Projekt: Männer im Wandel

MannTransformationNEU

Das Projekt

Das Projekt „Männer im Wandel“ sieht Männer unter einer gleichstellungsorientierten Perspektive als Objekte und handelnde Subjekte in Prozessen sozialen Wandels. Sozialer Wandel erzeugt Chancen und Probleme – für die Gesellschaft als Ganzes und die Einzelnen. „Megatrends“ sind prägend für die objektiven Lebensformen der heutigen Gesellschaften: Globalisierung, Klimawandel, Digitalisierung, neue Mobilität, demografischer Wandel, Urbanisierung. Insgesamt ist sozialer Wandel gekennzeichnet von Veränderungsdynamiken. Diese vollziehen sich gleichzeitig und sind in komplexen Wechselwirkungen miteinander verknüpft. Eine Grundtendenz dieser Dynamiken, denen sich niemand entziehen kann, ist in den letzten Dekaden eine starke Beschleunigung.

Globale Entwicklungen

Diese globalen Entwicklungen haben für die Geschlechterverhältnisse und somit auch für Männer eine erhebliche Bedeutung. In der Geschlechterforschung wird der Strukturwandel in seinen Auswirkungen hauptsächlich für die Lebenslagen von Frauen beleuchtet. Und auch im gleichstellungspolitischen Diskurs scheinen Männer bis heute eher als das Allgemeine. Das ist strukturell betrachtet sicherlich auch nicht ganz falsch, verschleiert aber teilweise den notwendigen Blick auf die Subjekte: Männer als reale, handelnde Personen mit Empfindungen, Haltungen und Ressourcen.

Who Cares?

„Männer im Wandel“ hat eine zweite Bedeutungsebene: Männer verändern sich, als soziale Gruppe und als einzelne Subjekte. Die beiden großen Männerstudien von 1998 und 2009 machten das sichtbar. Das Bild vom Mann als (alleiniger) Familienernährer hat noch nicht völlig ausgedient, es trägt aber auch nicht mehr vollständig. Teilzeit für Männer ist noch nicht „normal“, sie wird langsam aber zunehmend normaler. Für die Übernahme häuslicher Tätigkeiten gilt das gleiche. Vor wenigen Jahren brachte es Carsten Wippermann auf die Formel: „Vom traditionellen Haupternährer zum modernen Basisversorger“. Das aktuelle Leitbild basiert auf den tradierten Männlichkeitsidealen und ist um vormals als weiblich verstandene Attribute erweitert worden.

Die Einstellung von Männern zur Gleichstellung hat sich aber in den letzten Jahrzehnten gravierend gewandelt. Dreiviertel der Männer befürwortet die konsequente Gleichstellung von Frauen und Männern im Privaten und im Beruflichen. Das würde auch die Übernahme von reproduktiven Tätigkeiten („Care“) umfassen. Die tatsächliche Aufteilung verweist jedoch auf Bruchlinien, denn Wäsche waschen und bügeln, Bettwäsche wechseln, Bad und Toilette putzen, Kochen bleiben ganz überwiegend noch in den Händen von Frauen. Auf der anderen Seite sind Männer zuständig für das Auto und häusliche Reparaturen und in hohem Maße auch für das Funktionieren des Computers oder Fragen von Bank und Versicherung. Diese Tätigkeiten bleiben vielfach im Diskurs um Care unter belichtet.

Strukturelle Muster mit individuellen Effekten

Vielfach wird in Diskussionen um diesen Zusammenhang das geflügelte Wort von der „verbalen Aufgeschlossenheit bei gleichzeitiger Verhaltensstarre“ (Ulrich Beck) bemüht. Aber das trifft nicht wirklich. Denn die Verteilung zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit verschiebt sich in den zurückliegenden Jahren auch bei Frauen immer mehr in Richtung Erwerbsarbeit. Durch die allgemeine Erwerbsorientierung für Erwachsene entstehen für Männer widerstreitende normative Zugkräfte, eine Gleichzeitigkeit von traditionellen und modernen Männlichkeitsanforderungen. Männern von daher zu unterstellen, sie würden lediglich sozial erwünschte Antworten geben, ansonsten aber die alte patriarchale Agenda verfolgen, wäre zu kurz gesprungen. Ohne Männer aus ihrer Verantwortung entlassen zu wollen, muss beachtet werden, dass konsequente Gleichstellung bis heute zumindest nicht strukturell verankert ist. Im Gegenteil, in den Strukturen stecken bis ins Mark die alten patriarchalen Ungleichheitsmuster. Das heißt, der einzelne Mann steht vor Anreizstrukturen, die nach den alten Mustern funktionieren und diese immer wieder erneuern und verstärken: wie Arbeits(zeit)-kulturen, Steuer, Krankenversicherung. Hinzu kommt, dass von der Norm abweichendes Verhalten (negativ) sanktioniert wird, was für die Sozialverwaltung bis hin zur zwischenmenschlichen Interaktion im persönlichen Nahraum gilt.

  • Männer, die als Erzieher in der Kita arbeiten wollen, müssen sich über kurz oder lang damit auseinandersetzen, dass viele Eltern männliche Kindergärtner für potenzielle Pädophile halten.
  • Für die Ehe geht das BGB seit Ende der 1970er von einem partnerschaftlichen Arrangement aus. Bei einer Scheidung hingegen wird auf das alte Bild der klar unterschiedenen Geschlechterrollen als Ernährer-Vater-Mann und Mutter-Hausfrau zurückgegriffen.
  • Männer, die Angehörige pflegen finden sich auf „fremden Terrain“ wieder.

