3. Die Arbeit mit Vätern als Zielgruppe – Erste Schritte eines einheitlichen Zugangs

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vaeter-kapitel2Väter-Arbeit als Ermöglichung, Unterstützung und Begleitung von Vaterschaft

In diesem Beitrag geht es um Väter-Arbeit aus der Perspektive Sozialer Arbeit. Zunächst wird der spezielle Auftrag der Väter-Arbeit erläutert und begründet, warum väterspezifische Ansätze sinnvoll sind. Abschließend wird der weitere Entwicklungs- und Ausbaubedarf von Väter-Arbeit auf fachlicher und kommunaler Ebene geschärft.

Unter dem Begriff „Väter-Arbeit“ kann vieles verstanden werden: Angebote für Väter nach dem Motto „endlich lernen, wie man sich um Haushalt und Kinder kümmert“ genauso wie Interventions- und Therapieangebote für gewalttätige Väter. Tatsächlich ist Väter-Arbeit ein schillernder Begriff. Väter-Arbeit ist ein Querschnittsthema der Sozialen Arbeit ist oder sollte es sein, zumindest überall dort, wo Väter tatsächlich eine Rolle spielen oder eigentlich tun sollten.

Die Lebensumstände von Familien und Vätern unterscheiden sich je nach Familienform (Kernfamilie, Patchworkfamilie, Getrennt erziehend, …), Schicht- und Milieulage. Ebenso verhält es sich mit dem Selbstbild von Vätern, also ihrem Verständnis über ihre Rolle und Funktion in der Familie, auf welche Werte sie bei der Erziehung ihrer Kinder Wert legen und wie sie diese vermitteln. Es gibt Väter, die in Überzeugung und im Einklang mit ihrer Partnerin traditionelle Rollenbilder leben, ebenso wie die, denen es gelingt mit ihrer Partnerin ein ausgewogeneres Modell im Rollenverhalten und bei der Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit umzusetzen. Zwischen diesen beiden Polen von Tradition und Moderne gibt es vielfältige Facetten der Lebensführung. Väter-Arbeit hat nicht den Auftrag eine bestimmte Form der Lebensführung oder Aufgabenverteilung herbeizuführen. Ihr Fokus liegt auf den Bedarfen von Vätern, sie fragt nach dem Unterschied zwischen der tatsächlichen Alltagspraxis von Vätern und den eigentlichen Vorstellungen und Wünschen (Thiersch 2006). Sie unterstützt Väter und Familien darin bei inneren und äußeren Konflikten tragbare Lösungen und Perspektiven zu finden; außerdem werden grundlegende Bedarfe und Interessen, z.B. nach Freizeitangeboten und geschützten Väter-Räumen, identifiziert und bedient.

Väter-Arbeit ist also – als  ein Feld Sozialer Arbeit – kein Erfüllungsinstrument  einer politischen Agenda (Staub-Bernasconi 2007: 154f. und 198). Dies bedeutet nicht, dass  gleichstellungspolitische Themen ausgeschlossen werden. Ganz im Gegenteil betreffen diverse Themen auch die Interessen von Männern und sind nicht selten Thema von Väter-Arbeit (siehe auch  „Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen“). Das oben ausgeführte Selbstverständnis wird als der Lösungsansatz eines Vaters (und wahrscheinlich auch der Mutter) gesehen,  um die Anforderungen des Alltags zu bewältigen, in dem Kinder betreut, der Haushalt erledigt und der Lebensunterhalt finanziert werden müssen. Hier kann Väter-Arbeit – je nach Interesse des Vaters – entweder alternative Lösungsmöglichkeiten aufzeigen oder die möglichen Kollateralschäden einer „traditionellen“ Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit zu verringern helfen. Die Grenzen der Parteilichkeit sind dort zu verorten, wo Väterlichkeit und Männlichkeit als Widerspruch zur Gleichberechtigung der Geschlechter oder als herrschaftliches Gewalt- oder Verfügungsverständnis gegenüber Frauen und Kindern formuliert wird.

