2. Jahrestag zum Gesetz zur Beschneidung von Jungen

 

 Auch zwei Jahre nach dem am 12. Dezember 2012 im Bundestag beschlossenen „Gesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes“ (§1631d BGB) geht die Diskussion um die Beschneidung von Jungen unvermindert weiter.

Zwar wurde einerseits für die betroffenen Eltern, Religionsgemeinschaften, und Ärzte eine „Rechtssicherheit“ geschaffen, in welchen Fällen sie legal handeln, andererseits ist die Diskussion um die das Recht auf körperliche Unversehrtheit der betroffenen Jungen nicht beendet und die politische und moralische Bewertung der Beschneidungspraxen sehr unterschiedlich.

Beschneidung von Jungen

Auch innerhalb des Bundesforum Männer und seiner Mitgliedsverbände wird die Frage kontrovers diskutiert. Mit MOGiS e.V. haben wir ein Mitglied, welches sich vehement gegen die Beschneidung von nicht zustimmungsfähigen Jungen einsetzt, während bspw. aus der BAG Männer, Migration und Mehrfachzugehörigkeiten eher dafür plädiert wird, die kulturellen Diversitäten und die konstitutive Bedeutung der Beschneidung vor allem in jüdischen und muslimischen Religionsgemeinschaften, nicht allein aus einer christlich/bürgerlich humanistischen Weltsicht zu be- bzw. verurteilen.

 Anlässlich des Jahrestages dieses Gesetzte stellen wir hier unterschiedliche Beiträge zur Diskussion
 

 

 

 

 

Dialogtagung-SB-2

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Dialog wäre möglich gewesen.

Der Beschneidungskonflikt als verpasste Chance einer tieferen Verständigung zwischen Juden, Muslimen und dem Rest der deutschen Gesellschaft.

Stefan Beier, Vorstandsmitglied des Bundesforum Männer e.V., 12.12. 2014

Im Sommer 2013 hat das Bundesforum Männer nebst einiger eigenen Stellungnahmen zum Thema eine ‚Dialogtagung Beschneidung von Jungen’ veranstaltet, die eine Begegnung der unterschiedlichen Positionen jenseits von Schlagabtausch ermöglichte.  Gut ein Jahr danach blicken wir zurück auf die Gesamtdebatte: Was hat sich getan?
Nach dem Kölner Urteil vom Mai 2012 hatte die Art und Weise der Auseinandersetzung einen denkbar unglücklichen Verlauf genommen. Es wurden schwere Geschütze aufgefahren, die Vertreter der anderen Meinung implizit oder explizit herabgewürdigt und wahlweise für rassistisch, antisemitisch, unmenschlich oder barbarisch gehalten. Selten wurde eine gesellschaftliche Debatte so sehr von Recht-haben-müssen und so wenig von Respekt für den Anderen bestimmt. Andererseits offenbarte die Leidenschaft, mit der gestritten wurde, wie essentiell wichtig Befürwortern wie Gegnern der (religiös motivierten) Beschneidung ihre Sache ist.

zum Beitrag von Stefan Beier: Ein Dialog wäre möglich gewesen

 

 

 

 Mogis

STELLUNGNAHME ZUM ZWEITEN JAHRESTAG DES „BESCHNEIDUNGSGESETZES“ § 1631d BGB

MOGiS e.V.  – EINE STIMME FÜR BETROFFENE

Der 12.12.2012 markiert eine grundlegende und tragische Zäsur im Deutschen Rechtssystem. Der Beschluss eines Gesetzes, das minderjährigen Angehörigen eines Geschlechts elementare Grundrechte entzieht, ist in dieser Form in der Geschichte der Bundesrepublik bisher einmalig. Dem Bundesforum Männer als Netzwerk für die Interessenvertretung von Jungen und Männern kommt hier eine besondere Verantwortung zu. Schließlich gehört die Wahrnehmung und Thematisierung von geschlechtsspezifischen Diskriminierungen, denen Jungen und Männer in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind, zu seinen Aufgaben, die seine Existenz begründen und erfordern.

Stellungnahme MOGiS e.V. zum 2. Jahrestag des Beschneidungsgesetzes

 

 

Wo bleibt die sachlich-differenzierte und um gegenseitige Anerkennung ringende Debatte?

Von Olaf Jantz (Bundesweites Netzwerk Männlichkeiten, Migration und Mehrfachzugehörigkeiten und mannigfaltig e.V., Hannover)

In den Monaten um den Jahreswechsel 2012/2013 waren an unterschiedlichen Orten in Deutschland unzählige Diskussionen, Auseinandersetzungen und zuweilen auch Werkstattgespräche oder Tagungen zur Einschätzung der „Beschneidung aus religiösen Gründen“ zu verzeichnen. Interessanterweise fanden muslimische und jüdische Gruppen eine Annährung, ebenso wie auf der anderen Seite säkular motivierte Männerpolitiken. Diese standen sich oft kontrovers gegenüber und es wurde eine Suchbewegung der Verständigung eingeleitet.

zum Beitrag von Olaf Jantz

 

 

Dokumentation:

Bundesforum Männer – Dialogtagung zur Beschneidung von Jungen

Getragen von der Erfahrung, dass die jeweiligen Protagonisten der Debatte um die Beschneidung von Jungen, wie Juristen, Mediziner_innen, Kinderrechtlerinnen und Religionsvertreter, aneinander vorbeireden, zielte die Dialogveranstaltung des Bundesforum Männer darauf, einen Raum für eine Auseinandersetzung und Begegnung zu öffnen. Für eine Auseinandersetzung, in dem alle Beteiligten die Positionen der anderen wahrnehmen und nicht die eigene Perspektive für die wichtigste halten, sondern von der Wahrnehmung und Begegnung aus neu bewerten können.

Angesicht der auch heute nicht wirklich gelösten Fragen finden wir die diese Perspektiven durchaus aktuell und stellen sie in der Dokumentation der Dialogtagung zur Beschneidung von Jungen vom 26.4.2013 zu Verfügung.

Dialogtagung-Gesamtdokumentation

 Dialogtagung Beschneidung von Jungen 2013