Wahlprüfsteine des Bundesforum Männer zur Bundestagswahl 2013

Männerpolitik verstetigen

Jungen, Männer und Väter stehen vor großen Herausforderungen. Traditionelle  Rollenmuster passen vielfach nicht mehr zu heutigen Anforderungen und Bedürfnissen. Neue Lösungen müssen gefunden werden. Die staatliche Politik hat sich in internationalen Abkommen, europäischem Recht, nationaler Gesetzgebung – vom Grundgesetz bis zum Sozialgesetzbuch – und in Rechtsvorschriften der Bundesländer auf die Förderung von Gleichstellung von Frauen und Männern als durchgängiges Leitprinzip verpflichtet. Entsprechend sind Strukturen zu schaffen, damit der Wandel der Geschlechterverhältnisse und damit der Gesellschaft als Ganzes positiv gestaltet werden kann – für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.


Gemeinsam gestalten

„Moderne Gleichstellungspolitik richtet sich an Frauen und Männer“. So hieß das Motto des ersten Internationalen Männerpolitik-Kongresses im Oktober 2012. Das Bundesforum Männer setzt sich dafür ein, dass diese Perspektive gestärkt wird. Darum hat das Bundesforum Männer gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen zwei Fragen an die Parteien formuliert:

  1. Eine konsistente Gleichstellungspolitik hat beide Geschlechter im Blick. Hierbei helfen hauptamtliche Strukturen in Ministerien, Behörden und Kommunen.
    Wir favorisieren daher eine professionelle, mit Frauen und Männern besetzte Gleichstellungsarbeit. Wir sprechen uns gegen ein Entweder-oder aus und wünschen uns ein Sowohl-als-auch.
    Welche Möglichkeiten der Umsetzung sehen Sie?

  2. Eine konsistente Gleichstellungspolitik sollte helfen, einengende Geschlechterrollen zu überwinden. Wir wünschen uns eine Strategie, die nicht „für alle das Gleiche, sondern für jede und jeden das Richtige“ in den Mittelpunkt stellt.
    Hierzu benötigen wir ein Umdenken in der Gleichstellungsstrategie, die Ressourcen für Männer und Frauen nicht alternativ sondern additiv betrachtet.
    Welche Möglichkeiten der Umsetzung sehen Sie?

Lebensverlaufsperspektive berücksichtigen

Der Erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung verdeutlichte, dass das Ziel Geschlechtergerechtigkeit nur erreicht werden kann, wenn die Lebensverlaufsperspektive berücksichtigt wird. Auf diese Perspektive  fokussieren die männerpolitischen Forderungen und Fragen des Bundesforums Männer Jungen, Männer, Väter und ältere Männer.

Vielfalt und Teilhabe für Jungen

Der Staat  hat sich nach dem Sozialgesetzbuch  zur Berücksichtigung von unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen in der Kinder- und Jugendhilfe verpflichtet. Jungen gerecht zu werden setzt voraus, dass sie vielfältige Formen von Männlichkeit erleben und erproben können. Grundlage dafür ist, dass Fachpersonal in Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen den Bedürfnissen von Jungen gerecht werden können. Das Bundesforum Männer fordert entsprechend geschulte Fachkräfte, die Jungen und ihren Bezugspersonen die Möglichkeiten bieten, sich mit tradierten Geschlechtervorstellungen auseinanderzusetzen, um ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Vielfalt von Männlichkeit erleben Jungen (und Mädchen) auch durch das Vorbild des Vaters. Daher setzt sich das Bundesforum Männer zudem für die Stärkung der Kinderrechte ein. Dazu gehört auch das Recht von Jungen,  in getrennten Familien ihre Väter aktiv zu erleben.

Unsere Fragen an Sie:

  • Halten Sie eine fachkompetente Jungenförderung für erforderlich?
  • Wenn ja, in welcher Weise werden Sie eine hinreichende Förderung gewährleisten?
  • Werden Sie sich für das Kinderrecht auf Beziehung  zum Vater einsetzen?

 

Männer unterstützen – für den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Umbrüche in der Arbeitswelt, neue Aufgaben bei Erziehung und Pflege, eine vielfach neue Offenheit für die eigene Innenwelt konfrontieren viele Männer mit individuell kaum zu bewältigenden widersprüchlichen Erwartungen. Psychische Erkrankungen bei Männern nehmen zu. Doch immer noch stoßen die Betroffenen in ihrem privaten und beruflichen Umfeld auf Unverständnis und Ablehnung. Die psychische und physische Verletzbarkeit von Männern ist ein gesellschaftliches Tabu. Die Kriminalstatistik zeigt, dass ca. 70 % der Opfer registrierter Gewaltstraftaten Jungen und Männer sind. Gewalthandeln ist Teil traditioneller Männlichkeitskonstruktionen.

Das Bundesforum Männer fordert daher flächendeckend professionelle Beratungs- und Unterstützungsangebote für Männer.