Väter-Arbeit spricht ausdrücklich Väter an, anders als allgemeine Angebote für „Familie“ oder „Eltern“. Wenn es um ihre eigenen Bedürfnisse geht, fühlen sich Väter häufig nicht mit „Eltern“ angesprochen. Im Begriff „Eltern“ schwingt anscheinend noch immer die traditionelle Rollenverteilung mit, wonach Väter für die Familie, Frauen in der Familie zuständig sind. Auch der Begriff „Familie“ wird von Männern oft als weiblich konnotiert empfunden. Ein typisches Beispiel liefert ein Werbetext des Magazins ELTERN [1]: „ELTERN ist das Magazin für Mütter, das Müttern zuhört, sich ihrer Gefühle und Gedanken annimmt, sie bestärkt Vertrauen in sich selbst zu entwickeln und sie so ermuntert Ihren Weg zu gehen“. Ähnliche Beispiele, bei denen implizit oder explizit Mütter angesprochen werden, finden sich in Eltern-Kind-Kur-Angeboten, Erziehungsberatungsstellen, Elternwegweisern etc.

Das Phänomen findet man ebenso im beruflichen Alltag wieder: Die Väterstudie der Commerzbank fand heraus, dass die Angebote der Vereinbarkeit von Beruf und Familie von vielen Vätern nicht als auf ihre eigenen Situation bezogen erlebt und verstanden werden (Commerzbank 2015: 17).

Väter-Arbeit als Konzept bietet auch Ansätze zur kritischen Analyse von Aufbau, Inhalten und Kommunikation bisheriger „Familien“-Angebote. Väter-Arbeit trägt damit zu einer notwendigen Perspektiverweiterung unter Begriffen wie „Eltern“ und „Familie“ bei. Sie spricht zugleich Väter direkt an, auch mit bislang als „untypisch“ geltenden Themen und Interessen wie Kinderpflege, Erziehung oder familienbedingter Arbeitszeitreduzierung.

Das ideale Selbstbild von Vätern hat sich in den letzten Generationen stark gewandelt und ist immer noch im Wandel. In der Broschüre „Väter im Wandel – Väter in Sachsen“ (Papaseiten.de 2016) betonen Väter und Großväter, dass sie patriarchale Gewalt als Erziehungsmethode heute ablehnen würden und sich diese Einstellung im Laufe der letzten Generationen – auch in der Gesamtgesellschaft – verändert habe. Die Veränderungen führen auch dazu, dass junge Männer nach eigenen Wegen suchen: Nur 21% der Männer in der Sächsischen Männerstudie (Männernetzwerk Dresden e.V. 2009) sehen dabei in ihrem Vater ein Vorbild. Mehr noch, 19% der Befragten lehnen dies sogar kategorisch ab. Aber 46,7% sehen ihren Vater immerhin in einigen Belangen als Vorbild. Das heißt, es gibt Bedarf an (Neu-)Orientierung und Identitätsfestigung. Was verstärkt wird durch die gesellschaftlichen Entwicklungen, die in Kapitel 1  geschildert wurden. Väter-Arbeit schafft Gelegenheit zum Austausch unter Vätern. Das kann den Effekt haben, sich miteinander neu zu erfinden und neue Rollenvorstellungen zu entwickeln. Geschlechterhomogene Räume zu schaffen, kann dabei unterstützend wirken, wie aus der Frauenbewegung bekannt ist.  Gleichzeitig hat Väter-Arbeit nicht nur ein emanzipatorisches sondern auch ein integratives Anliegen: Auch neu entdeckte Vaterschaft soll normalisiert werden. Insofern ist Väter-Arbeit ebenso als exklusive Arbeit mit Vätern wie auch als selbstverständlicher Bestandteil von Familienangeboten zu verstehen.

