Bericht zum Workshop Väter

Doku: Fachforum „Geflüchtete Jungen, Männer und Väter“ Berlin im Januar 2016

von Michael Tunҫ

Im Workshop erläuterte Melisa Budimlic vom Träger Refugio München in ihrem Impuls die Erfolge der langjährigen Arbeit (s.o.): im Rahmen der therapeutischen Angebote für die geflüchteten Mütter/Väter gelang es, mit einem aufsuchenden bzw. integrierten Arbeitsansatz die Zielgruppe gut zu erreichen. Die Elterntrainings, die auch geflüchtete Väter erreichen, werden beispielsweise im wöchentlichen Wechsel mit bestehenden Therapieterminen angeboten, so dass die Elterntrainings leichter wahrgenommen werden.

Neben vielen allgemeinen pädagogischen Methoden von Elterntrainings wurden interkulturelle bzw. migrationspädagogische Ansätze und Methoden vorgestellt, die auch als sehr wirksam für die Arbeit mit Vätern gesehen werden. Strukturell kann als Erfolgsfaktor herausgestellt werden, dass der Träger Refugio in der Personalstruktur muttersprachlich kompetente Fachkräfte hat, die zumeist selbst einen Migrationshintergrund haben. Männliche Fachkräfte mit Migrationshintergrund sind insofern für den Zugang und die Arbeit mit geflüchteten Vätern wichtig. An diesem Punkt sieht auch Refugio noch Bedarf, den Anteil männlicher Fachkräfte mit Migrationshintergrund noch zu erhöhen, z.B. auch mit Kompetenzen der Herkunftssprachen der Geflüchteten.

Für die Professionalisierung des Handlungsfeldes zeigt das Münchener Beispiel große Bedarfe der Qualifizierung und Fortbildung: für das Münchener Stadtgebiet sind aktuell 30 Fachkräfte in den (muttersprachlichen) Elterntrainings tätig. Das verweist auf die gigantische Herausforderung an die Politik, die z.B. in München vorhandenen Konzepte und Maßnahmen in die Aus- und Fortbildung bzw. Projektentwicklung im ganzen Bundesgebiet zu übertragen. Es sollte daher eine Forderung des Bundesforums Männer sein, diese brennende Frage von Qualifizierungsbedarfen an politisch Verantwortliche zu richten, um diesbezüglich Prozesse und Entwicklungen voranzutreiben. Das umfasst auch die Aufgabe, Kooperationen und Netzwerke zu fördern, damit Migranten-Communities und Migrantenselbstorganisationen (MSO) enger in die geschlechtsreflektierte Sozial- und Bildungsarbeit mit männlichen Geflüchteten einbezogen werden können (vgl. Goltz 2015). Das Bundesforum Männer sollte überlegen, wie es Migrantenselbstorganisationen als Mitglieder im eigenen Verband gewinnen kann, um mehr der dort vorhandenen Expertise in den Verband herein zu holen und in das Thema Kooperation mit MSO voranzutreiben.

Das Bundesforum Männer muss sich im Sinne des Kindeswohls dafür engagieren, dass das Recht der Kinder auf die Eltern auch für Geflüchtete durchgesetzt und verwirklicht wird (vgl. UN-Kinderrechtskonvention): Die rechtlichen Hindernisse der Familienzusammenführung in den restriktiven Migrations- und Grenzregimen müssen abgebaut werden, um geflüchteten Müttern und Vätern das Zusammenleben mit den Kindern zu ermöglichen.

Im Workshop wurden dann Erfahrungen guter Praxis ausgetauscht, wie man die vorhandenen Konzepte der Väterarbeit oder der Vater-Kind-Arbeit auf die Arbeit mit Vätern in Familien mit Fluchtmigrationserfahrung übertragen kann: Sport- und Freizeitangebote für Männer und insbesondere Väter und Kinder lassen sich mit der Zielgruppe geflüchteter Väter umsetzen. Dazu müssen aber die interkulturelle bzw. migrationsgesellschaftliche Professionalisierung durch Qualifizierung und Fortbildung aller Fachkräfte der Väter-oder der Vater-Kind-Arbeit weiterentwickelt werden.

Literatur:

Goltz, Jutta (2015): Die Frage der Augenhöhe. Eine Arbeitshilfe zur Kooperation mit Migrantenorganisationen und Schlüsselpersonen im Feld der Sozialen Arbeit. Stuttgart: Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Baden-Württemberg.

 

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