Unsere Fragen an Sie:

Für welche strukturellen Maßnahmen werden sie sich stark machen, um Rahmenbedingungen zu schaffen, die Männer in ihrer Vielfältigkeit unterstützen? So etwa bei

  • der Entwicklung und Realisierung neuer Rollen- und Lebensmodelle,
  • der Entkoppelung von einer einseitigen Erwerbsorientierung,
  • der Bewältigung von Diskriminierungserfahrungen,
  • der rechtlichen Gleichstellung für schwule Männer im Adoptions- und Steuerrecht,
  • dem Schutz trans- und intersexueller Menschen vor gesellschaftlicher und rechtlicher Diskriminierung

 

Verletzbarkeit von Männern anerkennen

Körperliche Unversehrtheit ist ein unteilbares Menschenrecht – für Frauen und für Männer. Männern muss allgemein zugestanden werden, dass sie verletzbar sind (Verletzungsoffenheit von Männern). Nur so können traditionelle Männlichkeitsrollen erweitert, kann erlerntes gewalttätiges Verhalten hin zu einer gewaltfreien Sozial- und Konfliktkompetenz verändert werden. Was fehlt, sind belastbare Daten über den konkreten Unterstützungsbedarf von Jungen und Männern. Das Bundesforum Männer fordert eine repräsentative wissenschaftliche Studie zu Männern als Opfer von Gewalt.

Unsere Fragen an Sie:

Was werden Sie unternehmen, damit Männer als Opfer von Gewalt

  • in der Öffentlichkeit anerkannt werden,
  • die notwendige Unterstützung erhalten?

 

Gesundheitsförderung für Männer

Das Bundesforum Männer fordert eine regelmäßige Gesundheitsberichterstattung, die explizit auch Jungen und Männer berücksichtigt.

Unsere Fragen an Sie:

  • Wie stehen Sie zu einem Bundesgesundheitsbericht, der dem Thema psychische Gesundheit von Männern besondere Aufmerksamkeit widmet und dabei insbesondere die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den Blick nimmt?
  • Was werden sie unternehmen, damit Krankenkassen und andere Institutionen und Vereine ihre Präventionsangebote an den Bedürfnissen von Männern ausrichten und auf deren protektiven Ressourcen aufbauen?
  • Welche arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wollen sie ergreifen, um die Gesundheit von Erwerbstätigen konsequent zu schützen?

 

Väter haben Vereinbarkeitsprobleme

Väter wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Das Bundesforum Männer setzt sich dafür ein, dass Rahmenbedingungen für eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit und engagierte Vaterschaft geschaffen werden. Dazu gehören verlässliche Betreuungsangebote für Kinder, Arbeitszeitmodelle, die an Phasen und Ereignissen des Lebens orientiert sind („vollzeitnahe Teilzeit“) und vor allem Existenz sichernde Löhne. Wir wollen, dass

  • Väter und Mütter leichter als bisher die Elternzeit ausgewogen unter sich aufteilen können,
  • Väter und ihre Erziehungsleistung gesellschaftlich stärker anerkannt werden,
  • aktive Väter in Unternehmen und Gesellschaft mehr Wertschätzung erfahren,
  • Väter ihre Elternzeitwünsche gegenüber ihrem Arbeitgeber leichter durchsetzen können,
  • Väter in die Lage versetzt werden, die soziale und materielle Versorgung von Kindern angemessen zu gewährleisten.

 

Unsere Fragen an Sie:

Wie stehen Sie zu einer gesetzlichen Regelung von Elterngeld und Elternzeit, die folgendes unterstützt:

  • Aufstockung der PartnerInnenmonate,
  • Möglichkeit für beide Elternteile, gleichzeitig in Elternzeit zu gehen, 
  • Verlängerung des Elterngeldbezugs in Teilzeit-Elternzeit,
  • Ausweitung des Kündigungsschutzes für Väter vor der Elternzeit und
  • Ausweitung des Elterngeldbezuges?

 

Einführung von Mindestlöhnen zur materiellen Absicherung von Vaterschaft und Elternschaft in prekären Verhältnissen?

 

Ältere Männer in den Fokus nehmen

Ältere Männer haben besondere Bedürfnisse. Vom Berufsleben in den Ruhestand, der Phase des aktiven “(Un)ruhestandes“ mit seinen vielfältigen Möglichkeiten und Herausforderungen der Orientierung bis hin zur Phase der Pflege und des Sterbens fordern wir geschlechtsspezifische Beratungs- und Unterstützungsangebote sowie Bildungsangebote für ältere Männer. In der Gleichstellungs- und Familienpolitik dürfen Großväter nicht vergessen werden.

Unsere Fragen an Sie:

Wie beabsichtigen Sie,

  • das bürgerschaftliche Engagement älterer Männer anzuregen,
  • das Engagement als leiblicher oder sozialer Großvater zu bestärken,
  • Räume im täglichen Leben zu eröffnen, die den neuen Ansprüchen und Potenzialen der Großväter und ihrer Familien entsprechen?