Erkenntnis braucht Handeln! Männerpolitik endlich in den Blick nehmen!

Pressemitteilung

Mittwoch, 21. Juni 2017

Das Kabinett hat heute den Zweiten Gleichstellungsbericht beschlossen. Das Bundesforum Männer – Interessenverband für Jungen, Männer & Väter e.V. begrüßt die Einschätzung der Bundesregierung, dass sich Gleichstellungspolitik auch an Männer zu wenden habe.

Wie der Bericht der Sachverständigenkommission gezeigt hat, müssen strukturelle Benachteiligungen auf allen Seiten abgebaut und Geschlechterstereotype aufgelöst werden, um Frauen wie Männern unabhängig vom Geschlecht gleiche Verwirklichungschancen zu ermöglichen. Nur so kann eine gleiche und partnerschaftliche Beteiligung an der Erwerbs- und Sorgearbeit im Lebensverlauf unabhängig von Geschlecht gelingen.

Das Bundesforum Männer teilt das im Gutachten formulierte Leitbild eines partnerschaftlichen Erwerbs- und Sorgemodells. Martin Rosowski, Vorsitzender des Bundesforum Männer, betont: „Die Schwierigkeiten bei der fairen Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit dürfen nicht auf die betroffenen Männer und Frauen als deren privates Problem abgewälzt werden. Private Fürsorgeverpflichtungen müssen bei der Gestaltung von Erwerbsarbeit auf der Arbeitgeberseite systematisch berücksichtigt werden. Hierfür hat der Gesetzgeber die geeigneten strukturellen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Sorge- und Erwerbsarbeit ist zwischen Frauen und Männern nach wie vor ungleich verteilt. Der Zweite Gleichstellungsbericht macht diesen „Gender Care Gap“ sehr deutlich. Dazu sagt Martin Rosowski: „Viele Männer und Väter sind aber bereits auf dem Weg und wollen sich stärker in die Sorgearbeit einbringen. Die Nutzung des Elterngeldes durch Väter oder auch die steigende Anzahl von Männern, die Pflegeaufgaben bei pflegebedürftigen Angehörigen übernehmen, spiegeln das wider. Um diese Entwicklungen zu stärken, brauchen wir Gleichstellungspolitik für Männer.

Das Bundesforum Männer begrüßt ausdrücklich, dass der Zweite Gleichstellungsbericht Männer dezidiert als eigenständigen Adressaten von Gleichstellungspolitik in den Blick nimmt. Erfreulicherweise betont die Sachverständigenkommission, „dass gleiche Verwirklichungschancen für Frauen und Männer nur erreicht werden können, wenn auch Strukturen erkannt und beseitigt werden, die Männer aufgrund des Geschlechtes an der Verwirklichung ihrer Lebensentwürfe hindern.“

Die im Gutachten zum Zweiten Gleichstellungsbericht erarbeiteten Handlungsempfehlungen, werden vom Bundesforum Männer unterstützt. Vor allem die Maßnahmen zu einer verbesserten strukturellen Unterstützung von Sorgearbeit und Vereinbarkeit, wie die Einführung einer Familienarbeitszeit, Zeitbudgets für Sorgearbeit, erweiterte Freistellungsoptionen für pflegende Angehörige oder der Abbau der bestehenden steuer- und sozialrechtlichen Anreize für eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung.
Besonders zu begrüßen sind die Vorschläge, die Anreize für Väter setzen, sich stärker in die familiale Sorgearbeit einzubringen, so zum Beispiel eine zweiwöchige Vaterschaftsfreistellung nach der Geburt und die Ausweitung und stärker paritätische Ausgestaltung der Partnermonate beim Elterngeld – etwa jeweils vier Monate pro Partner und weitere sechs Monate frei zwischen den Partnern aufteilbar. Das Rückkehrrecht auf Vollzeit nach einer Phase von Teilzeitarbeit zu verankern, wäre ein wichtiger Schritt. Das Bundesforum Männer wertet es als verpasste Chance, dass die Bundesregierung nicht den Willen hatte, dies zu realisieren.

Begrüßenswert ist aus Sicht des Bundesforums Männer, dass der Zweite Gleichstellungsbericht neben den zentralen Themenfeldern auch weitere wichtige männerpolitisch relevante Akzente setzt, etwa bei den Themen geflüchtete Männer, Geschlechterrollen reflektierende Arbeit mit Jungen, Männer als Täter und Opfer im Kontext von Partnerschaftsgewalt. Das Bundesforum setzt sich dafür ein, dass neben dem Schutz von Frauen vor Gewalt, eine verbesserte Datenlage zur Gewaltbetroffenheit von Jungen und Männern, flächendeckende Schutzkonzepte für von Partnerschaftsgewalt betroffene Männer wie insgesamt Beratungsstrukturen für Männer in psychosozialen Krisen- und Belastungssituationen geschaffen werden.

Das Bundesforum Männer wird die nun vorgelegte Stellungnahme der Bundesregierung zum Gutachten der Sachverständigenkommission aus männerpolitischer Perspektive intensiv und kritisch prüfen. Als bundespolitischer Dachverband steht das Bundesforum Männer hier für die Politik als verlässlicher Partner zur Verfügung, um Gleichstellungspolitik für Jungen, Männer und Väter im Sinne gleicher Verwirklichungschancen zu gestalten.

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