Sind die Machos zurück? Ein Kommentar von Martin Rosowski

Was in Köln geschah, wirkt nach. Müssen Frauen Übergriffe von geflüchteten Männern befürchten? Angst macht sich breit, wird genährt durch Pauschalurteile. Was ist dran? Sind Männer unter den Flüchtlingen respektlose Machos und Männer aus Deutschland die Guten?

Ein Kommentar von Martin Rosowski

Spätestens seit Silvester in Köln werden in der medialen Diskussion sogenannte Horden junger Flüchtlingsmänner beschworen, die es angeblich auf unsere Frauen und auf den Konsens der Geschlechtergerechtigkeit in unserer Gesellschaft abgesehen haben.Die Bilder von der Domplatte wirken offensichtlich nachhaltig. Das verwundert aber auch nicht, denn sie waren abstoßend und beängstigend. Nach wie vor fehlen belastbare Informationen über die Ereignisse. So bleibt die Beobachtung, dass junge Männer, vermutlich weitgehend aus nordafrikanischen Ländern, an Delikten wie Raub und sexuellen Übergriffen beteiligt waren, und dass ähnliche Situationen und Konstellationen aus anderen Städten nicht unbekannt sind. Sind die Machos also wieder da? – Gegenfrage: Sind sie denn je weg gewesen?

Es ist uns in Deutschland wichtig darauf hinzuweisen, dass das Grundgesetz die Sorge für Gleichberechtigung von Frauen und Männern als Auftrag des Staates formuliert. In den vergangenen Jahren wurde hier vieles erreicht, doch es wäre fatal zu meinen, wir hätten darüber einen nachhaltigen Konsens erzielt. Erinnert sei an die Sexismus-Debatte um Brüderle oder die verbissenen Diskussionen über den vermeintlichen Nonsens einer „Gender-Ideologie“ und ihre „Frühsexualisierung von Kindern“. Und niemand wird verleugnen, dass es sie auch gibt, die Vergewaltiger, Männer, die Kinder missbrauchen, grapschende Kollegen, Händler und Konsumenten von Kinderpornografie, die in Deutschland geboren sind.

Natürlich muss man fragen dürfen, ob die sozialen und religiösen Prägungen in anderen Kulturen für die Integration junger männlicher Flüchtlinge problematisch sind. Genauso muss man aber auch die Quellen identifizieren, die bei uns in Deutschland traditionelle Stereotype immer wieder neu produzieren. Niemand wird bestreiten, dass Sexismus, Missachtung und Gewalt gegenüber Frauen (aber natürlich auch gegenüber Männern), egal von Menschen welcher Bevölkerungsgruppe begangen, unnachgiebig zu ahndende Straftaten sind. Doch es ist mehr als bedenklich, dass allein die Tatsache, dass Männer zu uns kommen, eine Bedrohung darzustellen scheint!

Wir müssen wegkommen von dem Bild, dass Männlichkeit grundsätzlich gefährlich, bedrohlich, triebhaft oder unterdrückend ist. Die Männer als homogene Gruppe gibt es nicht. Die Realität weist doch eher auf Männlichkeiten hin, die sich jeweils aus völlig unterschiedlichen Einstellungen, Erfahrungen und Prägungen herleiten. In den meisten Männlichkeitsentwürfen stecken auch Ressourcen wie Empathie, Verantwortung und Hingabe. Machistische Bilder in den Köpfen junger Männer können überwunden werden, wenn bei diesen Ressourcen angesetzt wird.

Dazu brauchen sie Männer als Dialogpartner, die authentisch vorleben, dass der respektvolle Umgang zwischen den Geschlechtern und sexuellen Identitäten die Grundlage einer humanen Gesellschaft bildet. Eine Herausforderung für uns evangelische Männer!

Martin Rosowski ist Geschäftsführer des Evangelischen Zentrums Frauen und Männer gGmbH in Hannover, Leiter des Fachbereiches Männer und Vorsitzender des Bundesforums Männer – Interessenverband für Jungen,Männer und Väter.

Ursprünglich erschienen in der Evangelischen Wochenzeitung „die Kirche“ am 07.02.2016.

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