Was im mikrosoziologischen Raum beginnt, verdichtete sich zu gesamtgesellschaftlichen Strukturen: In der partnerschaftlichen Interaktion setzen Spezialisierungsdynamiken ein und verselbständigen sich, wobei aus anfangs kleinen Unterschieden immer größere und verfestigte Arbeitsteilungen entstehen. Mit anderen Worten, es braucht erhebliche individuelle aber eben auch strukturelle Anstrengungen, um die gewachsenen Ungleichheiten bis hinein in den intimen Bereich der Care-Aufgaben neu und geschlechtergerecht auszubalancieren.

Ziele des Projektes

Das Projekt „Männer im Wandel“ wird dazu beitragen,

  • die Perspektive auf Jungen, Männer und Väter in der Gleichstellungspolitik zuschärfen;
  • Männer als eigenständige Gestalter von Gleichstellungspolitik wahrzunehmen und einzubeziehen;
  • dass die Betroffenheit von Männern in der Politikgestaltung wahr- und ernst genommen wird;
  • die ressourcenorientierte Handlungsfähigkeit von Männern zu bewahren und zu stärken;
  • die flächendeckende Errichtung von Beratungsangeboten für Jungen, Männer und Väter in den verschiedensten Lebenslagen (Gesundheit, Gewalt, Vereinbarkeit, Krisen) politisch zu fördern und einzufordern.

Spezifische Ziele

  • thematische Schwerpunkte auf bundespolitischer Ebene weiterentwickeln;
  • aktuelle und neue Herausforderungen im Themenbereich des Projektes identifizieren und bearbeiten;
  • erfolgreiche Arbeitsansätze und Praxiserfahrungen weiterentwickeln und für Akteur_innen und Öffentlichkeit zur Verfügung stellen;
  • themenrelevante Stellungnahmen und Themen- , Aktivitäts- und Maßnahmenvorschläge und Beratungsangebote auf Bundes- und Landesebene für Ministerien, Unternehmen und Verbände entwickeln;
  • eine fachliche Unterstützung der Akteurinnen und Akteure, der Fach- und Interessenverbände sowie fachlich Expert_innen, insbesondere in den Bundesländern und auf regionaler Ebene, im Bereich der männer- und geschlechterpolitischen Arbeit gewährleisten;
  • Kooperationen und Vernetzung der hier relevanten Akteur_innen auf Bundes-, Länder- und Regionalebene stärken und verankern.

Zielgruppen

Akteur_innen auf der bundespolitischen Ebene, die in männerpolitisch relevanten Themenbereichen agieren:

  • Bundespolitisch: im Bundestag vertretene Parteien, Mitglieder des Bundestags und -ausschüsse, Ministerien wie BMFSFJ und BMAS und ihnen nachgeordnete Bundesbehörden;
  • Landespolitisch: Landesgleichstellungsministerien und ihnen nachgeordnete Landesbehörden;
  • gleichstellungspolitisch relevante Verbände und Organisationen, wie Deutscher Frauenrat, Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V., Verbände der freien Wohlfahrtspflege;
  • Fachexpertinnen und -experten
  • Akteur_innen und Entscheider_innen im Wirtschaftsbereich: Unternehmen und Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften;
  • Medien;
  • Internationale Organisationen.

Maßnahmen und Aktivitäten

  • Initiierung und Begleitung von Fachdebatten auf Bundes-, und internationaler Ebene;
  • Unterstützung von Professionalisierungsprozessen im Praxisfeld sowie Fort- und Weiterbildung von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern;
  • Übernahme einer Mittlerfunktion zwischen Bundes- und Landespolitik und zivilgesellschaftlichen Akkteur_innen im Bereich;
  • Durchführung von Fachveranstaltungen, Aktionen, Kampagnen und Projekten mit bundesweiter oder internationaler Bedeutung;
  • Herausgabe und Dokumentation von Informationsmaterial, Arbeitshilfen und Medien sowie fachliche und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit;
  • Kooperation und Vernetzung mit bundesweiten und internationalen Akteurinnen und Akteure, Verbänden und staatlichen Institutionen aus dem eigenen Arbeitsfeld und den Themenfeldern;
  • Aufbau, Mitarbeit und Pflege von Netzwerkstrukturen und Arbeitskreisen im Arbeitsfeld im nationalen und internationalen Rahmen.

Aktivitätsformate

  • Tagungen, Fachveranstaltungen, Workshops;
  • Durchführung von Fachgruppen und Expert_innenaustausch in den unterschiedlichen Themenfeldern;
  • Gremienarbeit und Beteiligung in Fachbeiräten (bspw. Equal Pay Day, Pflegebeirat);
  • Öffentlichkeitsarbeit zu einzelnen Themenfeldern und Schwerpunkten (Webseite, Newsletter, Texte, Kampagnenarbeit)
  • Stellungnahmen und Bewertungen zu Gesetzesvorhaben und staatlichen Maßnahmen;
  • Expertisen, Arbeitshilfen und Handreichungen zu einzelnen Fachthemen;
  • Verstetigung der Vernetzung und Kooperationen mit bundesweiten und internationalen Akteur_innen und Verbänden.

 

 

„Männer im Wandel“ ist ein Projekt des Bundesforum Männer e.V.

Gefördert vom

BMFSFJ_Web_de