Internationaler Männertag 2017: Männer als Täter und Opfer von Gewalt – Forschung, Beratung, Prävention ausbauen

Berlin, 16. November 2017. Zum Internationalen Männertag am 19. November fordert das Bundesforum Männer – Interessenverband für Jungen, Männer & Väter e. V. mehr Hilfsangebote und Beratung für Männer mit Gewalterfahrungen. Dazu zählen Beratungsstellen, aber auch Männerschutzräume sowie verbesserte Präventionsprogramme für Männer als Täter und Opfer von Gewalt. Das Bundesforum Männer verweist auf den dringenden Bedarf einer aktuellen, repräsentativen Studie über Gewaltbetroffenheit von Männern.

In der Mehrzahl der Fälle wird Gewalt von Männern ausgeübt. Gleichzeitig sind Jungen und Männer auch von Gewalt betroffen – sei es im öffentlichen Raum, in der Partnerschaft, im familiären und häuslichen Bereich, in der Pflege oder in der Kinder- und Jugendarbeit.

„Was fehlt, sind belastbare Daten über den konkreten Unterstützungsbedarf von Jungen und Männern, wenn diese Opfer von Gewalt werden“, erklärt Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforum Männer. „Der Blick auf die Verletzbarkeit von Männern und Jungen ist oft durch stereotype männliche Rollen- und Selbstbilder versperrt“, so Schölper weiter. Dadurch würden zu viele von Gewalt betroffene Männer alleingelassen. Es gäbe zu wenig Orte und Angebote, wo sie Verständnis und Unterstützung bei partnerschaftlicher Gewalt oder sexueller Gewaltbetroffenheit bekommen.

Täter wie Opfer brauchen auf sie zugeschnittene professionelle Hilfe, um aus Gewaltspiralen auszusteigen und das Erlebte zu verarbeiten. Wichtig ist auch eine Verbesserung der Weiterbildung und Sensibilisierung der professionell Tätigen für das Thema „Männer als Opfer von Gewalt“, zum Beispiel bei Polizei, Sozialarbeit oder im Pflegebereich.

Der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beauftragten Pilotstudie aus dem Jahr 2004 ist nach über 13 Jahren noch keine repräsentative Studie zu Gewaltwiderfahrnissen von Männern gefolgt. Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen als auch von älteren Menschen, beispielsweise in der Pflege, müssen in den Studien über Gewalt einbezogen und entsprechend verknüpft werden.