Moderne Gleichstellungspolitik braucht auch die Männerperspektive

In Kürze wird feststehen, welche Parteien miteinander über das Programm der künftigen Bundesregierung verhandeln. Alle im Bundestag vertretenen Parteien haben vor einiger Zeit die Wahlprüfsteine Bundesforums Männer erhalten und die Gelegenheit genutzt, sie zu beantworten. Nicht alle unsere Forderungen werden sich in einem künftigen Koalitionsvertrag wieder finden; allerdings gibt es einige Aufgaben, zu denen wir durchaus konkrete Vereinbarungen erwarten.

Im Einzelnen sind dies:

1.    Elternzeitgesetz nachbessern
Zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollten die Partner_innen-Monate im Rahmen des Elternzeitgesetzes erheblich und sozialverträglich ausgebaut werden. Das mittelfristige Ziel muss eine hälftige Aufteilung zwischen Vätern und Müttern sein. Das schafft Rahmenbedingungen für eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit und für engagierte Vaterschaft. Dann könnten gerade auch Männer ihre Elternzeitwünsche gegenüber ihren Arbeitgeber_innen besser durchsetzen und Frauen ihre beruflichen Möglichkeiten besser erhalten als bisher.

2.    Betreuungsgeld zurücknehmen
Das Betreuungsgeld sollte zurückgenommen werden. Die dadurch frei werdenden Mittel sollten für den weiteren Ausbau qualitativ hochwertiger Tageseinrichtungen für Kinder eingesetzt werden. Das verbessert die Vereinbarkeitsmöglichkeiten für Eltern, entlastet Väter vom einseitig verteilten Verant¬wortungsdruck der Ernährerrolle und führt zu gerechter verteilten Bildungschancen für alle Kinder.

3.    Familienpflegezeitgesetz zurücknehmen
Das Familienpflegezeitgesetz sollte zurückgenommen werden. Stattdessen sollten verbindliche Regelungen eingeführt werden für:
•    ein Recht auf Teilzeit,
•    ein Recht auf Rückkehr zur Vollzeit und
•    eine Lohnersatzleistung für die im Pflegezeitgesetz vorgesehene sechsmonatige Freistellung.

4.    Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro
Eine Sozialversicherungspflicht für alle Arbeitsverhältnisse ab dem ersten Euro ist unbedingt einzuführen, unter anderem deshalb, um den Zugang zur Alterssicherung für alle erwerbstätigen Frauen und Männer herzustellen sowie zur Durchsetzung geltenden Arbeitsrechts, um Lohndumping und das Vorenthalten von Arbeitsrechten zu beenden.

5.    Gleichstellungspolitik für Frauen UND Männer strukturell verankern
Eine konsistente Gleichstellungspolitik hat Frauen UND Männer im Blick. Dies muss im Regierungshandeln zentral und auch (weiterhin) in einem Fachministerium strukturell verankert sein.

Mit diesen Forderungen sehen wir uns im Übrigen weitgehend im Einklang mit Forderungen des Deutschen Frauenrates. Gleichstellungsarbeit muss von Frauen und Männer gemeinsam getan werden, wenn sie gelingen soll. Lebenslagen und Anliegen von Männern sind im Sinne eines Teamansatzes ebenso zum Gegenstand von Forschung und Förderung zu machen wie jene von Frauen. Es ist ein Perspektivenwechsel zu vollziehen, der es allen Menschen ermöglicht, sich – unabhängig von ihrem biologischen oder sozial zugeschriebenen Geschlecht und Rollenerwartungen – nach ihren individuellen Fähigkeiten und Wünschen zu entwickeln. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Umsetzung dieser (und natürlich auch der weiteren Forderungen, die wir gestellt haben) dazu beitragen wird, dass die Bundesrepublik Deutschland ein (geschlechter-)gerechteres Land wird.