Bundesforum Männer im Gespräch mit der Bundeskanzlerin

Statement

Die Bundeskanzlerin hatte für Dienstag, den 02.09.2014 zu einem Gespräch zum Thema „Väter und Vereinbarkeit“ eingeladen. Unter den Gästen war Martin Rosowski als Vorsitzender des Bundesforums Männer. Hier bot sich Gelegenheit aus der Sicht von Vätern, über Erfahrungen und Probleme mit Arbeitgebern, aber auch dem gesellschaftlichen Umfeld zu sprechen. Sein Statement ist im Folgenden nachzulesen:

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Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

Als Bundesforum Männer sind wir uns in der Deutung aller Ergebnisse aktueller empirischer Untersuchungen sicher: Männer und Väter wollen heute auf andere Weise ihre Verantwortung in der Familie übernehmen, als es die Leitbilder meiner und unserer Eltern und Großeltern vorgaben. Die Studien belegen eindeutig: wenn Männer die völlig freie Wahl hätten, dann würden sie ihre Aufgaben und Pflichten mit ihren Partnerinnen gleichberechtigt teilen.

Dieser Haltung steht allerdings das Rollenstereotyp des Mannes, „Versorger seiner Familie“ zu sein, als ein nach wie vor gesellschaftlich stark dominierendes Orientierungsmuster entgegen. Grund dafür ist ein Zusammenspiel von ökonomischen Bedingungen, soziokulturell verankerten Traditionen und daraus resultierender Erwartungen. Soll heißen: das gender-bedingte Einkommensgefälle legt den Paaren auch heute noch zwingend logisch die althergebrachte Weichenstellung nahe: beruflicher Vollzeiterwerb für den Mann und Hauptfamilienarbeit für die Frau. Die Reduzierung von Arbeitszeit des Hauptverdieners zugunsten der Familie heißt für alle Beteiligten leider noch immer eine erhebliche Reduzierung des Gesamteinkommens.

20140902_TreffenmitBundeskanzlerin-2Es handelt sich hier um ein wirkmächtiges Rollenmuster, dem ein in vielen Firmen und Organisationen nach wie vor tief verwurzeltes Leitbild vom zeitlich voll verfügbaren, dem Job verschriebenen und von fürsorglichen Pflichten entlasteten Arbeitnehmer entspricht. In solchen Führungskulturen erleben sich Männer in Familien- aber auch sonstiger Fürsorgeverantwortung als Fremdkörper, die gerade von den Vorgesetzten des Mittelbaus mit Skepsis betrachtet werden und in der Regel den Karriereknick zu erwarten haben. Eindeutige Signale der Führungsebenen tun hier not: Männer mit familiären Vereinbarkeitsinteressen sind in den Organisationsstrukturen genauso wie Mütter Normalität!

Für uns ist die politische Vereinbarkeitsfrage eben nicht die Frage nach der Vereinbarkeit von Haushalt, Erziehung und Beruf des/der einen, zur Gewährleistung der Karriere des/der anderen – sondern es geht um die Vereinbarkeit von Familie, Fürsorge und Beruf für Frauen und Männer in allen Hierarchie- und Karrierestufen des Erwerbslebens. Die Forderung nach Frauen in Führungspositionen geht mit dem Recht auch von Männern auf eine Vereinbarkeit von Karriere und aktiver Vaterschaft Hand in Hand!

Männer wissen selbst gut, was sie als Väter und Partner und damit eng verbunden als Arbeitnehmer brauchen. Es gilt, diese Bedürfnisse wissenschaftlich-systematisch konkret zu erfassen und in bedarfsgerechte Politikkonzepte umzusetzen.

Als Bundesforum vertreten wir solche Interessen von Männern. Der Dachverband von mittlerweile 34 bundesweit agierenden und vernetzten Organisationen aus dem Bereich der Jungen-, Männer- und Väterarbeit setzt sich für eine Gleichstellungspolitik ein, die jene Anliegen ernst nimmt und in der positive gesellschaftliche Väterbilder sowie politische Förderungsbereitschaft leitend sind.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, vielen Dank für die Gelegenheit, diese Anliegen mit Ihnen diskutieren zu dürfen.

 

Das Statement als pdf-Download.