steht in einem signifikanten Zusammenhang mit einer sehr zufriedenen Partnerschaft (ebd.).

Diesen Aspekt betont auch die Väterstudie der Commerzbank: Eine partnerschaftliche Teilung von Erwerbs- und Familienarbeit ermöglicht zudem den Wiedereinstieg der Partnerin nach der Elternzeit und senkt das Risiko von Trennung und Scheidung. „Die Väter äußern, sie seien davon überzeugt, dass vor allem eine längere Erziehungszeit das Risiko von Trennung und Scheidung senke. Der männliche Beitrag zur Hausarbeit entlaste die Partnerin und bilde eine nicht zu unterschätzende Leistung zur Entwicklung der Beziehungszufriedenheit. Auch nach der Elternzeit wollen die befragten Väter deutlich mehr Aufgaben in der Kinderbetreuung und Hausarbeit übernehmen als vorher“ (Commerzbank 2015: 18).

Eine Arbeitszeitreduzierung des Vaters zwei Jahre nach der Geburt des Kindes ist für die Verfasser der Expertise ebenfalls ein starken Indikator für eine partnerschaftliche Arbeitsteilung des Paares bei der Kinderbetreuung und der Hausarbeit, die sich über einen längeren Zeitraum nach den Elterngeldmonaten erstreckt. Eine aktuelle Teilzeitbeschäftigung stellt für sie einen bedeutungsvollen Anhaltspunkt dafür dar, dass sich diese Väter in starkem Umfang in der Kinderbetreuung engagieren und ihren Partnerinnen den Wiedereinstieg in den Beruf bzw. einen beruflichen Karriereschritt ermöglichen (FES 2015).

Berufstätigkeit der Partnerin

Ob die Väter von der Elternzeit Gebrauch machen, ist auch vom Erwerbsverhalten der Mutter abhängig: Dort, wo die Mütter nach der eigenen Elternzeit mit höherer Stundenzahl berufstätig sind, entscheiden sich Väter deutlich häufiger für eine eigene Elternzeit (29 Prozent) als dort, wo die Mütter mit einer kürzeren Teilzeit in den Beruf zurückkehren (21 Prozent) oder gar nicht berufstätig sind (17 Prozent) (IfD 2015).

Andererseits sind für die Erwerbsbeteiligung der Mütter auch die Haltungen der Väter von Bedeutung: Wenn die Väter der Berufstätigkeit der Mutter bei der Aufgabenteilung Bedeutung zuerkennen, entscheiden sich Mütter deutlich häufiger für eine zeitlich umfangreichere Berufstätigkeit. In den Familien, in denen Väter die Karrieremöglichkeiten der Mütter bei der Aufteilung besonders wichtig fanden, sind nach der Elternzeit beim ersten Kind 41 Prozent der Paare in Konstellationen mit Vollzeitarbeit des Vaters und längerer Teilzeit oder Vollzeit der Mutter berufstätig. Dazu gehört auch die Bereitschaft der Väter, die Berufstätigkeit der Mutter durch eine Entlastung bei der Kinderbetreuung und bei der Familienarbeit zu unterstützen (ebd.).

Diese Haltungen wiederum sind eng mit der Frage verbunden, wie kleine Kinder am besten betreut werden. Hier hat es eine deutliche Veränderung gegeben: 1982 sprachen sich in den alten Bundesländern nur 11 Prozent der Bevölkerung für eine Berufstätigkeit von Müttern kleiner Kinder aus, 58 Prozent lehnten sie ab. Heute legen 53 Prozent der Mütter und Väter Wert „auf eine gute berufliche Perspektive beider Elternteile, 44 Prozent denken, dass beide Elternteile zum Haushaltseinkommen beitragen sollten.“ (IfD 2015: 31f)

