Projekt „Flucht, Migration, Integration“

Männlichkeitsperspektiven für die Flüchtlingsarbeit

Flucht, Migration, Integration – Geschlechterreflektierte Arbeit mit männlichen Flüchtlingen

ein Projekt des Bundesforum Männer

Worum geht es?

Wir möchten einen praxisrelevanten Beitrag zu einer differenzierten und gender-reflektierten Flüchtlingspolitik und Flüchtlingshilfe leisten. Da ungefähr 70 Prozent der 2015 nach Deutschland geflüchteten Menschen Männer waren, sollte die „Flüchtlingsfrage“ unseres Erachtens nach auch als „Männerfrage“ betrachtet werden.

Ein Teil der Antwort sieht aus unserer Sicht so aus: einseitigen und stigmatisierenden Bildern vom männlichen Flüchtling entgegenwirken und wertschätzende, zukunftsträchtige Bezüge herstellen; die Vielfalt von Jungen, Männern und Vätern mit Fluchterfahrung mitsamt ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Potenzialen anerkennen und sichtbar machen; Hilfestrukturen  sowie (Fort)Bildungsangebote für Flüchtlinge und Helferinnen geschlechterreflektiert gestalten; Öffentlichkeitsarbeit auf politischer und zivilgesellschaftlicher Ebene; Zusammenarbeit mit Organisationen und Multiplikator_innen, die unsere Anliegen teilen und sich bereits hierfür einsetzen oder es vorhaben.

Unsere Vorgehen geht Fragen nach wie: welche Nöte, Bedürfnisse und Erwartungen formulieren die männlichen Flüchtlinge selbst – als auch deren haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer? Welche Ressourcen und Zugänge sind vorhanden? Wie können diese ausgebaut werden? Wer benötigt welches Wissen und welche Fähigkeiten? Welche Rahmenbedingungen benötigt eine gelingende Arbeit mit Jungen- und Männern in den Feldern der Flüchtlingshilfe? Welche Risiken und Grenzen sind zu berücksichtigen? Welche Chancen stehen im Raum?

Zielgruppen

Mit wem wollen wir arbeiten?

Unsere Zielgruppen sind Jungen und Männer mit Fluchterfahrung (15 – 27 Jahre) sowie Haupt- und Ehrenamtliche in der Arbeit mit geflüchteten Menschen. Darüber hinaus wollen wir Verantwortungstragende in Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Kultur und Medien mit unseren Anliegen erreichen, zum solidarischen Engagement ermutigen und dabei auch unterstützen.

Worauf wollen wir hinaus?

o Empowerment (Hilfe zur Selbsthilfe) von männlichen Geflüchteten unter besonderer Berücksichtigung von Geschlechter- bzw. Männlichkeit/en reflektierenden Perspektiven.

o Gemeinsame Entwicklung und Verankerung von professionellen Standards einer nicht stigmatisierenden Arbeit mit männlichen Geflüchteten in Bereichen wie Soziales, Erstaufnahme, Sport, Gesundheit, Bildung und Beruf.

o Bildungsangebote für Ehren- und Hauptamtliche wie beispielsweise: Genderkompetenz; die Bedeutung und Wirkung der eigenen Haltung und Praxis; Gender- und männlichkeitensensible Gestaltung der sozialen und räumlichen Bedingungen; Zugänge zur Aufarbeitung von Fluchtgeschichten und -Schicksalen aus geschlechtersensibler Sicht.

o Angebote für geflüchtete Jungen und Männer zum eigenen und abweichenden Geschlechtervorstellungen und damit verbundenen An-, Heraus- und auch Überforderungen.

o Beiträge in zivilgesellschaftlichen und politischen Diskussionen zu Flucht, Männlichkeiten und Integration.

o Sensibilisierung für diverse Formen der Diskriminierung und Ausgrenzung von männlichen Geflüchteten sowie Abbau.

o Sensibilisierung für diverse Formen sexistischer Gewalt gegen Frauen und Männer sowie Abbau derselben.

o Veröffentlichungen von Informationsmaterial, Handreichungen und Stellungnahmen zum Thema.

Ziele

Wie gehen wir vor?

Die folgenden Projektbausteine gleichen den tragenden Speichen der Räder, die unseren „Wagen“ auf Kurs halten und vorwärts bringen.

Austausch und Kooperation

Wir streben den Austausch und die Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Organisationen an, deren Arbeit eng verbunden ist mit Jungen und Männern mit Fluchterfahrung. Unsere angedachten Kooperationspartner_innen kommen aus den Bereichen Unterbringung, Gesundheit, Sport oder in der Schule, (Berufs)Bildung, (außer)schulischer Jugendarbeit und Jugendhilfe. In Gesprächen, Einzel- und Gruppeninterviews identifizieren und tragen wir zunächst aktuelle Herausforderungen, Bedarfe und gelungene Praxisansätze zusammen. Hierüber entstehende Kooperationen münden über in Praxisgruppen.

Praxisgruppen und Diskussion

Sowohl mit Haupt- und Ehrenamtlichen als auch mit geflüchteten Männern und Fachleuten bilden wir Praxisgruppen zu Themen, die sich als praxisrelevant erweisen. Die jeweiligen Schwerpunkte der Teams ergeben sich aufgrund der Expertise und dem von Teilnehmenden geäußerten Bedarfen. Gemeinsam erörtern und entwicklen wir erfolgsversprechende Ansätze und schließen auf diese Weise bestehende Lücken.

Konzeption, Durchführung und Multiplikation

Die Ergebnisse aus den Praxisgruppen werden zur (Weiter)Entwicklung in bzw. mit den beteiligten Organisationen aufgearbeitet. Sie bilden die Grundlage für die weitere Entwicklung, Erprobung und Auswertung von Strategien, Methoden, Beratungsangeboten und Handreichungen. Hier kann es beispielsweise darum gehen, inwiefern die geschlechterreflektierte Perspektive in der Arbeit mit Geflüchteten notwendig ist oder um antirassistische Aufklärung zum „arabischen / muslimischen / afrikanischen Mann“ oder um die Reflexion und Stärkung der eigenen Haltung.

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Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung

Alles praxisrelevante Wissen und Knowhow wird der (Fach-) Öffentlichkeit auf verschiedenen Wegen zugänglich gemacht. Neben einer Internetpräsenz, einem Newsletter und aktuellen Stellungnahmen werden wir Fachforen organisieren. Gerne nehmen auch an Fachveranstaltungen teil, denn eines unserer wichtigsten Ziele ist es, die spezifischen Situationen von männlichen Geflüchteten – sowohl in der Erst- und Anschlussaufnahme, als auch in der längerfristigen Integrationsarbeit – auf die Agenda zu bringen. Gleichsam möchten wir die die bundesweite und internationalen Vernetzung von Fachkräften und engagierten Menschen fördern.

Begleitende Evaluation

Ein Beirat von Fachkräften aus Wissenschaft, Flüchtlingsarbeit und Männerarbeit/-beratung gewährleistet die wissenschaftliche und fachliche Begleitung des Projekts.

Information und Kontakt:

Gabriel Fréville
Projektleitung
Karl-Liebknecht-Straße 34
10178 Berlin
Tel: 030 – 275 811 22
E-Mail: freville@bundesforum-maenner.de

Das Projekt „Flucht, Migration, Integration – Geschlechterreflektierte Arbeit mit männlichen Flüchtlingen“ wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.
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