Männer als Opfer von Gewalt – flächendeckende Beratungsstruktur schaffen

Das Bundesforum Männer setzt sich für die Schaffung von flächendeckenden Beratungsstrukturen für Männer ein. Männerarbeit muss selbstverständlich werden. Ein besonderer Bedarf besteht für Männer, die Opfer von (häuslicher) Gewalt wurden. Beratungsangebote und auch Forschungslage dazu sind sehr schmal.

Das Bundesforum Männer beteiligt sich als Kooperationspartner am „Netzwerktreffen Männerschutzprojekte und Männerberatung“, das die Landesfachstelle Männerarbeit Sachsen am 22. und 23. September 2016 in Leipzig durchführt.

Eine erste Studie zu „Gewalt gegen Männer in Deutschland“  wurde 2004 vom BMFSFJ veröffentlicht. Fünf Jahre später wurden die zur empirischen Studie „Männer in Bewegung“ (Zulehner und Volz 2008, hrsg. vom BMFSFJ) erhobenen Daten unter der Überschrift „Männer – die ewigen Gewalttäter?“ noch einmal gesondert ausgewertet (Peter Döge, 2009). Einige Ansatzpunkte liefert auch der Zwischenbericht der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung von 2010. Die Untersuchung „Körperliche und psychische  Gewalterfahrungen in der deutschen  Erwachsenenbevölkerung“ (Robert-Koch-Institut, 2013) gab auch noch einmal einige Hinweise auf das Thema „Männer als Gewaltopfer“.

Von 2011 bis 2012 ließ sich das BMFSFJ durch einen Beirat aus Wissenschaftler_innen und NGOs zu Fragestellungen und Methoden einer vergleichenden Studie zu Gewalterfahrungen von Männern und Frauen im häuslichen Kontext beraten. In diesem Beirat waren diverse Kollegen aus dem Bundesforum Männer und seinen Mitgliedsorganisationen vertreten. Die erarbeiteten Empfehlungen des Beirats sind bis heute nicht in einem Studienprojekt umgesetzt worden und das hat im Moment auch keine Priorität im Ministerium.

12 Jahre sind seit Erscheinen der Pilotstudie „Gewalt gegen Männer in Deutschland“ vergangen. Es herrscht ein großer Forschungsbedarf, um differenzierte Sichtweisen zu bekommen. Männer werden Opfer von Gewalt im häuslichen Bereich. Das ist offensichtlich. Die Polizeikriminalstatistik (PKS) Berlin (2015) weist aus, dass von den in Berlin insgesamt 12.143 erfassten Opfern im Bereich häuslicher Gewalt 3.076 (25,3%) Männer sind. Das entspricht in etwa dem bundesdeutschen Schnitt. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen.

Mehr belastbares Wissen ist notwendig. In der öffentlichen Diskussion herrschen Stereotypisierungen von gewalttätigen Männern vor oder werden neue stereotype Bilder von Männern als Gewaltopfer gezeichnet. Das Bundesforum fordert mehr Forschung in diesem Bereich, um den stereotypoen eine differenzierte und faktengebundene Sichtweise entgegensetzen zu können. Gleichzeitig muss eine bundesweite Beratungs- und Hilfestruktur für betroffene Männer in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen, Gewaltbetroffenheiten und Krisen auf- und ausgebaut werden.

Auf praktischer Ebene arbeitet das Bundesforum Männer eng mit Akteuren auf der Landesebene zusammen, um die Stärkung und Vernetzung der bundesweiten Beratungslandschaft für Männer voranzubringen. Darum beteiligt sich das Bundesforum Männer aktuell als Kooperationspartner am „Netzwerktreffen Männerschutzprojekte und Männerberatung“, das die Landesfachstelle Männerarbeit Sachsen am 22. und 23. September 2016 in Leipzig veranstaltet.