Vereinbarkeit von Familie und Beruf nun auch für Männer ein Gleichstellungsziel – allerdings ohne Mitbestimmung über Gleichstellungsbeauftragte!

Der Deutsche Bundestag hat am 6.3.2015 das sogenannte Quotengesetz beschlossen, zusammen mit Änderungen am Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG). Eine Neuerung kommt Männern zugute, die in der Bundesverwaltung beschäftigt sind. Die Gleichstellungsbeauftragten müssen sich nun auch um die Vereinbarkeitsbelange von Männern kümmern. Im Gleichstellungsplan muss festgelegt werden „wie insbesondere Männer motiviert werden sollen, entsprechende Vereinbarkeitsangebote stärker in Anspruch zu nehmen“ (§ 13 Abs. 2 Satz 2 BGleiG).

Gleichstellungsbeauftragte müssen jetzt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer im Blick haben. Sie müssen dabei auch Männer aktiv einbeziehen. Das ist eine Neuerung im Gesetz, die in die richtige Richtung weist: Männer kommen vor und sind ausdrücklich einzubeziehen. Bedauerlicherweise bleibt an anderer Stelle alles beim Alten: Nur Frauen wählen eine Frau zur Gleichstellungsbeauftragten. Männer haben kein Mitbestimmungsrecht. Sie können nicht mitentscheiden, wer sich für ihre Belange in Sachen Gleichstellung, Elternzeit, Teilzeit, Pflegezeit etc. gegenüber den Vorgesetzten einsetzen soll.

Die fortbestehende Verweigerung des aktiven und passiven Wahlrechts für Männer ist ein eklatanter Makel, der durch die Novellierung des Gleichstellungsgesetzes nicht behoben wurde. Wenn Gleichstellungsbeauftragte auch für die Belange von Männern zuständig sind, aber von ihnen nicht gewählt werden können, kann das schnell zu Vertrauensdefiziten führen, was die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten schwieriger macht als sie sowieso schon ist.

Das Bundesforum Männer setzt sich dafür ein, Männern das aktive und passive Wahlrecht zu eröffnen. Wir favorisieren professionelle Teams aus Männern und Frauen als Gleichstellungsbeauftragte. Wenn Lebens- und Arbeitsweisen von Männern im Gesamtkonzert einer modernen Gleichstellungspolitik thematisiert und verändert werden sollen, dann braucht es Promotoren in den Verwaltungen, Unternehmen und Gerichten. Aber auch bei der jetzigen Gesetzeslage brauchen die Gleichstellungsbeauftragten mehr finanzielle und personelle Ressourcen, um ihren erweiterten Aufgaben bezogen auf Männer gerecht werden zu können.

Problematisch ist, dass bei Bewerbungsgesprächen und Auswahlentscheidungen (BGleiG §7, §8) Männer nur dann zu bevorzugen sind, wenn es um die „Besetzung von Arbeitsplätzen in einem Bereich [geht], in dem Männer aufgrund struktureller Benachteiligung unterrepräsentiert sind“. Demgegenüber reicht bei Frauen eine einfache Unterrepräsentanz aus.
Was eine „strukturelle Benachteiligung“ ist, bleibt unklar. Dabei haben Benachteiligungen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit immer strukturelle Ursachen, die sich auf die einzelnen Individuen auswirken.

Die Einbeziehung von Männern im BGleiG ist nicht zu Ende durchdacht. Darin stimmen wir mit kritischen Stimmen z.B. von Bündnis 90/Die Grünen überein. Nicht nachvollziehbar sind für uns aber die im Gesetzgebungsprozess erhobenen Forderungen der Grünen und der Linken, die Männerförderung gleich ganz zu streichen, weil sie angeblich verfassungswidrig sei und es darüber hinaus keine „strukturelle“ Benachteiligung von Männern gäbe.

Ziel muss eine strukturelle Durchlässigkeit sein, mit der eine faire Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern sowohl im privaten Familien- und Pflegebereich erreicht wird. Gleiches gilt für die Arbeitswelt, in der noch immer scharf zwischen Frauen- und Männerarbeitsbereichen unterschieden wird. Wer das  verändern will, muss auch auf Männerseite dafür sorgen, dass diese die Möglichkeit dazu bekommen. Männerförderung heißt für uns nicht Kampf gegen Frauen, sondern ist Teil eines gemeinsamen Vorhabens, die Bedingungen für individuelle Entscheidungen und Handlungsoptionen von Frauen und Männern zu verbessern. Hierbei können Gleichstellungsbeauftragte einen wichtigen Beitrag leisten.

Erklärungsversuche wie bspw. von Renate Künast von den Grünen, wonach der Grund für den Mangel an männlichen Erziehern und Grundschullehrern nur darin bestehe, „dass sich Männer auf diese Berufe meist gar nicht erst bewerben“ [1] sind dabei nicht hilfreich. Denn es sind die gleichen Strukturen, Vorurteile und Geschlechterstereotypen, die verhindern, dass Frauen in MINT-Berufe oder in Führungspositionen gelangen und Männer in Sozial- und Pflegeberufe. Jeder Gleichstellungsansatz, der nur eine Seite der Medaille sieht, greift zu kurz. Das wird Männern nicht gerecht und überwindet nicht strukturelle Benachteiligungen von Frauen. Wir wollen raus aus Zuständen, in denen bezahlte und unbezahlte Arbeit, in denen Produktion und Fürsorge rigoros in Männer- und Frauenbereiche aufgeteilt werden.

[1] http://www.stern.de/politik/deutschland/gruene-koalition-soll-maennerquote-fallenlassen-2177609.html