Die Erfahrung in der Praxis zeigt, dass die Wissensvermittlung und -aneignung bei Vätern und Müttern verschieden sind. Pflegende und fürsorgliche Tätigkeiten sind auch im öffentlichen Raum vor allem als weibliche Domäne wahrnehmbar. Für Jungen, die ebenfalls sorgend z.B. für kleinere Kinder da sein wollen, bleiben momentan als Bezugspunkt oft nur Frauen (die eigene Mutter, Erzieherinnen, Lehrerinnen, etc.). Dies setzt Jungs im Ausbildungsprozess ihrer Geschlechtsidentität und ihres Selbstverständnisses als Mann in ein Dilemma. Sie sehen sich vor die Wahl gestellt, entweder dem eigenen Bedürfnis nach gelebter Fürsorglichkeit nachzugeben (und damit etwas „weibliches“ zu tun) oder ihr Mann-Sein in negativer Abgrenzung als Nicht-Frau-Sein auszuprägen. Entscheidet sich ein Mann später trotz dieser oft so bezeichneten „Anlagen“ dafür als pflegender und erziehender Vater präsent zu sein, werden nicht nur die unterschiedlichen „Vorkenntnisse“ sondern auch die akute Ausgangslage spürbar. Väter erleben damit einen „Gender Trouble“. Dabei bleibt häufig unberücksichtigt, dass auch Frauen in Fragen von Erziehung und Pflege unsicher sind. Auch für sie ist die Vereinbarkeitsfrage von Familie und Beruf immer wieder akut. Frauen finden in ihrem Alltag aber leichter institutionellen Anschluss (siehe oben) und bilden auch während und nach der Schwangerschaft schon Netzwerke zu anderen (werdenden) Müttern, z.B. in Geburtsvorbereitungskursen, bei Rückenbildungsgymnastik oder in bestehenden Freundschaften (Gesterkamp 2007: 105f.). Zusätzlich zu den Tendenzen, die sich aus Einkommen und Arbeitszeit ergeben (siehe Text 2 „Vaterschaft im Kontext von Arbeit“), sind dies zusätzliche Faktoren, die eine ungewollte Retraditionalisierung von Paarbeziehungen herbei führen können. Väter-Arbeit greift beide „Problemstränge“ auf: Männer bekommen die Gelegenheit väterspezifische Netzwerke zu bilden, im Zusammensein erleben sie sich weniger als „Ausnahmeerscheinung“ und stärken ihr Bewusstsein für ihre – von sich selbst oder von anderen – als neu empfundene Rolle. Bei den sozialpädagogischen Angeboten können Väter sowohl bewusst eigene Fragen einbringen oder im halb- oder unbewussten Lernen ihren „Informationsrückstand“ aus der Jugendphase nachholen.

Schlussfolgerungen für die professionelle Arbeit mit Vätern

Professionalisierung und Qualitätsstandards

S39Grafik-WissenVäter-Arbeit lässt sich nicht mit einer Sammlung von Methoden und Angeboten abschließend definieren. Der volle Umfang von dem was Väter-Arbeit in der Praxis ist und sein kann zeigt sich auf einer Matrix aus väterspezifischem Wissen, Handlungsfeldern Sozialer Arbeit (z.B. Familienbildung und -beratung, Gewaltberatung, etc.) und Methodischen Zugängen (siehe Abbildung). Väter-Arbeit vollzieht sich hier aus verschiedenen Anlässen und in verschiedenen Kontexten. Sie entfaltet ihr wirkliches Potential in der Überschneidung mit der Professionalität der Handlungsfelder und ihren Methoden: Ein gewalttätig gewordener Vater profitiert dann von einer Gewaltberatung, wenn der_die Berater_in sowohl Interventions- und Reflexionsmethoden bei Gewalthandeln beherrscht und dabei auch um die Belastungen, Unsicherheiten, aber auch Motivationen von Vätern weiß, die ebenso (teilweise) Auslöser wie auch ein Zugang zu einer Lösung sein können.