Interessant ist ebenfalls, wann und wie diese Entscheidungen getroffen werden. Beim ersten Kind legte fast ein Drittel der angehenden Mütter und Väter die spätere Aufteilung der Berufs- und Familienarbeit bereits vor der Schwangerschaft fest (30 Prozent). Während der Schwangerschaft entschieden sich 54 Prozent. Späte Entscheidungen sind selten: Nur 16 Prozent fassten den Beschluss für die Aufteilung erst nach der Geburt des Kindes. Dabei berichtet die große Mehrheit der Eltern über kurze Abspracheprozesse (ebd.: 17). Im Väterreport heißt es dazu: Die Erwerbskonstellationen nach der Geburt eines Kindes erwiesen sich nur zum Teil als Ergebnis von Aushandlungen. „Entscheidungen für Erwerbsarrangements werden offensichtlich teilweise individuell getroffen („hat jeder für sich entschieden“), spontan entwickelt oder sind Resultate der täglichen Praxis („hat sich so ergeben“)“ (DJI 2015: 93; vgl. auch „5. Politische und gesetzliche Rahmenbedingungen für Vaterschaft“)

Die Erwerbskonstellation auf Paarebene und insbesondere die tatsächlich geleisteten Arbeits-stunden von Müttern und Vätern, bewusst ausgehandelt oder nicht, erscheinen als die wirkmächtigsten Faktoren auf das Engagement der Väter. Je mehr Arbeits- und Überstunden die Väter leisten, desto geringer ihr Engagement, je mehr Arbeitsstunden die Mütter hingegen leisten, desto größer das Engagement der Väter. Auch die noch existierenden Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern lassen sich in erster Linie durch unterschiedliche Erwerbskonstellationen bzw. die berufliche Einbindung der Mütter und Väter erklären (DJI 2015).

Im Alltag bleiben Fürsorgearbeit, Hausarbeit und Erwerbsarbeit zwischen Vätern und Müttern ungleich verteilt. Auch wenn Väter heute mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, gelingt es bislang lediglich 16 Prozent von ihnen, sich überdurchschnittlich aktiv in die Familienarbeit einzubringen. Diese Gruppe der Väter beschäftigt sich auch unter der Woche viele Stunden mit ihren Kindern und beteiligt sich stärker als andere Väter an der Kinderbetreuung und -versorgung. Besonders häufig sind diese aktiven Väter in Familien anzutreffen, in denen der Vater weniger Überstunden als andere Väter leistet, in denen die Mutter gut verdient und in einem hohen Stundenumfang erwerbstätig ist (BMFSFJ 2015).

Arbeitszeiten

Väter verzichten trotz Einführung des Elterngelds noch immer mehrheitlich auf Elternzeit und leisten mehr wöchentliche Arbeitsstunden als gewünscht. Für die Mehrzahl der Beschäftigten ist es nicht möglich, beides zu haben: ein erfülltes Berufs- und Familienleben. Männer, die familienfreundliche Maßnahmen in Anspruch nehmen, befürchten häufig berufliche Nachteile. Nur 35 Prozent der Männer stimmen zu, dass Vereinbarkeit in ihrem Unternehmen eine Selbstverständlichkeit sei (ATKearney 2014).

Nach der Geburt des ersten Kindes und nach den teils kürzeren, teils längeren Elternzeiten von Vätern, verändern sich die Erwerbskonstellationen der Elternpaare erheblich. In vielen Familien reduzieren die Mütter ihre Berufstätigkeit oder scheiden ganz aus dem Beruf aus, während die Väter Vollzeit berufstätig bleiben. Die vor der Geburt bestehende Dominanz der Vollzeit/Vollzeit-Konstellationen verliert an Bedeutung (IfD 2015).

Deutlich wird jedoch die Unzufriedenheit mit den individuell tatsächlich geleisteten Wochenarbeitsstunden. Dort besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen den tatsächlich geleisteten Wochenarbeitszeiten und den Arbeitszeitwünschen, der bei den Vätern wesentlich ausgeprägter ist als bei den Müttern. Die meisten Väter wünschen sich eine Reduktion ihrer tatsächlich geleisteten Arbeitszeit. Väter sind bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf vielfach mit dem Problem konfrontiert, dass sie eigene Wünsche und Ansprüche an die Reduktion ihrer Erwerbsarbeitszeiten sowie eine höhere Beteiligung an Familie offensichtlich praktisch nur schwer umsetzen können (DJI 2015).

