Bericht zum Workshop Männer

Doku: Fachforum „Geflüchtete Jungen, Männer und Väter“ Berlin im Januar 2016

Von Dr. Dag Schölper

Torsten Weber gab im Workshop einen Erfahrungsbericht über das anderthalbjährige Projekt „mensano – Arbeit mit männlichen Asylbewerbern im Kontext von Gesundheit und psychosozialer Beratung“, das das Männernetzwerk Dresden bis März 2015 durchgeführt hat.

Weber reflektierte Entstehungsweg, Hürden, Erfolge und Misserfolge des Projekts. Einleitend gab er als Hintergrund zu bedenken, dass das Projekt zu einem Zeitpunkt stattfand, als in Dresden rund 2000 geflüchtete Menschen lebten. Heute sind es etwa fünfmal so viele Menschen.

Der Impuls für das Projekt kam aus der Dresdner Sozialverwaltung. Es sollte eine Beratung für die mehrheitlich Männer angeboten werden. Grundüberlegung war, dass es einen besonderen Bedarf in puncto Gesundheit gebe. Das Männernetzwerk Dresden entwickelte ein Projekt, das auf dem Salutogeneseansatz basierte. Das Projekt startete mit aufsuchender Beratung in zwei Flüchtlingsheimen. Schnell zeigten sich diverse Schwierigkeiten, die strukturelle Gründe hatten. Die konzipierte Beratung war als Einzelberatung gedacht. Die räumliche Unterbringungssituation ließ das aber kaum bis gar nicht zu. Eigene Räume für Besprechungen gab es nicht und in den Zimmern waren mehrere Personen untergebracht. Einladungen in die Geschäftsräume des Männernetzwerk Dresden scheiterten in der Umsetzung allein schon daran, als dass die angesprochenen Männer keine Fahrscheine für den ÖPNV hatten und auch nicht über genügend Ortskenntnis verfügten, um anders hinzufinden. Eine weitere Barriere war, dass die Beratung auf Dolmetscher angewiesen war, was immer auch bedeutete, dass es zu sinnverzerrenden Übertragungen kam. Schnell wurde deutlich, dass kulturelle Differenzen bis in die Sprache hinein eingeschrieben waren, sodass sich z.B. im deutschen Kontext bewährte Beratungsmethoden auch aufgrund von Sprachbarrieren als unanwendbar erwiesen.

Der Gesundheitsansatz geriet im Projektverlauf schnell in den Hintergrund. Da es drängendere konkrete Probleme waren, mit denen die geflüchteten Männer sich an die Kollegen vom Männernetzwerk Dresden wandten, z.B. Behördenpapiere erläutern, Unterstützung bei offiziellen Wegen bieten etc. Hürden für einen konzeptionellen Projektverlauf waren auch, dass die Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit unter den geflüchteten Männern nicht sehr hoch war, etwa wenn es um zeitliche Verabredungen ging. Dennoch gab es auch Erfolge, die auch um Gesundheit angesiedelt waren. Besonders im Bereich von Sportangeboten gab es durchaus eine große Nachfrage. Auch ein Kochprojekt vor Ort funktionierte gut. Gemeinsam einkaufen, Essen zubereiten und gemeinsam essen und ins Gespräch kommen. Das war ein guter Ansatz. Er hatte jedoch auch Grenzen. Denn gleichzeitig zeigte sich hier auch die Heterogenität innerhalb der Gruppe der geflüchteten Männer, sodass nicht alle mit allen gemeinsam an solchen Aktionen teilnehmen wollten.

Neben der Zielgruppe der geflüchteten Männer selbst, erwies sich die Arbeit mit der zweiten Zielgruppe – denjenigen, die mit den Geflüchteten arbeiten ¬– als fruchtbringend. Kollegiale Beratung funktionierte sehr gut.

In der Summe zeigte sich, dass es erfolgversprechender und nachhaltiger ist, wenn an bestehende Angebote angedockt wird und die Arbeit mit geflüchteten Menschen integriert wird, anstatt eigene und unverbundene Flüchtlingsprojekte aus dem Boden zu stampfen.

 

Zurück zur Übersicht