Fachtagung „…auf Arbeit“ – Männer wollen nicht länger nur Malocher sein

Das Bundesforum Männer hatte zur Fachtagung „…auf Arbeit. Männerpolitische Perspektiven“ eingeladen. Gut 100 Leute nahmen am Montag, den 21.09.2015 die Gelegenheit war und kamen ins IG Metall-Haus in Berlin. Männer und Arbeit. Damit ist das Themenfeld der Tagung umrissen. Es ging um die Vorstellungen und Wünsche von Männern und um die vorgefundenen Realitäten. Politische Ideen und Forderungen wurden erarbeitet und diskutiert.

Olivier Höbel, der IG Metall Bezirksleiter von Berlin-Brandenburg-Sachsen unterstrich, dass gerade im Metall-Bereich und besonders in den östlichen Bundesländern vielfach schwieriege Lebens- und Arbeitsbedingungen herrschten, in dem ganz überwiegend Männer beschäftigt sind. Am Beispiel Schichtarbeit verdeutlichte er, wie problematisch sich Arbeitszeitflexibilität auswirken kann, wenn diese einseitig als Recht und Anspruch bei der Arbeitgeberseite liege, sodass nicht selten und von heute auf morgen vom Arbeitnehmer Doppelschichten verlangt würden.

Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek (BMFSFJ) knüpfte daran an und sprach von einer „leisen Revolution“, die von den Männern ausgehe, die sich nicht länger auf den Erwerbsmann reduzieren lassen wollten. Er betonte, dass die männerpolitische Perspektive wichtig sei. Kleindiek hob mit Blick auf das Bundesforum Männer hervor, dass Politik solche zivigesellschaftlichen Akteuere brauche, die im Dialog mit Frauen und ihren Organisationen, den Wandel der Geschlechterverhältnisse hin zu mehr Partnerschaftlichkeit und fairer Chancenverteilung gestalten.

Regina-Dolores Stieler-Hinz, die Bundesvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) verdeutlichte, dass dieser Wandel nicht durch Klein-klein zu erreichen sei. Sie skizzierte einen grundsätzlichen Gegenentwurf zur heutigen (Erwerbs-)Arbeitsgesellschaft, das Modell der „Tätigkeitsgesellschaft“. Darin würde eine radikale Neubewertung von Arbeit in einem umfassenden Sinne vorgenommen und eine Balance der unterschiedlichen, gesellschaftlich relevanten „Tätigkeiten“ entstehen. Die einseitige Dominanz der „Erwerbsarbeit“ – besonders für Männer – wäre damit überwunden. Eine Voraussetzung dafür wäre ein allgemeines Grundeinkommen.

Markus Theunert, Präsident von männer.ch formulierte als gleichstellungspolitische Zielstellung eine hälftige Teilung von bezahlter produzierender Arbeit und unbezahlter reproduktiver Arbeit zwischen Frauen und Männern. Er spitzte zu: „Jede Ungleichverteilung der Geschlechter „auf Arbeit“ (sei) ethisch eine Ungerechtigkeit, politisch eine Diskriminierung – und wirtschaftlich eine Verschleuderung von Talent und Bildungsinvestitionen.“

 

Einen ausführlicheren Tagungsbericht gibt es hier.

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