Für eine Professionalisierung von Väter-Arbeit bedeutet dies, dass sie auch in Dialog und Verknüpfung mit den Professionellen in den Handlungsfeldern gemeinsam erfolgen muss. Das hauptsächliche Ziel bei der Etablierung von Väter-Arbeit sollte die Implementierung in das Feld der „Familien-„ bzw. „Elternarbeit“ sein. Dies kann aber nicht bei gelegentlichen und unstrukturierten Gesprächen gelingen; stattdessen braucht es eine organisatorische Basis und ausreichende Mittel, um miteinander konsensfähige Standards und Qualifikationsprogramme zu entwickeln. Solche Standards können eine solide Grundlage für ein „Väter-Mainstreaming“ (DRK [2]) und inhaltliche Weiterbildungen liefern.

Väter-Arbeit als flächendeckendes Zusatz- und Querschnittsangebot

Mit Blick auf die breite Schnittmenge von Väter-Arbeit ergeben sich für Kommunen ebenso wie für Träger und Einrichtungen der Sozialen Arbeit neue Möglichkeiten und Herausforderungen. Träger von Familiendienstleistungen sind aufgerufen ihre Angebote auf „Vätertauglichkeit“ zu unterziehen: Wie werden die Angebote „an den Mann gebracht“? Wo reproduzieren die Angebote das Bild von „Familie = Frauenthema“ und welcher Veränderungen bedarf es, damit Väter sich tatsächlich angesprochen fühlen? Wo liegen väterspezifische Schwachpunkte der bestehenden Angebote und berühren Sie die tatsächlichen Interessen von Vätern?
Die Kommunalpolitik ist dazu verpflichtet Maßnahmen der Jugendhilfe mit dem Ziel anzubieten, „dass Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte ihre Erziehungsverantwortung besser wahrnehmen können“ (§16, SGB VIII). Daraus ergibt sich auch der Auftrag inhaltliche (Welche Beratungsangebote gibt es für Väter?

Gibt es sie tatsächlich oder nur theoretisch?) und strukturelle Leerstellen zu identifizieren: Sind die Öffnungszeiten von Kindertagesstätten so gestaltet, dass sie Vätern und Müttern eine flexible und paritätische Organisation ihrer Arbeitszeiten ermöglichen? Gibt es auf der Ebene der Träger und politischen Akteure ein Bewusstsein für die Bedarfe von Vätern und werden diese in Kooperation miteinander bedient?
 Das Deutsche Rote Kreuz hat mit seiner Handreichung „Väter-Arbeit im Deutschen Roten Kreuz“ (2009)  bereits vorgemacht wie das Thema innerhalb eines Verbandes aufgegriffen werden kann: zunächst wurden der Verband und seine Aktivitäten mit Blick auf seine Arbeit für Väter betrachtet und die Idee von Väter-Arbeit, ihrer Haltungen und Methoden erläutert. In den anschließenden Kapiteln wurde dann eine Strategie entworfen, wie die Väter-Arbeit im Verband weiterentwickelt werden könnte: Persönliche und institutionelle Standortbestimmung, Schritte und Bausteine, um Väter-Arbeit „auf den Weg zu bringen“, Finanzierungsmöglichkeiten für Angebote und Zielgruppenansprache.

Praktische Zugänge zu verschiedenen Selbstverständnissen von Väterlichkeit

Väter-Arbeit muss bereits aus professionstheoretischen Standpunkten (Staub-Bernasconi 2007: 198ff.) sowohl das Verhalten und die Motivation der Individuen, ebenso wie auch gesellschaftliche und politische Einflüsse, als auch ethische Implikationen ihres Auftrags prüfen und für die Ziele und Methoden ihrer Arbeit berücksichtigen.  Diese drei Perspektiven können nur mit einem systemischen Theorieverständnis bearbeitet werden, die die Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, sozialem Umfeld und Individuum berücksichtigt (ebd.: 182f.). Ausgangspunkt für die konkrete Arbeit muss die Situation und Wahrnehmung der Väter sein, um darauf aufbauend gemeinsam neue Möglichkeiten bzw. Problemlösungen zu erarbeiten. Dabei sind Herausforderungen auszuhalten, die sich aus den widerstreitenden Rollenverständnissen von Vater und Väter-Arbeiter_in ergeben können, wenn etwa ein traditionelles Verständnis vom Vater als Alleinverdiener auf ein egalitäres Partnerschaftsverständnis trifft. Das bedeutet, dass sich auch in der Väter-Arbeit die gesamtgesellschaftlichen Bruchlinien von Werten und Strukturen wiederfinden, mit denen professionell umzugehen ist.

