Vaterwerden als Thema im Schulunterricht?

Marc Melcher zum Projekt „Daddy be cool“

MarcMelcher2014Der Leiter des Projekts „Daddy be cool“ (zur Projekt-Website: hier), Marc Melcher, stand dem Bundesforum Männer für ein Kurzinterview zur Verfügung.

Bundesforum: Brauchen Jungen ein schulisches Angebot für ihre Lebensplanung, das sie auch auf Vaterschaft vorbereitet?

Melcher: Kurz gesagt, ja. Sie benötigen Bezugspersonen, die mit ihnen ihre Fragen zum Thema Partnerschaft und Familie bearbeiten.
Diese Bezugspersonen müssen allerdings im Rahmen der Jungenarbeit agieren. Dazu gehört dann aber auch eine dementsprechende Fort- und Weiterbildung, da geschlechtsbezogene pädagogische Arbeit kein Teil des Curriculum in der Lehrer- und Lehrerinnen-Ausbildung darstellt.

Bundesforum: Gehören solche Projekte in die Curricula oder sind effektvolle Einzelveranstaltungen besser (Stichwort Boys‘Day)?

Melcher: Ich glaube, dass da ein Tag nicht ausreicht. Eine Tagesveranstaltung kann eine Erfahrung darstellen, nicht mehr und nicht weniger.
Eine gezielte Projektarbeit ist hier sinnvoller, da hier auch längerfristige Beziehungsangebote wahrgenommen werden können.

Bundesforum: Wie können Jungen in ihrer Vielfältigkeit mit solchen Themen erreicht werden?

Melcher: In unserem Projekt hat sich gezeigt, wenn der Rahmen und das Setting stimmen, stellt es überhaupt kein Problem dar, um mit Jungen an diesem Thema zu arbeiten.
Wichtig ist hierbei die Beziehungsebene der Personen die mit den Jungen arbeiten. So verschieden die Lebenswelten von Jungen auch sind, sind ihre Fragen und Bedarfe in dieser Hinsicht doch recht ähnlich. Von Vorteil ist es, wenn tatsächlich Männer in all ihrer Vielfalt, die eine aktive Vaterschaft leben, sich eben aktiv an solch einem Projekt beteiligen. So sind zumindest unsere Erfahrungen im Projekt in Frankfurt am Main bei dem mittlerweile knapp 100 Jungen teilgenommen haben.

Hintergrundinfo:

  • Der erste Durchgang des Projektes fand 2012 an vier Standorten im Rhein-Main-Gebiet statt. Im Mittelpunkt stand die unmittelbare Arbeit mit  Jungen.
  • Der zweite Durchgang fand 2013 an sechs Standorten statt und legte den Fokus nun mehr auf die Fachkräfte.
  • Der dritte Durchgang ist für dieses Jahr geplant. Ziel ist es, „Daddy be Cool“ als eigenständiges Projekt für Jungenarbeit (auch) in  Schulen zu etablieren.
  • 2012 und 2013 war das Projekt gefördert von der „hessenstiftung – familie hat zukunft“ und dem Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt. In 2014 wird das Projekt
    weiter von der „hessenstiftung – familie hat zukunft“  gefördert.

Kontakt:

Marc Melcher
PARITÄTisches Bildungswerk
Bundesverband e.V.
Heinrich-Hoffmann-Str. 3
60528 Frankfurt am Main
Tel.: 069/6706-231
Email:melcher@pb-paritaet.de