Trotz der damit verbundenen – auch bewusst wahrgenommenen – Konflikte und dem gleichzeitig auffälligen Wunsch der Mütter nach mehr Zeit für Erwerbsarbeit werden die Entscheidungen für die gelebten Erwerbskonstellationen auch unter Berücksichtigung aller Rahmenbedingungen als „selbst gewählt“ dargestellt – bei manchen eher individuell, bei anderen gemeinschaftlich entschieden. Der beruflichen Situation des Vaters räumen bei dieser Entscheidung noch immer beide Geschlechter Priorität bei. Dennoch ist aufgrund der Zufrieden- bzw. Unzufriedenheiten davon auszugehen, dass sich bei entsprechender Infrastruktur und mit entsprechenden Müttern durch mehr Engagement im Beruf und Väter durch mehr Engagement in der Familie aufeinander zu bewegen werden (ebd.).

Jeder zweite Vater wünscht sich, seine Arbeitszeit zu reduzieren, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Väter mit Arbeitszeiten von über 40 Stunden pro Woche vor der Geburt des Kindes reduzieren ihre Arbeitszeit nach den Elterngeldmonaten, allerdings vorwiegend in geringem Umfang. In der Mehrheit reduzieren sie ihre Überstunden und/oder wählen eine Verkürzung der Arbeitszeitdauer um wenige Stunden, meist um die 20 Prozent. Eine deutliche Verkürzung von einer Vollzeitstelle auf eine echte Teilzeitstelle bildet demgegenüber eher die Ausnahme. Dennoch zeigt sich, dass viele Väter insbesondere direkt nach der Elternzeit eine Bereitschaft zu kürzeren Arbeitszeiten haben (FES 2015).

Das machen auch die Ergebnisse der Commerzbank-Studie deutlich: Vor der Elternzeit arbeiteten 1,7 Prozent der Befragten in Teilzeit, während der Elternzeit 12 Prozent, nach der Elternzeit 7,1 Prozent. Hilfreich sind vor allem auch größere Freiräume für eine flexible Gestaltung ihrer Arbeitszeiten. Mehr als 40 Prozent nutzen – obwohl sie Vollzeit arbeiten – die Möglichkeit, die Arbeitszeit mit den persönlichen Bedürfnissen in Einklang zu bringen. So werden beispielsweise Arbeitsbeginn oder Arbeitsende innerhalb der gesetzlichen und betrieblichen Rahmenbedingungen flexibel gestaltet. 70 Prozent der Studienteilnehmer stimmen der Aussage zu, dass ihre direkte Führungskraft flexible Arbeitszeitmodelle unterstütze. 15 Prozent der Väter arbeiten von zu Hause aus (Homeoffice-Lösungen). Die Veränderungen der Arbeitszeiten und –orte führen zu völlig neuen Erfahrungen für Männer, die Beruf und Familie neu verstehen lernen (Commerzbank 2015).

  • Männer- und Väterforschung hat in der Vergangenheit genügend Schubladen kreiert. Damit ist eine simple Abfertigung möglich, Ansätze zur Unterstützung für selbstgewählte oder –gewünschte Lebenskonzepte lassen sich damit nicht entwickeln.
  • Stattdessen müssen Forschungsprojekte so angelegt werden, dass sie eine interdisziplinäre Betrachtung erlauben und auf politische Handlungsfelder übertragen werden können.
  • Väter sehen ihre Rolle schon lange auch in „weiblichen“ Feldern der Familienarbeit. Die Blockaden liegen hier weniger in den Köpfen, als viel mehr in der selbstverständlichen Haltung von Unternehmen, umfassend auf die „Arbeitskraft Mann“ zugreifen zu können.
  • Engagierte Vaterschaft ist in der Regel mit einer zufriedenstellenden Partnerschaft verbunden. Die Eltern unterstützen einander bei der Realisierung ihrer Wünsche nach einer ausgewogenen Balance von Erziehungs- und Berufsarbeit. Dazu braucht es Wertschätzung auch für andere Herangehensweisen, z.B. des Vaters in Erziehung oder Haushalt
  • Wichtige Faktoren für umfassend gelebte Vaterschaft ist der Wiedereinstieg der Partnerin in den Beruf, vor allem mit höherem Stundenumfang. Dazu brauchen Frauen Ermutigung und Beistand durch ihren Mann.
  • Ein zusätzlicher Blick sollte auch noch auf die sogenannten „Aushandlungsprozesse“ in den Paar-Beziehungen gelegt werden. Diese werden von den Eltern eher als etwas Passierendes oder als individuelle Festlegung ausgehandelt. Hier gilt es einen Blick auf unbewusste und unreflektierte Prozesse und Kommunikation in der Paarbeziehung zu werfen
  • Über 50% der Väter äußern den Wunsch ihre Arbeitszeit erheblich zu reduzieren, befürchten aber gleichzeitig berufliche Benachteiligung. Väter brauchen hier ermutigende Signale, um den Schritt zu einer Arbeitszeitreduzierung nach ihren tatsächlichen Wünschen zu wagen. Dies kommt auch den Wünschen der Partnerin nach einer Arbeitszeiterhöhung zu Gute (s.o.)

