Die Dosis macht das Gift – Ein Essay über toxische und nachhaltige Männlichkeit

Was macht Männlichkeit toxisch und was macht sie nachhaltig? In seinem neuen Essay „Die Dosis macht das Gift“ beleuchtet Dag Schölper die vielschichtige Debatte um toxische Männlichkeit und entwickelt einen differenzierten Blick auf Männlichkeiten. Die Publikation lädt dazu ein, verbreitete Zuschreibungen zu hinterfragen und neue Perspektiven auf Männlichkeit und Geschlechterverhältnisse einzunehmen.

Was meinen wir eigentlich, wenn wir von „toxischer Männlichkeit“ sprechen? Der Begriff ist längst Teil gesellschaftlicher Debatten geworden und zugleich umstritten. Für die einen beschreibt er schädliche Formen männlichen Verhaltens und Denkens, für die anderen wirkt er pauschalisierend und stigmatisierend.

Mit seinem neuen Essay lädt Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforum Männer, dazu ein, den Begriff differenzierter zu betrachten. Statt Männlichkeit in „gut“ oder „schlecht“ einzuteilen, fragt er nach den Bedingungen, unter denen bestimmte Haltungen, Verhaltensweisen und gesellschaftliche Muster förderlich oder schädlich wirken.

Von toxischer zu nachhaltiger Männlichkeit

Ausgehend von der berühmten Erkenntnis des Arztes Paracelsus, dass die Dosis darüber entscheidet, ob etwas zum Gift wird, entwickelt der Essay eine Perspektive auf Männlichkeit, die Ambivalenzen ernst nimmt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich toxische Anteile von Männlichkeit beschreiben lassen, ohne dabei Männer pauschal zu verurteilen – und welche Rolle nachhaltige Männlichkeiten für Gleichstellung, Gewaltprävention und gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen können.

Der Essay verbindet Erkenntnisse aus Geschlechterforschung, Sozialwissenschaft und Männerarbeit mit aktuellen Debatten um Gleichstellung, Gewalt, Demokratie und Nachhaltigkeit. Er plädiert dafür, Männlichkeiten als wandelbar zu verstehen und die Diskussion stärker auf Entwicklungsmöglichkeiten zu richten.

Die Publikation richtet sich an Fachkräfte aus Sozialer Arbeit, Beratung, Bildung und Gleichstellungspolitik ebenso wie an alle Interessierten, die sich vertieft mit Fragen von Männlichkeit und gesellschaftlichem Wandel auseinandersetzen möchten.
Eine Kurzfassung des Essays findet sich im Praxishandbuch Soziale Arbeit und toxische Männlichkeit“ (Beltz Juventa, 2026), herausgegeben von Petra Brzank, Sabrina Schramme und Stefan Kunde-Siegel.

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Lesen Sie den vollständigen Essay „Die Dosis macht das Gift. Ein Essay über toxische und nachhaltige Männlichkeit“ von Dag Schölper.

Nachhaltige Männlichkeit fördern

Gesellschaften stehen vor tiefgreifenden Veränderungen. Klimawandel, Digitalisierung, demografischer Wandel, neue Arbeits- und Familienformen sowie die Herausforderungen für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt verändern die Lebensrealitäten von Menschen grundlegend. Diese Entwicklungen betreffen auch Jungen, Männer und Väter – und werfen Fragen danach auf, welche Vorstellungen von Männlichkeit in Zukunft Orientierung geben können.

Neue Perspektiven für eine gleichstellungsorientierte Männerpolitik

Mit dem dreijährigen Projekt „Nachhaltige Männlichkeit fördern“ entwickelt das Bundesforum Männer bis Ende 2026 Perspektiven für eine gleichstellungsorientierte Männerpolitik. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert.

Geschlechtergerechtigkeit kann nur gelingen, wenn die Lebenslagen, Bedürfnisse und Potenziale von Jungen, Männern und Vätern mitgedacht werden. Männer sind nicht nur Teil bestehender Probleme, sondern auch Teil ihrer Lösung. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Transformationsprozesse beleuchtet das Projekt, wie Vorstellungen von Männlichkeit zu Geschlechtergerechtigkeit, Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt beitragen können.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Männlichkeiten gestärkt werden können, die Verantwortung übernehmen, Fürsorge ermöglichen, Vielfalt anerkennen und solidarisches Handeln fördern. Dabei geht es zugleich um die Überwindung jener Männlichkeitsnormen, die mit Gewalt, Ausgrenzung, Gesundheitsrisiken, Demokratiefeindlichkeit oder der Abwertung von Sorgearbeit verbunden sind. Nicht Männlichkeit an sich ist das Problem. Entscheidend ist vielmehr, welche Haltungen, Verhaltensweisen und gesellschaftlichen Erwartungen dazu beitragen, dass Menschen und Umwelt geschädigt werden – oder ob sie zu einem guten Leben für alle beitragen.

Impulse für die Gleichstellungspolitik

Das Bundesforum Männer bringt diese Perspektive in politische Debatten ein, entwickelt Impulse für die Gleichstellungspolitik, stärkt die Männerberatung und fördert den Austausch zwischen Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Praxis. Auf nationaler und internationaler Ebene engagiert sich das Bundesforum Männer in Netzwerken und Kooperationen, die Geschlechtergerechtigkeit, Demokratie und nachhaltige Entwicklung fördern.

Nachhaltige Männlichkeit ist ein Angebot, Männlichkeit neu zu denken: als Beitrag zu Geschlechtergerechtigkeit, Demokratie, Gesundheit und sozialem Zusammenhalt. Sie bietet eine konstruktive Alternative zu einengenden und schädlichen Rollenbildern, ohne festzulegen, wie Männer sein sollen.

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