Wie gut mit Vätern gearbeitet werden kann, die sich z.B. selbst mit eher traditionellen Eigenschaften wie Aktivität, Leistung und Schutz beschreiben, haben Reinhard Winter und Gunter Neubauer (2001) in einem Balance-Modell (siehe unten) erarbeitet. Zentral in dem Modell ist, dass Möglichkeiten zu Dialog und Weiterentwicklung geschaffen werden müssen. Sie zeigen, dass traditionelle männliche Aspekte Erweiterungspotentiale haben, die zur Entfaltung gebracht werden können und sollten. Damit wird eine Basis geschaffen, die die Anerkennung der Leistungen und Einstellungen auch traditionell orientierter Väter erlaubt. Gleichzeitig kann Vätern auch, mit Blick auf diese Eigenschaften, das Potential zur Erweiterung ihrer Rolle und Kompetenzen aufgezeigt werden. Im Rückgriff auf diesen Konsens können Väter neue Facetten ausprobieren ohne dabei ihre bisherige elterliche Praxis selbst zu entwerten. Beide Pole gewinnen somit einen eigenen Wert. Sie bieten Orientierung, wo Entwicklungspotentiale vorhanden sind, ohne ein Entweder-Oder in den Blick zu nehmen. Gleichzeitig kann das Modell zur Konzeptionierung von Väterangeboten genutzt werden: Je nach Haltung der Väter können zu den einzelnen Aspekten passende ergänzende Angebote konzipiert werden.

Konzentration
Dran bleiben, nicht ablenken lassen, …
Integration
Andere_s einbeziehen, Orientierung an der
Gruppe, …
Aktivität
Initiative ergreifen, Handeln statt Worte, …
Reflexivität
Überlegen vor bzw. nach dem Handeln, …
Präsentation
Sich zeigen, mitteilen, …
Selbstbezug
Bei sich selbst sein, …
Kulturelle Lösung
Sich lösen können aus, …
Kulturelle Bindung
Sich einfügen können, …
Leistung
Leistungsfähigkeit ausnützen, Erwartungen annehmen, …
Entspannung
Mental und körperlich, Zeit haben für, …
Heterosozialer Bezug
In Beziehung zu Mädchen/Frauen treten, …
Homosozialer Bezug
In Beziehung mit Jungen/Männern treten, …
Konflikt
Konflikte aushalten können, Auseinandersetzung, …
Schutz
Sich und andere mental und körperlich schützen, …
Stärke
Körperlich/mental, Selbstwertgefühl, …
Begrenztheit
Eigene, fremde Grenzen wahrnehmen, begrenzt sein, …

Anlässe und Arbeitsweisen: Übergangsphasen und Ressourcenorientierung

Vor allem aus dem Väterzentrum Berlin liegen inzwischen diverse Erfahrungsberichte und erste Evaluationen vor, aus denen sich vor allem zwei etablierte Grundprinzipien ableiten lassen: Der Grundsatz der Ressourcenorientierung und die Übergangsphasen von Vätern und Kindern als Ausgangspunkt von Väter-Arbeit.

Eberhard Schäfer, langjähriger Leiter des Väterzentrums stellt fest, dass selbst bei „optimalen Ausgangsbedingungen“ wie einem jungen, stark von Familien frequentierten Kiez, dies keinen automatischen Zulauf von Vätern zur Folge hat. Der Bedarf an Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit ist hoch, der Zugang von Vätern kommt vor allem durch die Öffentlichkeitsarbeitsmaßnahmen, Weiterempfehlungen durch andere Institutionen oder private Empfehlungen (auch durch die eigene Partnerin) zustande (DRK [2]; Väterzentrum Berlin [3])