 Handlungsfelder

Die in den Untersuchungen formulierten Konsequenzen bzw. Handlungsempfehlungen beziehen sich insbesondere auf die drei Ebenen „Partnerschaft“, „Unternehmen“ und „Politik/Gesellschaft“ und haben unterschiedliche Konkretisierungsgrade.

Partnerschaft
Frauen müssen Erziehungsverantwortung abgeben und den häuslichen Bereich nicht mehr als ihre Domäne betrachten (Väter gGmbH 2012). Oder etwas zurückhaltender formuliert: Es braucht die Bereitschaft beider Elternteile, sich bei der Familienarbeit wie auch bei den beruflichen Plänen gegenseitig zu unterstützen. Dies erfordert im Alltag immer wieder erneute Absprachen und Kompromisse, ist aber notwendig, damit die Eltern nicht zwischen den vermeintlichen „Alternativlosigkeiten“ der Arbeitswelt zermahlen werden. Die Wertschätzung der Partner_innen für die Bedürfnisse des_der anderen eröffnet die Räume für neue Lösungen und Modelle, die beiden vielleicht zunächst ungewohnt erscheinen, aber das Potential für ein zufriedenstellendes miteinander – auf allen Ebenen – öffnen.

Unternehmen
Anwesenheitskulturen müssen abgelöst werden und Beschäftigte brauchen flexible Angebote um familiäre Verantwortung wahrnehmen zu können. Vaterschaft ist ein ganzheitliches und emotionales Lebenskonzept, dass Männer zunehmend prägt. Unternehmen können davon profitieren, wenn sie aktiv auf Väter zugehen (ebd.).

ATKearney empfiehlt Unternehmen Folgendes: Familienfreundlichkeit zum wesentlichen personalpolitischen Mittel zu erklären, um sich Fachkräfte zu sichern und die Mitarbeitermotivation zu erhöhen; vollzeitnahe Teilzeit als ein akzeptiertes Arbeitsmodell zu etablieren und Mitarbeiter_Innen über einen definierten Zeitraum individuelle Arbeitszeitplanungen zu ermöglichen; räumliche Flexibilität und Homeoffice-Zeiten zu ermöglichen und Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für Teilzeitangestellte zu fördern und diese umfassend zu kommunizieren (ATKearney 2014).

Unternehmen können die Wahrnehmung familiärer Verantwortung ihrer Beschäftigten berücksichtigen und die Inanspruchnahme der Partnermonate beim Elterngeld und eine aktive Vaterschaft bei der Karriereplanung und Mitarbeiterführung aktiv ansprechen und unterstützen. Sie können sich in ihrer Kommunikation explizit auf Väter beziehen und spezifische Angebote, betriebliche Väternetzwerke, etc. etablieren. Die Verankerung des Themas in der Betriebsorganisation durch eine oder einen Väter- bzw. Elternbeauftragten stärkt ebenfalls die Wahrnehmung des Themas. Bei der Kommunikation spielen Führungskräfte und Vorgesetzte eine wichtige Rolle. Einerseits agieren sie als Gestalter und können eine familienfreundliche Unternehmenskultur maßgeblich prägen. Andererseits sind sie als Nutzer von Vereinbarkeitsmaß-nahmen auch selbst betroffen und haben eine Vorbildrolle. Aktive Väter bringen die Vereinbarkeit insgesamt voran. Diese Botschaft und der zugrunde liegende kulturelle Wandel können kommunikativ unterstützt werden (BMFSFJ 2015).

