Vielfältige Perspektiven beim Fachforum „Wenn der Sohne mit dem Vater…“

Was brauchen Männer als Väter? Was brauchen Jungen als Söhne (und Mädchen als Töchter)? Was brauchen beide voneinander? Was brauchen sie von der Politik?

Mit diesen Leitfragen startete am Dienstag, den 20. November 2018 das Fachforum „Wenn der Sohne mit dem Vater – Geschlechterdynamik und Geschlechterthemen zwischen Vätern und Söhnen“ des Bundesforum Männer in Frankfurt am Main. Eingeladen waren Fachkräfte aus der Jungen- und Väterarbeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Maßgeblich mitgewirkt an Konzeption, Vorbereitung und Durchführung des Fachforums haben die Fachgruppe „Jungen und junge Männer“ und die Fachgruppe „Väter“ im Bundesforum Männer.

Kein Unterschied bei Müttern und Vätern im Bindungsverhalten

Zu Beginn der Veranstaltung standen zwei Fachvorträge. Zunächst referierte Prof. Dr. Andreas Eickhorst von der Hochschule Hannover empirische Forschungsergebnisse rund um das Thema Väter und ihre Kinder. Ein zentraler Befund: Beim intuitivem Elternverhalten und der Bindung zum Kind bestehen keine wesentlichen Unterschiede zwischen Müttern und Vätern. Im Anschluss sprach Prof. Dr. Lothar Böhnisch (Freie Universität Bozen) in seinem Vortrag ausführlich darüber, dass sich viele Väter heute mehr Teilhabe an Familie wünschen, es in dieser Hinsicht aber noch immer Barrieren gibt – neben sozioökonomischen Rahmenbedingungen und der Paardynamik nicht zuletzt  psychodynamische Konzepte von Mutterschaft und Vaterschaft.

In einer zweiten Inputphase stellte Marc Melcher vom Paritätischen Bildungswerk Bundesverband das Projekt „Daddy be cool – wenn ich einmal Vater bin“ vor und zeigte auf, welche Interessen und Kompetenzen bei Jungen mit Blick auf Themen  wie Familie, Kinder und Vaterschaft vorhanden bzw. aktivierbar sind. Ulrich Severin ergänzte diesen Part durch die Vorstellung der Arbeit des Marburger Väterbüros des VAfK.

Präventive Potenziale, prominente Vorbilder und neue Ansprache-Formate

In den praktischen Arbeitsphasen des Fachforums ging es darum, entlang der Lebenslaufperspektive von Geburt bis zum Großvater jeweils zentrale Themen, Fragen, Rahmenbedingungen und fachlichen Zugänge zusammenzutragen und abschließend konkrete Positionen und Forderungen aus der Jungen- und Väterperspektive zu diskutieren. Im Ergebnis zeigte sich unter anderem, dass Jungen und (werdende) Väter früh angesprochen und in Bildungsarbeit eingebunden werden sollten. Themen sind etwa: Sexualaufklärung, Geschlechterbilder oder partnerschaftliche Arbeitsteilung. Angeboten und Strukturen für Jungen und Väter vor Ort müssen zudem ausgebaut und besser finanziell abgesichert werden. Entscheidend ist dabei, die präventiven Potenziale dieser wichtigen Arbeit stärker herauszustellen. Prominente Vorbilder für Themen der Jungen- und Väterarbeit könnten darüber hinaus helfen, diese stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Und nicht zuletzt: In Zeiten von Internet und Social Media braucht es neue Ansprache-Formate, um Jungen, Männer und Väter besser zu erreichen.

Einzelne der auf dem Fachforum gehaltenen Vorträge sind nebenstehend als PDF-Dokument abrufbar.

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