Die Angebote und Zugänge von Väter-Angeboten werden dann besonders gut angenommen, wenn sie sich an den Lebenswelten und Interessen von Männern orientieren und die Stärken der Männer mit in den Blick nehmen: „Im Papaladen gibt es kein Spielzeug nur für Kinder, sondern solches, mit dem sich auch Väter gerne beschäftigen: eine Carrera-Autorennbahn, eine Dartscheibe, Tischfußball. Das ‚Kind im Manne‘ ansprechen wurde zu unserem Konzept“ (Schäfer in DRK [2]). Angebote werden dann gut angenommen, wenn Väter dort mit ihren Kindern in Aktion treten können. Dort wo es möglich ist, sollten Angebote diese Möglichkeiten bieten. Väter können hier eigenen Ressourcen einbringen und weiterentwickeln.

Väter-Arbeit, vor allem als Bildungsarbeit verstanden, verortet sich selbst anhand von Übergangsprozessen im Lebenslauf von Männern bzw. Vätern. In Phasen der Neuorientierung und Veränderung besteht ein aktuelles Interesse an Angeboten und Informationen. Beispielhafte Phasen sind z.B. Familienplanung und Vater-Werden, Veränderungen in der Erwerbstätigkeit,  Übergang in Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. Schule, zunehmende Selbstständigkeit der Kinder, eventuell Trennung und Scheidung oder Bildung neuer Familienformen (z.B. in Patchwork-Familien oder als Stiefvater) (DRK 2009)

  • Väter-Arbeit bezieht die unterschiedlichen Lebens-, Familienformen und Haltungen der Väter mit ein und bietet Unterstützung und Reflexion bei der Auseinandersetzung mit dem Alltag
  • Väter-Arbeit setzt also bei der Lebenswelt des individuellen Vaters an. Sie hat nicht den Auftrag auf eine politisch erwünschte Form oder Umfang von Vaterschaft hin zu arbeiten
  • Die Angebote von Väter-Arbeit sprechen Männer dezidiert an. Sie vermeiden verallgemeinernde Begriffe wie „Eltern“ und „Familie“, die in der Vergangenheit häufig synonym für „Mütter“ gebraucht wurden.
  • Väter-Arbeit öffnet Räume, in dem Männer ein fürsorgliches Selbstverständnis von Vaterschaft und Männlichkeit entwickeln und ihre Erziehungs- und Pflegekompetenzen erweitern können. Trotz des gesellschaftlichen Trends haben einzelne Väter immer noch den Bedarf nach Austausch und Selbstverständlichkeit.
  • Frauen haben mehr Gelegenheiten, um mütterspezifische freundschaftliche Netzwerke zu knüpfen, während Väter in der neuen Rolle oft für sich bleiben. Väter-Arbeit schafft hier neue Kontaktmöglichkeiten.
  • Um die noch vereinzelten Leuchtturmprojekte der Väter-Arbeit auszuweiten und zu fördern braucht es eine professionelle Zusammenführung von väterspezifischem Wissen, Methodenkenntnissen und sozialpädagogischen und –arbeiterischen Handlungsfeldern. Dies kann nur in professionellen und ergebnissichernden Dialogformen stattfinden und bedarf eines stetigen Austauschs.
  • Väter-Arbeit darf kein Zufall sein. Sie gehört als Querschnittsthema sowohl in die Träger, die Familienangebote initiieren als auch in die Kommunen, die für inhaltliche und strukturelle Qualität der Angebote zuständig sind.
  • Praktische Väter-Arbeit muss „vom Vater her“ gedacht werden. Sie findet Wege, um mit Vätern ins Gespräch über ihr Selbstverständnis zu kommen, ihre Leistungen anzuerkennen und Erweiterungspotentiale ihrer Rolle zu erkennen
  • Erfahrungsgemäß ist Väter-Arbeit vor allem in „Übergangsphasen“ nachgefragt. Väter sind vor allem dann empfänglich, wenn sich Neuerungen in ihrem Leben und dem Leben ihres Kindes ergeben (Geburt, Kita-Beginn, Einschulung, usw.). Dabei schätzen Väter vor allem solche (Freizeit-)Angebote, in denen sie ihre Fähigkeiten und Erfahrungen einbringen können.


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