Auch die Ergebnisse des Väterreports zeigen, dass egalitärere Erwerbskonstellationen und vor allem ein stärkeres mütterliches Engagement in der Erwerbstätigkeit positive Bedingungen für eine aktive Vaterschaft bieten, lange Arbeits- und Überstunden der Väter hingegen negative. Daraus leiten die Autorinnen ab, dass der Sphäre der Arbeits- und Erwerbswelt eine bedeutsame Rolle für eine „aktive Vaterschaft“ zukommt. So leiden insbesondere „wenig aktive Väter“ unter massiven Konflikten und wünschen sich, Arbeitszeiten zu Gunsten ihrer Familien reduzieren zu können. Dabei wäre der Großteil der befragten Väter schon zufrieden, wenn es bei einer „normalen Vollzeit-Woche“ bliebe und sie darüber hinaus nicht häufig durch massive Mehrarbeit belastet würden (DJI 2015: 145).

Die Commerzbank wird aus der Studie folgende Konsequenzen ziehen: Es wird eine adressatengerechtere Kommunikation erarbeitet, die Mitarbeiter in den unterschiedlichen Familienphasen begleitet. Ergänzend werden Programme und Angebote für Eltern auf „Vätertauglichkeit“ überprüft und bei Bedarf um passendere, auf die Situation der Väter abgestimmte Initiativen ergänzt. Das Thema „Kinderbetreuung vor Ort“ wird erneut betrachtet. Führungskräfte sind wichtige Ansprechpartner für Eltern, Katalysatoren und authentische Botschafter einer väterbewussten Personalarbeit. Vorgesetzte, die selbst Elternzeit nehmen und Teilzeit arbeiten, prägen als Vorbilder die Kultur des Unternehmens. Die Rückmeldungen aus der Studie zeigen, dass Führungskräfte detailliertere Informationen, bedarfsorientierte Schulungen und einen Austausch untereinander zu Work-Life-Balance-Fragen benötigen – gerade auch zum Thema Väter (Commerzbank 2015).

Politik
Es gilt, zeitgemäße Maßnahmen und Arbeitszeitmodelle einzuführen und durchzusetzen. Es braucht mehr als zwei ‚Partnermonate‘ und eine größere Akzeptanz für Teilzeitarbeit in bestimmten Lebensphasen (Väter gGmbH 2012: 74ff.).

Außerdem ist es wichtig, Voraussetzungen für eine gleiche oder annähernd gleiche Arbeitsteilung zu schaffen. Dazu braucht es vor allem geeignete Betreuungsmöglichkeiten und familienpolitische Maßnahmen, die die Hürden für eine weniger ungleiche Aufteilung verringern (IfD 2015).

Angesichts der erheblichen Diskrepanz zwischen realer und idealer Aufgabenteilung bedarf es insbesondere einer Unterstützung der Familien, in denen die Eltern Berufsarbeit und Kinderbetreuung jeweils zu gleichen Teilen übernehmen wollen. Als notwendig gilt eine solche Unterstützung, um befürchtete finanzielle Einbußen zu verringern und um Hürden durch Organisationsprobleme und Betreuungsdefizite zu überwinden (ebd.: 61).

Als Zielgruppe möglicher Kampagnen bzw. familienpolitischer Instrumente, erweisen sich Paare

