Muttersprachliche Elterntrainings und Väterbeteiligung von REFUGIO München

Doku: Fachforum „Geflüchtete Jungen, Männer und Väter“ Berlin im Januar 2016

Impuls von Melisa Budimlic

Seit 2005 bietet REFUGIO München ein Elterntraining in 31 Sprachen an. Das Training wurde von REFUGIO speziell für Flüchtlinge und Migranten entwickelt und wird von muttersprachlichen pädagogischen Fachkräften in 12 Trainingseinheiten, wöchentlich 2 Stunden durchgeführt. Es gibt das Training in Gruppenform, das dann in einer Sprache angeboten wird. Oder das Training wird individuell zu Hause durchgeführt.

Die Grundlage für das Elterntraining ist „Familienteam- das Miteinander stärken“ von Johanna Graf (vgl. Graf 2005). REFUGIO hat das Manual für Familien mit Migrationshintergrund modifiziert und weiterentwickelt.

Ziel

Es ist eine präventive Maßnahme, in dem die Eltern besser verstehen lernen, welche Erwartungen in der deutschen Gesellschaft an sie gestellt werden und wie sie das Verhältnis zu ihren Kindern reicher gestalten können. Die Familie lernt, auf friedliche Art und Weise ihre Beziehungen zueinander zu pflegen, damit sie miteinander Freude erleben. Auf diese Weise erhalten die Eltern auch eine Perspektive, wie sie ohne Gewalt erziehen können.

Das Training ist in 12 Module aufgeteilt, die individuell ausgestaltet werden. Folgende Themen werden dabei behandelt:

  1. Integrationswissen (Werte, Normen und Regeln in Deutschland, Bildungs- und Schulsystem, Gesundheitswesen in Deutschland. Umgang mit Scheidung und Trennung, Sensibilisierung auf Gefahren vor sexuellem Missbrauch)
  2. Pädagogisches Wissen (Freizeitgestaltung, Umgang mit Medien und Ernährung)
  3. Kommunikationswissen (Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung, gewaltfreie Konfliktbewältigung, etc.)
  4. Kenntnisse über Trauma-Folgewirkungen bei Kindern (Bettnässen, Albträume, etc.)

Als Methoden des Trainings nennt Melisa Budimlic: Theoretische Inputs, ein Motto pro Sitzung, Lernen am Modell, Rollenspiele für Perspektivenwechsel, „Hausaufgaben“, Diskussionen und Einsatz von Tokenprogrammen bei chronischen Problemen.

Hinsichtlich der Anmeldung und Kosten verweist die Referentin darauf, dass das Elterntraining Familien mit Fluchtmigrationserfahrung in der Stadt München zur Verfügung steht. Diese muttersprachlichen Elterntrainings sind für die TeilnehmerInnen kostenfrei. Sie werden seit 2014 von der Landeshauptstadt München, d.h. dem Sozialreferat und dem Stadtjugendamt finanziert.

Themen der Elterntrainings

Erziehungsideale in unterschiedlichen Lebenskontexten; Fehlendes Wissen; Sicherung der Existenz durch Familie versus durch staatliche Institutionen; Kulturelle Unterschiede in der Eltern-Kind-Beziehung; Wechsel von Großfamilie zu Kleinfamilie; Belastungen für die Partnerschaft; Spagat zwischen unterschiedlichen Erziehungsstilen; Fehlendes Wissen; Verlust der Kindheit; Identitätssuche zwischen beiden Kulturen; Verschiebung der Machtverhältnisse innerhalb der Familie; Freizeitgestaltung; Umgang mit den Medien; Gesunde Ernährung; psychische Folgen einer Traumatisierung bei Flüchtlingseltern in ihre Auswirkungen auf das Erziehungsverhalten (vgl. Abdallah-Steinkopff 2015; Abdallah-Steinkopff/Akhtar 2015).

Zur Vertiefung werden die Artikel von Barbara AbdaIlah-Steinkopff (2015) empfohlen, in denen Methoden wie z.B. die Kommunikationstechnik des interkulturellen Pendelns erläutert werden, die Refugio in muttersprachlichen Elterntrainings nutzt:

„Für ein effektives Vorgehen des interkulturellen Pendelns hat sich für die ElterntrainerInnen bewährt in folgenden Schritten vorzugehen:

  1. Erfragen und Verstehen der ursprünglichen Erziehungsvorstellungen durch die ElterntrainerInnen
  2. Anschauliches Erklären der deutschen Erziehungsvorstellungen durch die ElterntrainerInnen
  3. Gemeinsames Abwägen beider Vorstellungen beider Vorstellungen für Entscheidungen der Flüchtlingseltern
  4. Entscheidungen für eine Veränderung der ursprünglichen Erziehungsvorstellungen, i.S. eines interkulturellen Vorgehens durch die Flüchtlingseltern
  5. Erfragen der Rahmenbedingungen zur Umsetzung der Entscheidung durch die Flüchtlingseltern
  6. Gemeinsame Analyse von Hindernissen bei der Umsetzung der Entscheidung
  7. Gemeinsame Suche nach Lösungen für die Klärung und Überwindung der Hindernisse“ (AbdaIlah-Steinkopff 2015: S. 116).

Vorgestellt werden im Workshop auch Erfahrungen, die ein Mitglied des Facharbeitskreises interkulturelle Väterarbeit in NRW in der Arbeit mit einer Gruppe geflüchteter Väter gemacht hat (vgl. Yildirim 2015).

Literatur:

 

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