Männerberatung ausbauen!

Männer brauchen Beratungsangebote – flächendeckend! Das ist die Quintessenz des Netzwerktreffens zum Thema Männerberatung, das am 4.10.2017 zum dritten Mal stattfand. Diesmal hatte das Bundesforum Männer im Rahmen seines vom BMFSFJ geförderten Projektes „Männer im Wandel“ eingeladen. Zahlreiche Experten aus dem gesamten Bundesgebiet waren der Einladung nach Berlin gefolgt und sind zum fachlichen Austausch zusammengekommen. Konsens war: Für Männer ist es wichtig, dass sie endlich direkt als Zielgruppe für Beratung angesprochen werden und zwar präventiv. Das gilt allgemein, für Fragen der Gesundheitsvorsorge, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie genauso wie für psycho-soziale Aspekte.

P1030789Unter der Überschrift „echte Männer reden“ bewirbt beispielsweise der SKM, das Kürzel steht für Sozialdienst Katholischer Männer, seine Beratungsangebote für Jungen und Männer. „Mit Erfolg!“, wie Rüdiger Jähne in seinem einleitenden Vortrag betonte. Jähne arbeitet seit 2015 als Referent für Jungen und Männerarbeit beim SKM Bundesverband. Seiner Erfahrung nach, sei es unbedingt wichtig, dass ratsuchende Männer auch Männer in Beratungseinrichtungen vorfänden. Mindestens ebenso wichtig sei aber auch die Ausstattung der Berater mit ausreichender geschlechtsspezifischer Beratungskompetenz. Das gilt besonders in Gewaltkontexten, nicht zuletzt dann, wenn Männer Opfer von Partnerschaftsgewalt wurden.

Zu diesem Thema stellte am Abend die Journalistin und Autorin Simone Schmollack ihr aktuelles Buch „Und er wird es wieder tun. Gewalt in der Partnerschaft“ vor. Das Buch thematisiert überwiegend Gewaltwiderfahrnisse von Frauen. Ein Kapitel legt jedoch den Fokus auf Männer: „Sie beißt ihm ins Ohr oder Männer sind öfter Opfer von häuslicher Gewalt, als gemeinhin bekannt ist“. Daraus las Schmollack an diesem Abend. Anschließend stellte sie sich P1030869der engagierten Diskussion mit den anwesenden Fachmännern, die teils recht kontrovers verlief.

Dabei wurde ein Dilemma deutlich. Die Gewalt, die Männer erfahren, muss öffentlich sichtbar werden. Gleichzeitig sind sie als Opfer zu schützen. Einerseits müssten sich Männer trauen, öffentlich über Gewaltwiderfahrnisse zu sprechen. Aber das machen ihnen nach wie vor herrschende Klischeevorstellungen von „richtiger“ Männlichkeit sehr schwer. Andererseits müssen Männer einen konstruktiven Umgang mit den Erlebnissen erlernen, was nicht gut im öffentlichen Scheinwerferlicht gelingen kann.

Das Bundesforum Männer wird sich weiterhin dafür stark machen, dass Männer mehr Beratungs- und Unterstützungsangebote erhalten und auch für eine breite Grundlagenforschung im Dunkelfeld der Gewalt gegen Männer wird sich das Bundesforum Männer einsetzen. Auch mindestens zwei weitere dieser wichtigen fachlichen Vernetzungstreffen wird das Bundesforum Männer unterstützen.

 

Zum Zweiten Netzwerktreffen vom 22. und 23. September 2016 in Leipzig gibt es auch einen Beitrag.

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