  • aus Großstädten, die evtl. auch schon mehr als ein Kind haben und die beide über eine hohe berufliche Qualifikation verfügen bzw. einen akademischen Abschluss haben
  • in denen die Väter schon über 40 Jahre alt sind, Berufserfahrung gesammelt und sich ein gewisses berufliches „Standing“ erarbeitet haben und sich daher das betriebliche Risiko einer Teilzeitbeschäftigung durchaus zutrauen,
  • in denen die Väter durchaus beruflich engagiert sind und vor der Geburt des Kindes auch deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche gearbeitet haben,
  • in denen die Väter aber dennoch nicht nur auf die eigene berufliche Karriere fixiert sind, sondern sich durch eine egalitäre Einstellung auszeichnen, bei der auch der Berufsweg der Partnerinnen und deren beruflicher Erfolg von großem Interesse für sie (bzw. die Familie) ist,
  • in denen es den Vätern möglich ist, im Betrieb dann auch tatsächlich Aufgaben abzugeben, weniger zu arbeiten bzw. andere Aufgabengebiete zu übernehmen, sobald sie ihre Arbeitszeiten reduzieren (FES 2015).

Leerstellen
Im Bereich der Väterthematik gab es gerade in den letzten Jahren immer wieder Veröffentlichungen, seien es Studien (vgl. „6. Anknüpfungspunkte für das Bundesforum Männer“) oder Artikel in den Medien. Inhalt ist vor allem ein Diskurs über die Veränderung der Vaterrolle und die Erwartungen an die Väter. Aktuell gut belegt sind die Themenbereiche „Vereinbarkeit Familie und Beruf“ oder „Auswirkungen von Elternzeit und Elterngeld“. In der Vielfalt der in den vorangehenden Kapiteln aufgezeigten Themen gibt es somit einige ausgewählte und gut beleuchtete Bereiche und es macht Sinn, die Frage nach den Leerstellen zu stellen. Auch sollten bestehende Ergebnisse nach der Relevanz bzw. Verallgemeinerungsfähigkeit kritisch hinterfragt und ggf. erweitert werden. Letztendlich erleben wir gerade ein sich kulturell und strukturell veränderndes Bild von Vatersein, in dem die Aussagen und Befunde von heute morgen schon wieder anders aussehen können.

Folgende Forschungs- oder Fragerichtungen können den bestehenden Fokus zu erweitern:

  • Was sagen Väter zum gesellschaftlich propagierten Bild der Neuen Väter? Wie lassen sich diese Aussagen anhand der eigenen Lebensbezüge einordnen?
  • Welche Herausforderungen sehen sie für sich selbst? Wo entstehen Konflikte? Wie gehen sie mit den Anforderungen um (was stärkt, was verunsichert)?
  • Was bewirken abwesende und was bewirken anwesende Väter? (Kriegsgeneration, Abwesend durch Arbeit oder Trennung, Abwesend durch soziale Selbstausgrenzung z.B. bei Arbeitslosigkeit, Anwesend durch Elternzeit, Männer in Kitas, etc. …)
  • Welche medialen Bilder zeigen Wünsche und Bedürfnisse von Vätern/Männer und Erwartungen an Väter/Männer?
  • Wie können bisher von Männern/Vätern im Verhältnis kaum oder weniger beachtete Lebensbereiche (Pflege, Kinderbetreuung, Haushaltsversorgung …) mit eigenem Zugang erkundet werden?
  • Wo wird Forschung zu Themen der Väter kontinuierlich betrieben, unabhängig von aktueller politischer Relevanz?
  • Warum gibt es kaum explizite Angebote für Väter? Wo gibt es blinde Flecken im Förderungsbereich? (siehe „Die Arbeit mit Vätern als Zielgruppe“)
  • Was steckt hinter der Aussage „Väter wollen nicht besonders behandelt werden“, wo doch gerade ein enormer Erwartungsdruck der Veränderung an die Väter gerichtet wird? (Was hat das mit Männlichkeit zu tun?)
  • Wo und wie kann die Perspektive der Väter/Männer konstruktiv in den Geschlechterdiskurs einfließen (Ressourcenblick, männliche Zuschreibungen, männliche Perspektive, Vielfalt Vaterschaft)?
  • Wie verändert und gestaltet sich männliche und väterliche Identität im Rahmen des aktuellen gesellschaftlichen Transformationsprozesses?
  • Welche Rahmenbedingungen unterstützen und welche verhindern Väterpolitik und Väterarbeit?

Wie gelingen Geschlechterdiskurse und welche Voraussetzungen brauchen sie? Was will Väterpolitik und Väterarbeit dort einbringen?


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