Zum Int. Männertag 2015: Flucht, Vertreibung, Migration – Männerschicksale wahrnehmen

Notunterkunft Jahn-Sporthalle, Berlin-Neukölln

Eine Position des Bundesforum Männer anlässlich des Internationalen Männertags am 19.11.2015

In der aktuellen Flüchtlingsdebatte werden Männer verzerrt als Bedrohung der geschlechtlichen Gleichstellung und als potentielle Sexualstraftäter wahrgenommen. Gekommen aber sind hilfebedürftige und oftmals durch Krieg und Flucht traumatisierte Männer. Sie suchen Schutz und Frieden, getragen von der Hoffnung auf ein besseres Leben. Ihre Situationen anzuerkennen – als getrennte Väter, verlassene Söhne, traumatisierte Männer, verfolgte Homosexuelle – und Ihnen Hilfe zu geben, ist Aufgabe einer geschlechterreflektierten Flüchtlingspolitik und geschlechtersensiblen Flüchtlingsarbeit.

Immer mehr Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten erreichen unser Land. Sie fliehen vor tödlicher Gewalt, der Zerstörung ihrer wirtschaftlichen Existenz und dem Verlust aller Perspektiven.

Flüchtlingspolitik muss anerkennen, dass Männer als Opfer Hilfe und Unterstützung beanspruchen: „Wenn in der öffentlichen Auseinandersetzung Schlaglichter auf Männer gerichtet werden, so werden primär Bedrohungsszenarien von gewalttätigen und kriminellen Männern gezeichnet. Der empathische und ressourcenorientierte Blick auf die Mehrheit der geflüchteten und vertriebenen Jungen, Männer und Väter fehlt“, sagt Martin Rosowski, Vorsitzender des Bundesforum Männer e. V.

„Flüchtlingsfrage“ ist auch eine „Männerfrage“

Das Bundesforum Männer fordert, dass die aktuelle „Flüchtlingsfrage“ auch als eine „Männerfrage“ beantwortet wird. Denn obwohl Männer und Frauen zu gleichen Teilen vor Krieg, Gewalt, Unterdrückung und Armut fliehen, so kommen in Deutschland und Europa größtenteils Männer an. Dies hat vielfältige Gründe. Dabei spielen auch Rollenbilder eine gewichtige Rolle: Männer müssen durch Erwerbsarbeit in Europa zum Familieneinkommen beitragen; ihnen werden von ihren Familien größere Chancen in Europa anzukommen zugeschrieben und mehr Risiken zugemutet; Männer sollen im Aufnahmeland die Grundlage für einen Familiennachzug schaffen.

Frustration ist dabei vorprogrammiert. Junge männliche Flüchtlinge in Deutschland stehen vor der Realität einer lang anhaltenden Unterbringung in Massenunterkünften und der Enttäuschung ihrer Hoffnungen auf rasche Beschäftigung und Familiennachzug. Die Arbeit mit diesen jungen Männern erfordert, ihnen eine realistische Einschätzung von Chancen und Möglichkeiten zu vermitteln und dabei Wunsch und Wirklichkeit in eine respektvolle Balance zu bringen.

In der öffentlichen Auseinandersetzung scheint vielmehr der bloße Hinweis auf die Tatsache, dass es sich um Männer handelt, Besorgnisse auszulösen, was von vielen Medien verstärkt wird. Das wirft die Frage auf, welche negativen Männerbilder eigentlich in der deutschen Gesellschaft vorherrschen, auf denen solche Vorstellungen und Ängste gründen. Dabei ist auch die deutsche öffentliche Medienlandschaft aufgerufen, die eigenen Männerbilder, Vorurteile und Stereotypen kritisch zu prüfen.

gegen negative Stereotypen ‚des Flüchtlingsmanns‘

„In dieser Situation brauchen wir dringend eine gendersensible Flüchtlingspolitik, die sich gegen negative Pauschalurteile und Stereotypen ‚des Flüchtlingsmanns‘ wehrt. Wir fordern, dass die Rechte von Frauen gesichert werden, ohne generalisierende stereotype Ängste gegenüber Männern zu schüren“, so Martin Rosowski.

Das Bundesforum Männer fordert Strukturen und Konzepte einer geschlechterreflektierten Flüchtlings- und Integrationspolitik, welche Perspektiven und Bedarf von männlichen Flüchtlingen explizit einbezieht. Diese Perspektiven müssen in den vielfältigen ehrenamtlichen Leistungen, aber vor allem in professionellen und öffentlichen Strukturen fest verankert sein. Wichtige

Perspektiven sind dabei:

  • Die Fluchtursachen und Beweggründe von Jungen, Männern und Vätern in den Herkunftsländern beachten.
  • Einer männersensiblen Bearbeitung von Fluchtbedingungen und -erlebnissen einen adäquaten Raum geben?
  • Soziale und räumliche Bedingungen gender- und männersensibel gestalten, bspw. bei der Unterbringung und Betreuung von allein reisenden Jungen.

„Männer übernehmen Verantwortung“ lautet der aktuelle Projekttitel des Bundesforum Männer. Als Interessenverband für Jungen, Männer und Väter werden wir gleichstellungspolitische Haltungen, Positionen und Forderungen mit Blick auf die Flüchtlingspolitik und Integrationsarbeit weiter entwickeln und in den politischen Raum geben.

Der Internationale Männertag ist für uns Anlass, um die Perspektive auf Jungen, Männer und Väter in der aktuellen Flüchtlingsthematik zu schärfen. Wir werden an dem Thema aber auch über den aktuellen Hype hinaus dranbleiben.