Allensbachstudie veröffentlicht: Der Mann 2013

„Arbeits- und Lebenswelten – Wunsch und Wirklichkeit“, so der Titel der heute veröffentlichten Allensbachstudie, die vom Axel-Springer-Verlag in Auftrag gegeben worden war. Der Verlag wollte wissen: „Wie tickt der Mann?“.

Nun liegen die Studeienergebnisse vor. Diverse Zeitungen aus dem Hause Springer kommen zu dem Schluss: „Männern reicht es mit der Gleichberechtigung“. Renate Köcher vom Allensbach-Institut klingt jedoch ganz anders, wenn sie resümierend feststellt:

„Der Abschied von den Festlegungen der Geschlechterrollen wird von Männern wie Frauen eher als Befreiung denn als Belastung empfunden. Es eröffnet beiden Geschlechtern neue Optionen, stellt sie aber auch vor neue Herausforderungen.“

Die Studie liefert tatsächlich viele spannende Zahlen. Nur – in der Studie wurde auffallend wenig danach gefragt, was sich die befragten Jungen, Männer und Väter eigentlich für ihre EIGENE Situation etwa in Schule, Beruf und Familie verbessert wünschten. Ein Indiz dafür, dass es hier durchaus etwas zu erhellen gäbe ist die Zahl, dass Männer gerne die Arbeitzeit reduzieren würden, um mehr Zeit für sich zu haben (69 %) – dicht gefolgt von mehr Zeit für die Partnerin (59 %) und erst dann für die Kinder (38 %). Das sollte aber nicht als Egomanie interpretiert werden. Vielmehr ist hierin ein Indiz zu sehen, dass die Berufstätigen bei ihren Versuchen von Vereinbarkeit zu allererst bei sich selbst knappsen.

Dazu passt auch, dass die überwiegende Mehrheit einem Vollzeit-Ideal anhängt – für Frauen wie Männer. Was dabei nicht erhoben wurde ist der Einkommenszusammenhang. Wie wäre es also für künftige Studien mit ‚utopischen‘ Fragen wie: Könnten Sie sich vorstellen nur 32,5 Stunden pro Woche zu arbeiten, bei vollem Lohnausgleich?

Schließlich sind die Entwicklungen im Bereich der Minijobs alarmierend. Vielfach ist zum Leben einfach erforderlich, dass „dual earner“ nicht weniger heißt als „Beide Vollzeit“.

Was Jungen, Männer und Väter aus ihrer eigenen Perspektive für problematisch halten, das bleibt leider weitgehend im Dunkeln. Hier lässt das Studiendesign deutlich zu wünschen übrig. Gleichstellungspolitik, die Jungen, Männer und Väter ernsthaft ansprechen will, braucht daher wohl noch weitere Studien.

Zur Studie als pdf-Download.